17.05.2017 11:49 Kunst als Erinnerungsarbeit

Johanna R. Wiens: Male endlich politische Bilder!

Johanna R. Wiens malt, inspiriert von asiatischen Einfluessen

Malerei der Gegenwart. Die Künstlerin Johanna R. Wiens vor Ihrer Arbeit Aneurysma, Foto (c) Johanna R. Wiens

Von: GFDK - Jörg Schwarz

„Du musst endlich politische Bilder malen“ sagte Professor Jörg Immendorff zu mir,  als ich mit gerade mal 19 Jahren in seine Klasse an der Kunstakademie in Düsseldorf kam“, erinnert sich die Düsseldorfer Künstlerin Johanna R. Wiens. Den Ratschlag (oder war es eine Anweisung) ihres Lehrers hat Wiens jedoch nie vergessen.

Nach dem Abschluss ihres Studiums bei Immendorff und Gerhard Merz (bei dem sie Meisterschülerin war) führte sie ihr Weg nach China, Taiwan und Japan….weg von Europa, weg von der europäischen Kultur, Geschichte und Politik hin zu ganz neuen Erlebnissen und Erfahrungen. „Das große Bild hat keine Form!“ das ist es, was ich in Asien gelernt habe, betont die im Saarland auf gewachsene Künstlerin und führt aus: „Ich habe mich ganz intensiv mit der asiatischen Kunst beschäftigt – mit flüchtigen, verschwommenen, fast schon verschwindenden Formen. Dabei habe ich im Kopf die absolute Freiheit empfunden.“

Asiatische Kunst

Hintergrund: Der chinesische Maler - und insbesondere der Landschaftsmaler - muss sich nach Ansicht der Theoretiker vielmehr in einen inneren Zustand der Entleerung, der Entsättigung, der daraus resultierenden Erweiterung, des Gelöstseins, der Sammlung, der inneren Disponibilität und Konzentration begeben, er muss sich von jeder zielorientierten Darstellungsintention befreien, um sich geistig "frei durch das Konkrete" bewegen zu können und "es kommunizierend-operierend zu halten".

Malerei der Gegenwart

Insgesamt lebte die Künstlerin drei Jahre auf dem fernen Kontinent. Neben der Auseinandersetzung mit der asiatischen Kultur hat Wiens versucht, die europäische Kultur aus fremder Perspektive zu betrachten, um ihre Eigenart besser zu begreifen. Wiens erklärt das so: „Die Lebensauffassung, die hinter der chinesischen Malerei steht, ist eine ganz andere als jene, von der die abendländische Malerei geprägt ist. Sich in chinesische Bilder zu versenken, bedeutet nicht nur eine neue Welt kennenzulernen, sondern die alte Welt neu zu sehen.“

Kunst als Erinnerungsarbeit

Ende 2010 kehrte die Künstlerin nach Europa zurück. Wiens: „Ich spürte die absolute Freiheit und den Willen, einen klaren Blick auf die europäische Kultur zu entfalten.“ Wiens war bereit, Immendorffs Wunsch und Aufforderung umzusetzen! Einen Auftrag aus Köln, den Untergang des Stadtarchivs künstlerisch umzusetzen, nahm sie gerne an. Denn: Wiens versteht Kunst als Erinnerungsarbeit, als künstlerisch gestaltetes Gedächtnis.

Ausstellung in Essen

Nun zeigt sie auf Einladung des Landgerichts Essen und des Vereins Justiz und Kultur im Landgerichtsbezirk Essen e.V. unter dem Titel „Das Gedächtnis der Städte“ ihre aktuelle richtungsweisende Arbeit „Aneurysma“ auf der die Göttin Europa am Kopf mit einen roten Faden genäht wird. Konrad Adenauer und Charles de Gaulle beobachten besorgt die Operation. Wiens erklärt: „Mit der Arbeit reagiere ich auf die derzeitig bedenkliche Situation in Europa!“

Neben „Aneurysma“ werden 15 weitere Arbeiten der Düsseldorfer Malerin präsentiert.

Die Ausstellungseröffnung ist am Mittwoch, dem 10. Mai 2017, um 18.30 Uhr im Landgericht Essen, Zweigertstraße 52, 2. Obergeschoss. Zu der Vernissage sind Sie herzlich eingeladen. Die Ausstellung läuft bis Ende August 2017.

Johanna R. Wiens, geb. 1976, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf als Schülerin von Jörg Immendorff und Meisterschülerin von Gerhard Merz. Sie lebte nach dem Studium einige Jahre in China, Taiwan und Japan und beschäftigte sich mit den dortigen Geistes- und Kulturformen. Ihre Arbeiten zieren mehrere Sammlungen. Auch die Sparkasse Essen hat drei Gemälde von ihr in ihre Kunstsammlung aufgenommen.

Weiterführende Links:
http://www.johanna-r-wiens.de/