22.09.2015 07:46 hautnah

Sind Sie eine ehrliche Haut? Oder wollen sie sie nur retten: Kunst von Vera Schranz und Antonia Wöhrer

Ausstellung Antonia Woehrer

In der Gegenüberstellung befinden sich die Werke der beiden Malerinnen Vera Schranz und Antonia Wöhrer in der Galerie Blaues Atelier in Graz. Antonia Wöhrer, alle Bilder (c) Galerie Blaues Atelier

Kunst von Antonia Woehrer

Kunst von Antonia Wöhrer

Portrait der Kuenstlerin Antonia Woehrer

Portrait der Künstlerin Antonia Wöhrer

Hautnah von Vera Schranz

Hautnah von Vera Schranz

Vorher - Nachher Vera Schranz

Vorher - Nachher Vera Schranz

Kunstwerk von Vera Schranz

Kunstwerk von Vera Schranz

Portrait der Kuenstlerin Vera Schranz

Portrait der Künstlerin Vera Schranz

Von: GFDK - Kerstin Eberhard

Diesen Monat stellen die Freunde der Künste Werke der beiden Künstlerinnen Vera Schranz und Antonia Wöhrer vor, die sich dem Thema Haut widmen. Warum gerade "Haut"? Als vielseitiges Organ des menschlichen oder tierischen Organismus übernimmt die Haut wichtige Funktionen des Stoffwechsels und der Immunologie, erklären die beiden Künstlerinnen.

Mit ihren Anpassungsmechanismen dient sie als Hüllorgan der Abgrenzung von Innen und Außen und dem Schutz vor Umwelteinflüssen. Sie repräsentiert uns in unserem Sosein, ist Kommunikationsinstrument und hilft dabei unser inneres Gleichgewicht zu bewahren.

Sprichwörter rund um die Haut

Manchmal sind wir eine ehrliche Haut, wir möchten unsere Haut retten, mit heiler Haut davon kommen, wir möchten nicht in der Haut eines anderen stecken oder aus unserer Haut fahren, wir werden rot vor Zorn oder Scham, grün vor Neid und blass vor Schreck. Kaum ein anderes menschliches Organ versammelt um sich derart viele Phrasen und Sprichwörter. Grund genug für die beiden Malerinnen Vera Schranz und Antonia Wöhrer das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen und Assoziationen Raum zu geben.

Kunst von Vera Schranz

Die gebürtige und in Graz lebende, montenegrinische und akademische Malerin Vera Schranz heimste 2014 den 1. Platz des Annenstraße-Weibsbilder-Preises ein und präsentiert in dieser Folgeausstellung surrealistische Werke inszenierter, aber auch realistischer Welten und deren Mischformen. Die Zustände, die sie rund um das Thema und in ihrer Umgebung ortet, fasst sie in komprimierten Bildaussagen zusammen. Und wie kommt man dazu ein Bild zu malen, das einen traurig anmutenden, offenbar geschlechtstransformierten Mann zeigt, der mit dem Ergebnis seiner Geschlechtsumwandlung nicht zufrieden zu sein scheint? Oder ein erschütterndes Bild – das ein Selbstporträt sein kann, dass Frida Kahlo gemalt haben könnte? Oder ein Bild, das einen Raum zeigt, aus dessen Wand das Skelett eines Dinosaurier kriecht, das sich auf dem Weg zu einem Menschen befindet, der ruhend auf einer entrollten Rasenmatte liegt und auf dem Rücken ein Drachen-Tatoo hat?

Zitat: „Jugoslawien, der Ort meiner Geburt, ist von der Landkarte gelöscht. Um letztlich nach Graz zu kommen, musste ich viele Grenzen überqueren. Ich gehöre zu denen, die sich durch Bilder besser ausdrücken können als mit Wörtern. Es ist ein Privileg, Illustratorin des Zustandes zu sein. Mit Malerei versuche ich nicht Menschen zu enträtseln, ein paar Farben und Linien können das nicht leisten. Manchmal frage ich jemanden, „Wie geht es dir?“ und erhalte ein Bild als Antwort“.  

Ausstellung von Vera Schranz und Antonia Wöhrer

In der Gegenüberstellung befinden sich die Werke der gebürtigen Kärntnerin und in der Steiermark beheimateten Malerin Antonia Wöhrer. Mehrere Personalen in der Galerie Blaues Atelier zeigten bereits ihre in der Sozialarbeit wurzelnden und positionierten bildnerischen Statements, die im Gegensatz zu Schranz´ Werken subtiler wirken, weil sie reduzierter erstellt werden.

In mehreren Schichten und Japan-Spachteltechnik angelegt, schimmert Wöhrers Ambition in ihren Bildern deutlich hervor: immer ist der Mensch im Mittelpunkt, aufbrechend – im wahrsten Sinne des Wortes – in andere Welten, sei es als Flüchtling auf der Suche die eigene Haut zu retten, oder als Einheimischer, der darum bangt, dass seine Wohlstandsidylle verloren gehen könnte und dadurch zur Hetze gegen Fremde neigt. Zitat: „Wir sind gewillt fremde Menschen, auch mit anderer HAUTFARBE, als solche wahr zu nehmen, wir reisen und  surfen im Internet in fremde Länder und genießen das Exotische daran. Nur hier haben wollen wir die andere Hautfarbe nicht“. 

Welche Auf- und Umbrüche in den Menschen und in der Gesellschaft vor sich gehen, wie „Namenlose im Mittelmeer“ anders aussehen als im Fernsehen oder in der Zeitung, wie Transpiration dargestellt werden kann, wie es unter der Haut, also hinter der Fassade aussieht, all das spiegelt sich in den unterschiedlichen Interpretationen der beiden Künstlerinnen gezielt und gekonnt wider.

Text. Kerstin Eberhard, Graz 2015, Zitate in kursiv Vera Schranz und Antonia Wöhrer

Galerie Blaues Atelier, Annenstraße 33, 8020 Graz

Öffnungszeiten: Di, Mi, Do, Fr. 15-18 u. n. t. V.

Ausstellungsdauer: 07.10.-30.10.2015