02.06.2013 09:24 Johannes Lotz umkreist die menschliche Figur

Werk der Woche: Bizarre Figuren bevölkern Johannes Lotz´Gemälde

Werk der Woche Johannes Lotz das letzte Biest

Johannes Lotz´Motive scheinen der Welt der Phantasie und Groteske zu entspringen (c) Johannes Lotz/ courtesy GALERIE PARROTTA CONTEMPORARY ART

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Von: GFDK - GALERIE PARROTTA CONTEMPORARY ART - 6 Bilder

Johannes Lotz lässt in seinen Gemälden auf Leinwand und Holztüren Bildwelten entstehen, die bevölkert sind von bizarren Figuren auf verschlungenen Wegen zu seltsamen Orten. Sie scheinen mal mehr und mal weniger in vertraute Märchen zu führen, deren Geschichten jedoch durch die Zerstücklung der Narration und formale Uneinheitlichkeit gebrochen sind und damit verschlüsselt bleiben.

Ähnlich wie  Märchen auf eine bedrohliche und schwer zu ergründende Welt verweisen, führen Lotz` Arbeiten in brüchige und ambivalente Lebensräume, die hintergründig auch gesellschaftliche Mechanismen reflektieren. Nicht nur die Thematik der Bildwelten, sondern auch deren malerischer Prozess erinnert an Vorgehensweisen, die uns aus Literatur und Malerei mitunter aus dem Kreis der Surrealisten bekannt sind.

Allen voran prägte André Breton die Écriture automatique, welche Texte und Bilder anstrebte, die ohne jede Kontrolle der Vernunft entstehen sollten. Vergleichbar bedient sich Lotz der Kraft psychischer Prozesse, mit der er die kontrollierende Realitätswahrnehmung des Bewusstseins teilweise bricht und das Ergebnis in seinen Gemälden bannt und ausformt.

In seiner künstlerischen Arbeit umkreist Johannes Lotz die menschliche Figur, um sie malerisch entweder zu verorten oder ihr jeden Bezugspunkt zu entziehen. Mal wird sie zur Randfigur einer übersteigerten Umwelt, mal gewinnt sie eine labile Dominanz über den Bildraum, der sich zurückzuziehen scheint wie in ein schwarzes Loch. Hier liegt der Grat, an dem sich die Ausstellung orientiert und der sich im Werk des Künstlers abzeichnet.

So sind die Bildflächen bei Johannes Lotz zum Teil vollständig von dynamischen Elementen beherrscht, die an den malerischen Gestus fauvistischer, frühkubistischer und expressionistischer Tradition denken lassen. Die gleichsam aus einem exaltierten Wirbel heraus geborenen Figuren sind lediglich Elemente eines vielstimmigen Raumes. Weite Teile des Bildraums antworten den Figuren auf der Handlungsebene nicht. Sie scheinen in einer zeitlosen, »absurden Einsamkeit« (Johannes Lotz), in eine von ihnen nicht zu kontrollierende Umgebung verwickelt.

Diesem Horror Vacui steht eine Ausdrucksform gegenüber, die eine radikale Trennung, einen Bruch zwischen Figur und Lebensraum forciert. In den Gemälden verhalten sich die farbigen Figuren kontrapunktisch zu einem entleerten und fast steril wirkenden Hintergrund. Die Figuren sind isoliert und im Dialog mit sich selbst, eingebettet in eine unbestimmbare Beziehungs- oder Dingwelt. Es sind Motive, die der Welt der Phantasie und Groteske zu entspringen scheinen, um dabei die menschliche Bandbreite und ihre Abgründe zwischen Eros und Thanatos wie in einer gauklerischen Halluzination zu verhandeln.

Zahlreiche Ausstellungen in Deutschland

Johannes Lotz (*1975) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Mainz bei Friedemann Hahn und in München bei Gertraud Schottenloher. Nach verschiedenen Einzelausstellungen, u.a. in der Galerie Michael Janssen in Berlin und Köln und im Künstlerhaus Saarbrücken, widmete ihm die Galerie Parrotta bereits zum zweiten Mal eine Ausstellung. (C) Galerie Parrotta Contemporary Art Stuttgart / Berlin.

 

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