25.11.2013 09:57 digital manipulierte Fotografien

Werk der Woche: Bei Robert Reiter geht es im Kern um das Platon’sche Höhlengleichnis

Robert Reiter Ausstellung

Die Basis der Bilder von Robert Reiter sind digital manipulierte Fotografien, die aus dem umfangreichen Bildarchiv des Künstlers stammen (c) Robert Reiter

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Von: GFDK - Eva Maria Wiest

Die Basis der Bilder von Robert Reiter sind digital manipulierte Fotografien, die aus dem  umfangreichen Bildarchiv des Künstlers stammen. Auf die Phase der Bildkomposition folgt mit Hilfe von digitalen Zeichenwerkzeugen eine Übermalung dieser Fotocollage mit Vektor-Formen, bis das Ursprungs-Motiv vollständig mit monochromen Farbflächen überlagert ist. Dabei spielt der Künstler bewusst mit der Ästhetik von modernen Grafik-Filtern und ist doch von seiner Arbeitsweise eher mit einem Marketerie-Schneider des 17. Jahrhunderts verwandt. Jede Einzelfläche des Bildes erhält, von Hand an virtuellen Gummibändern und Ankerpunkten gezogen, ihre definierte Form und Farbe. Die Farbwerte der jeweiligen Flächen repräsentieren dabei den Mischwert der ursprünglichen Farbigkeit.

Fotografie und Malerei gehen ineinander über

Kategorien von Fotografie und Malerei gehen ineinander über. Somit entsteht, einem Echo des ursprünglichen Bildes gleich, eine neue Wirklichkeit, eine Essenz aus Farbe und Form. Es bilden sich neue Flächen und Bildbereiche, die eine ganz eigene, charakteristische Bildsprache besitzen. Lichtreflexe werden in flusskieselartige Strukturen transformiert, in manchen Schattenbereichen glaubt man fremdartige Wesen zu erkennen. Durch die gezielt gesteuerte Reduktion von Form und Farbe wird statt eines bloßen Abbildes ein Medium geschaffen, das in der Lage ist, dem Rezipienten eine neue, universelle Vorstellung der Wirklichkeit zu vermitteln.

Robert Reiter: “Es geht im Kern um das Platon’sche Höhlengleichnis - ich drehe nur den Spieß um, denn es funktioniert auch anders herum. Die Herausforderung ist, durch das Eindampfen von Farbe und Form die Zensur unserer Wahrnehmung auszutricksen und einen Zugang zum eigentlichen Wesen der Dinge zu eröffnen. Das anfängliche Bild in meinen Werken ist längst verschwunden - alles was der Betrachter noch vorfindet,ist ein Widerhall der ursprünglichen Darstellung. Deren Wirkung hat sich jedoch, einem Homöopathikum gleich, im Verlauf dieses Prozesses potenziert. Im Ergebnis  entsteht die Möglichkeit, sich im Platon’schen Sinne von den Schatten abzuwenden und aus der Höhle ins Licht zu treten.

Robert Reiter:

1961 in Augsburg geboren

1980 Mitbegründer einer Künstlergruppe, die mit neuartigen bildnerischen Techniken experimentiert

2005 erste Werke der "Digital Art" - Reihe

2006 Teilnahme an der Großen Schwäbischen Kunstausstellung

2009 Ausstellung in der Galerie Noah: 24.07. – 30.08.2009 Neue Bilder: Robert Reiter und Roger Fritz

Lebt und arbeitet in Augsburg. Robert Reiter beschäftigt sich seit einigen Jahren als Fotograf und Illustrator mit digitaler Malerei. In seinen Arbeiten zeigt er die Umsetzung und Bearbeitung von eigenen Fotografien am Computer. Durch diese Verfremdung entstehen spannende, beziehungsreiche neue Werke, die durch ihre eigenständige Aussage überraschen.Robert Reiter zum Entstehungsprozess seiner Bilder:„In der Phase der Reduktion von Bild und Farbdetails innerhalb eines Bildes erreiche ich (idealerweise) einen sehr eng definierten Punkt, an dem das Zusammenspiel der Farbflächen plötzlich von einem "Geräusch" zu einem reinen "Klang" führt, der, bei geringsten Änderungen der Flächenzusammenstellung, wieder in ein "Rauschen" zurückfällt. Mein Ziel und meine Faszination ist es also, mich in den von mir ausgewählten und bearbeiteten Fotografien auf die Suche nach dem verborgenen reinen Klang zu begeben.“Der Ausstellungstitel Scrabble, nimmt Bezug auf das vom Architekten Alfred Mosher Butts 1931 entwickelten Spiel Scrabble. Butts Ziel war es, ein Spiel zu schaffen, das je zur Hälfte durch Glück und Können der Spieler beeinflusst wird.


Kontakt:
Galerie Noah
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