16.04.2013 08:52 neue bildwirklichkeit

Werk der Woche: Agata Madejska findet ihre Bildmotive im urbanen Raum

Werk der Woche: Agata Madejska findet ihre Bildmotive im urbanen Raum

Madejskas Fotografien lassen sie als das erscheinen, was sie sind: prekäre Projektionsflächen einer sich immer wieder selbst vergewissernden Kultur (c) Agata Madejska/ Parrotta Contemporary Art

Von: GFDK - Galerie Parrotta Contemporary Art - 6 Bilder


Agata Madejska (geb. 1979 in Warschau, lebt und arbeitet in London und Essen) findet ihre oftmals erst auf den zweiten Blick erkennbaren Bildmotive im urbanen Raum. In ihren Bildern löst sie prägnante architektonische Strukturen wie Denkmäler oder Wolkenkratzer aus dem sie umgebenden Stadtraum heraus und überführt sie mit den grundlegenden Mitteln der Fotografie wie Licht, Kontrast, Komposition und Entfremdung in eine neue Bildwirklichkeit.

Sowohl historisch stark aufgeladene Objekte wie das Denkmal des Kleinen Aufständischen im ehemaligen Warschauer Ghetto als auch temporäre Installationen wie der Sky Mirror von Anish Kapoor in London werden in ihren Fotografien zu abstrakten Zeichen, die den Bildraum dominieren. In ihrer manifesten, geradezu theatralischen Anwesenheit sind die Dinge jedoch umso mehr abwesend. Madejskas Fotografien lassen sie als das erscheinen, was sie sind: prekäre Projektionsflächen einer sich immer wieder selbst vergewissernden Kultur.

Sie isoliert in ihren fotografischen Serien architektonische Strukturen – beispielsweise Denkmäler und Spielplatzobjekte, wie Rutschen oder Schaukeln – von dem Stadtraum, der diese umgibt. Ihre sehr präzise und langsame Arbeitsweise – Madejskas Werkgruppen umfassen kaum mehr als zehn Fotografien und entstehen über mehrere Jahre hinweg – spiegelt die Perfektion ihrer Bildsuche und -behandlung. Fast wissenschaftlich nähert sich die 1979 in Warschau geborene Künstlerin einem Thema. Sie recherchiert, macht Skizzen und Notizen und sucht lange, bis sie ihre Bildmotive gefunden hat.

Ein fast konservativ wirkendes, dabei dezidiert künstlerisches Verständnis des fotografischen Mediums ist in ihren Arbeiten erkennbar. Alle Aufnahmen entstehen analog, ohne künstliches Licht, unter Einbeziehung der natürlichen Witterungen. Ideogram (2007–2009) – eine Serie von acht Bildern, die jeweils ca. 60 x 45 cm – fotografierte Madejska bei grauweiß bedecktem Himmel. Die Serie zeigt Hochhäuser, die durch die Konzentration auf die oberen Gebäudeteile von dem Stadtraum isoliert wirken.

Alles Störende ist ausgespart. Diese Porträts von Gebäuden sind kühl und zart zugleich. Sie haben eine stark zeichnerische Ästhetik, ähnlich einer Architekturskizze, und werden allein durch die Streben der Glasfassaden strukturiert. Farblich sind die Aufnahmen fast monochrom. Eine Rücknahme der Farbigkeit findet sich in allen Arbeiten von Agata Madejska, auch ihrer neuesten, 2010 begonnen Serie The Order of Solids. Erneut grenzt Madejska ihre Bildmotive – Denkmäler, Skulpturen und Springbrunnen - von der Umgebung ab.

Die bilddominierenden Objekte des öffentlichen Raumes können in der Abstraktion der Darstellung zum Teil erst durch den schmalen Bildrand, in dem Häuser und Bäume zu sehen sind, entziffert werden. Sie interessieren Madejska in ihrer Funktion als Projektionsflächen eines kulturellen Kontextes und können als eine übermächtige und gleichzeitig abstrahierende Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer Repräsentation verstanden werden. The Order of Solids verdeutlicht darüber hinaus Madejskas Interesse und ihre Hinwendung zur Skulptur, zur Dreidimensionalität sowie ihr Verständnis von Fotografie als Ausgangs- aber nicht Endpunkt ihres künstlerischen Schaffens. In der Präsentation der Bilder versucht sie stets ihren Bildraum skulptural zu erweitern.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich wie in der neuesten Entwicklung ihrer Arbeiten tatsächlich um Objekte im Raum handelt oder ob sich dieses spezifische Interesse für den Raum in der Rahmung der Bilder ausdrückt. Die Präzision ihres Arbeitens zeigt sich in ihrem gesamten Werk – in der Stringenz des Motivs und der Kontrolle des Abzuges, der Präsentationsform und der Installation. Text: Lisa Marei Schmidt

Agata Madejska, 1979 in Warschau geboren, lebt und arbeitet in London und Essen. Sie studierte an der Folkwang Universität der Künste in Essen und am Royal College of Art in London. Im vergangenen Jahr erhielt sie das Förderstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen sowie ein Stipendium der Kunststiftung NRW für eine monographische Publikation. In der kestnergesellschaft Hannover war sie an der Ausstellung 'MADE IN GERMANY ZWEI' beteiligt. Zeitgleich zur Ausstellung in Stuttgart sind Madejskas Arbeiten auch in 'Twisted Entities. Zeitgenössische polnische Kunst' im Museum Morsbroich Leverkusen zu sehen.

 

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