03.09.2013 09:18 Subtile Techniken der Malerei

Tanja Selzer läßt sich vom Überdruss der Gesellschaft an virtueller Pornographie inspirieren

Tanja Selzer Agave - Zyklus Tanja Selzer Suesse Luegen

Tanja Selzer und ihr Herbarium voller fleischfarbener Abstraktionen (c) Tanja Selzer

Tanja Selzer BuschjaegerTanja Selzer dunkler BaumTanja Selzer SeerosenTanja Selzer SonneTanja Selzer Portrait
Von: GFDK - Harald Krämer

Es sind heikle Motive, die uns in der aktuellen Serie “Süße Lügen” erwarten. Nach “Sabotage” und “Keine Tränen für die Kreaturen der Nacht”, “Mind Candy” und den “Cadavre Exquis” nun also Halbnackte und Nackte in den Büschen. Eigentlich ein klassisches in der Geschichte der Kunst gut abgehangenes Sujet mit solch prominenten Altlasten wie Botticelli und Rubens und Manet und Cézanne und Picasso und so weiter.

Fairerweise wäre auch Paula Modersohn-Becker zu nennen, diejenige Künstlerin, die 1906 das erste Aktselbstbildnis gemalt hat. Damals ein Affront sondergleichen. Eigentlich glaubt man schon alles gesehen zu haben. Doch es wäre nicht Tanja Selzer, wenn es ihr nicht gelungen wäre, diesem an sich abgedroschenen Thema neues (vibrierendes) Leben einzuhauchen. Angesichts der neuen Werke scheint es so, als ob Tanja Selzer den Begriff “Akt” in seinem ursprünglichen Sinne versteht; sich aus den Begriffen des “actus”, also der Gestikulation und des “agere”, was soviel meint wie sich in Bewegung setzen, ableitend.

Ihre Motive sind Screenshots aus dem globalen Bilderalbum des Internet

Outdoor-Momente, die sich irgendwo abspielen können. Kaum kompromittierend, wenn man sie am Bildschirm sieht. Andererseits sind diese Gemälde nicht nur von beachtlicher Größe, sondern zeigen die Körper in einem Farbraum, der auf uns beängstigend, irrational und in seiner gemalten Ekstase lustvoll zugleich wirkt. Irgendwie absurd wie sich die hautfarbenen Formen in diese unsagbare Welt farbiger Abstraktionen verirrt haben.

Es ist genau dieser Widerspruch, der uns irritiert und der uns herausfordert. Aus der Nähe betrachtet wird diese Ekstase noch sichtbarer und spürbarer. So verschmelzen im floral-vegetabilen Liebesakt die Formen des Davor und Dahinter, die Schatten der Menschen und Büsche, die Farben der Gewänder und Pflanzen miteinander. Das Liebesspiel ist ein unmittelbares und ein Intimes; dem Moment und Ausschnitt ähnlich, den die Künstlerin aus der Fülle des ihr zur Verfügung stehenden Materials gewählt hat.

Werk der Woche

Tanja Selzers subtile Techniken der Malerei sind dem dargestellten Thema entsprechend angepaßt. Kraftvolle kontrastreiche Stöße wechseln mit sanften rhythmischen Lasuren ab. Dramaturgisch überaus gekonnt lenkt sie den Blick der Betrachtenden über eine Vielfalt von malerisch geschickt inszenierten Augenblicken hin zum vermeintlichen Höhepunkt. Dieser bleibt im Unscharfen. Wie so oft bleibt es uns überlassen das Dargestellte in unserer Phantasie auszumalen oder das Dargestellte als das zu geniessen, was es nun einmal zuallererst ist: bemalte Leinwand und dies in einer überaus lustvollen Art und Weise.

Subtile Techniken der Malerei

Mit ihrer neuen Serie greift Tanja Selzer auf die Frühgeschichte des Aktes zurück, denn damals war dieser nicht religiös-moralisch verklärt, sondern diente zuallererst dem Kult der Fruchtbarkeit. So lotet Tanja Selzer in den Gemälden ihrer aktuellen Serie “Süße Lügen” nicht nur auf überaus gekonnte Art und Weise die Gesetze der Malerei aus, sondern spielt ebenso mit der seltsamen Gesinnung einer Gesellschaft, die vor lauter Überdruß an virtueller Pornographie scheinbar zurück ins Gebüsch muß.

Text von Harald Krämer

Über die Künstlerin:

1970

geboren in Idar-Oberstein

1993-1999

Studium in Hamburg an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fachbereich Gestaltung, Hamburg

seit 2003 lebt und arbeitet in Berlin

Vita der Künstlerin

Einzelausstellungen

2013

Tanja Selzer neue Arbeiten, 31.August – 12.Oktober, janinebeangallery, Berlin

2012

“Sub Rosa”, janinebeangallery, Berlin

“Mind Candy”, Galerie Karin Sutter, Basel, Schweiz

2011

„Keine Tränen für die Kreaturen der Nacht“, janinebeangallery, Berlin

„Sabotage“, art.ist Galerie, Castrop-Rauxel

Galerie Mühlfeld+Stohrer, Frankfurt a. M.

2010

„Gib mir dein Rot“, janinebeangallery, Berlin

„Nothing Happened“, Galerie Mühlfeld+Stohrer, Frankfurt a. M.

2009

„Surface“, Verve Gallery, Berlin

2007

„New Works“, Galerie Andreas Engler, Berlin

2006

„Full Coverage“, Galerie Andreas Engler, Berlin

Gruppenausstellungen

2013

“Schöne Landschaft – Bedrohte Natur. Alte Meister im Dialog mit zeitgenössischer Kunst” Landschaftsbilder aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin in der Kunsthalle Osnabrück, 9. Juni bis 13. Oktober

„I Amsterdam you Berlin“, St. Johannes-Evangelist-Kirche, Auguststraße 90 in Berlin

“Tierstücke” der Sammlung SØR Rusche Oelde/Berlin

Niederländische Tiergemälde des 17. Jahrhunderts im Dialog mit zeitgenössischer Malerei, 10. 02.-28. 04.2013, Museum Abtei Liesborn

2012

„KREATUREN“, Malerei, Fotografie, Video und Skulptur, Tanja Selzer, Sabine Wenzel, Sevrina Giard, Kerstin Grimm, janinebeangallery, Berlin

„Eros und Thanatos“, 28. April – 26. Mai, Sammlung SØR Rusche Berlin/Oelde, Baumwollspinnerei, Leipzig,

2011

„SATT“, Kunstverein artmx.eV, während der Langen Nacht der Museen, Köln

532 Gallery Thomas Jaeckel, New York City

„röhrender Hirsch“, Galerie Karin Sutter, Basel

„HotSpot Berlin – Eine Momentaufnahme“, Georg Kolbe Museum, Berlin, in Verbindung mit einer Benefiz-Auktionfeaturing mit Simon de Pury

„WANTED“, janinebeangallery, Berlin

„Kreaturen“, Kunstverein Lemgo

„Kreaturen“, Galerie Bernau

2010

„NORDSCHAU 4 – Neue Blicke in die Kunstsammlung der HSH Nordbank“, Hamburg

Café Endlager, kuratiert von Ralf Schmerberg, Stuttgart

2009

„Idyllic Abysses“, Lucas Carrieri Gallery, Berlin

„8 Years Gallery“, Galerie Mühlfeld+Stohrer, Frankfurt a. M.

„NORDSCHAU 1 – Blick in die Kunstsammlung der HSH Nordbank“, Hamburg

2008

„artmx cologne vol.01“, Köln

3rd prize at the Members Art Award 2008, ART FAIR 21, Köln

2005

„Electric Ladyland“, Umformwerk Bewag, Berlin

Messen

2013

Art Karlsruhe, janinebeangallery (Einzelschau)

Messen

2013 Art Karlsruhe, janinebeangallery (Einzelschau)

2012

Art Karlsruhe, janinebeangallery (Einzelschau)

Art Wynwood Miami, 532 Gallery Thomas Jaeckel

2011

Aqua Art Fair Miami, 532 Gallery Thomas Jaeckel

Scope Basel, janinebeangallery

Scope New York, janinebeangallery

2010

Scope Basel, janinebeangallery

Kunst 10 Zürich, Galerie Mühlfeld+Stohrer

art fair 21, Köln, Galerie Mühlfeld+Stohrer

art Karlsruhe, Galerie Mühlfeld+Stohrer

2006

Art Zürich, Galerie Artdirekt

2005

Berliner Kunstsalon, Galerie Andreas Engler

Sammlungen

Sammlung Familie Schneider, Dreieich

Rusche SØR Collection, Berlin, Oelde

Museum am Dom, Würzburg

HSH Nordbank, Hamburg

Sammlung Schirm, Berlin

 

Kontakt: janinebeangallery info@janinebeangallery.com