18.02.2012 06:35 beherzte Seelenschau

Musikvideo Jazz: Songpoetin Christina Lux feat. Reentko stellt ihr neues Album Playground vor

Von: UWE KERKAU PROMOTION

 

 

Christina Lux ist eine zartbesaitete Künstlerin. Ein eher zierliches Wesen mit großem Herzen, klarem Verstand und großer Lust an Poesie. Ihre Songs drängen sich nicht auf, sie schleichen sich eher ins Bewusstsein. Die Autodidaktin, die seit Anfang der 1990er ihre Kreise als originäre Songwriterin,
Gitarristin und Sängerin zieht, hat sich für ihr neues Album „Playground“ mit dem aus Dresden stammenden Gitarristen und Perkussionisten Reentko zusammengetan und sich mit ihm in die Abgeschiedenheit der sächsischen Altmark zurückgezogen, wo in einem kleinen Studio mitten im Niemandsland ein Reigen intimer Songs entstand, wie man sie nicht alle Tage zu hören bekommt.
Auch mit ihrem siebten Soloalbum fordert diese Songpoetin mit ihren Liedern sich selbst ebenso heraus wie ihre Zuhörer. Wie so oft betreibt sie mit ihren nachdenklich-poetischen Lebensbetrachtungen eine beherzte Seelenschau, spürt den tauben Stellen ihrer eigenen Biographie nach. Das tut sie mit respektgebietender Kompromisslosigkeit. Selbst aufrüttelnde Themen versteht
sie mit großem Einfühlungsvermögen in poesievolle Zeilen zu gießen. Das hat eine nahezu therapeutische Wirkung.


Wenn es überhaupt eine Künstlerin gibt, mit der man das Schaffen von Christina Lux zu vergleichen geneigt ist, dann ist das Joni Mitchell. Das liegt vor allem an der rauen und dynamischen Altstimme von Christina Lux, aber auch daran, dass beide Künstlerinnen fern jeder Lehre ihre ganz eigene Art des Gitarrenspiels entwickelt haben, die man kaum imitieren kann und die bei Lux vor allem durch den perkussiven Ansatz eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Last but not least vereint Lux und Mitchell auch das avantgardistische Moment ihrer Kompositionen, die elegisch aber nie zu glatt, melodisch „Playground“ ist das erste Studioalbum seit „Coming Home At Last“ aus dem Jahr 2006. Der
Albumtitel entstand nach einem Gespräch mit einem guten Freund. „Immer dann, wenn Dinge oder Menschen sich verabschieden, haben wir die Chance unser Leben neu zu sehen und unseren Spielplatz zu entdecken. Immer wieder neu. Das braucht manchmal Mut, aber am Ende ist es etwas Großartiges.“ Und so geht das neue Album einher mit einer einschneidenden Veränderung im Leben von Christina Lux: Ihre Tochter ist nun erwachsen geworden und verlässt das Haus. Denn bei all der Gedankenschwere, die Lux-Songs gewöhnlich auszeichnen und die durchaus erfrischende Antipoden
zur Oberflächlichkeit der uns tagtäglich umgebenden Popsongs bilden, gibt es auch eine spielerische Leichtigkeit in ihren Songs zu entdecken.

Der vitale Titelsong zählt da ebenso zu wie das träumerische „Close To The Tide“, das vom Warten auf die Gezeiten erzählt und Mut macht, die leuchtenden, wilden und starken Seiten an sich zu entdecken, sowie das furiose „Head Held High“, der vielleicht energiegeladenste Song des Albums. Die Wichtigkeit zwischenmenschlicher Begegnung zur Selbsterkenntnis zeigt Lux mit „Embrace“ auf, wobei der Song die Gratwanderung zwischen dem Gefühl der Verlorenheit und der Wahrnehmung im Spiegel eines anderen Menschen pointiert zu skizzieren versteht.


Interessant ist auch, dass Christina Lux zwar das Gros ihrer Songs in englischer Sprache singt, jedoch einige ihrer Lieder mit großer Selbstverständlichkeit auch in deutscher Sprache. Auf „Playground“ sind dies „Es ist gut so“, ein beschwingter Titel, den sie schon seit geraumer Zeit in ihrem Live-Repertoire
hat und der nun mit neuem Cello-Arrangement noch mehr Klangvolumen offenbart. Der Song „Vergehen“ entstand in einem Augenblick puren Glücksempfindens während einer Autofahrt. Eine musikalische Momentaufnahme aus innerer Zufriedenheit heraus, die selbst die Vergänglichkeit mit
einer gewissen Gelassenheit annimmt. Lux-Songs sind tiefschürfende Elaborate, die man nicht mal eben im Vorbeigehen erfassen kann, die eher zur Reflexion, zur Erforschung der Seelenlage und Herzensstimmung herausfordern. Zudem hat Lux ein feines Händchen für lange nachwirkende Bilder und Metaphern. So singt sie in „Defenses“, einem betont erdig-funkigen Song voller Soul, vom
„boatride into nothingness“, während sie eine schmerzliche Erfahrung auf der intensiven Pianoballade „Sanctuary“ in ein schlichtes Bild taucht: „She’s got stains on her dress, glowing poppies in ruby red“.


Die Songs beschränken sich zumeist auf ein Minimum an Instrumentierung, aber erzeugen dabei ein Maximum an Atmosphäre – eine schöne Reduktion auf das Wesentliche, was den Fokus noch stärker auf den Gesang setzt. Wunderbar beschreibt sie in „Paper Airplane“ einen Ikarus-Flug der Liebe, lediglich begleitet von einer Baritongitarre, was den folkloristisch konnotierten Song in die angenehme Nähe von Klassikern à la Tracy Chapman rückt. Die Intimität von „Longing“, einer sich sanft wiegenden Hymne auf die Sehnsucht nach den kleinen liebevollen Dingen, die melancholische Bitterkeit, die sich hinter „War Torn“ verbirgt (über die Generation der Kinder von Kriegskindern), der
Mut, sich in „Forget You“ zur Rettung durch Vergessen zu bekennen, oder die Entdeckung, dass neue Begegnungen auch immer die alte Angst vor den Untiefen in sich selbst ans Licht bringen, wenn sie in „May I Ask You“ gesteht, „Suddenly I’m afraid that my scars turn into thorns“ – all das sind
faszinierende Facetten einer komplexen Persönlichkeit, in der wir uns nicht selten wiedererkennen.

Mit dem bluesigen „Mothersong“ setzt Lux „Playground“ eine ebenso persönliche wie würdevolle Schlussnote – ein durch und durch tiefschürfendes Werk, auf dem Psyche und Poesie Hand in Hand gehen.


Die intensive Produktion und die kraftvoll ruhigen Arrangements sind nicht nur den künstlerischen Stärken von Christina Lux zu verdanken, sondern auch der einsamen Klasse des Musikers Reentko, der als Songwriter und Gitarrist schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und unter anderem für die Semperoper Dresden und den Cirque du Soleil arbeitet. Sei es an der Gitarre, am Piano, mit dem E-Bow oder mit vielfältigster Perkussion, stets gelingt es ihm, den Songs auf „Playground“ ein Höchstmaß an Raum und Tiefe zu verleihen, was den Kompositionen zusätzliche Spannung und Dynamik verleiht. Weitere Akzente setzen befreundete Gastmusiker Mohi Buschendorf (Bass), Stephan Braun (Cello) und Stephan Emig (Drums).


Christina Lux ist in ihrer künstlerischen Vita weite Wege gegangen. In jungen Jahren arbeitete die aus Karlsruhe stammende und heute in Köln lebende Musikerin mit Edo Zanki und Fury In The Slaughterhouse, mit internationalen Stars wie Jon Lord und Mick Karn. Einige Jahre gehörte sie der Acappella-
Formation Vocaleros an. Mit ihrem eigenen Trio reüssierte sie bei den Jazztagen in Leverkusen wie auf dem Montreux Jazz Festival. In letzter Zeit konzentrierte sie sich jedoch unter dem Namen Lux vornehmlich auf ihre Soloarbeiten. Wenn sie auf Konzertreisen geht, ist sie Fahrerin, Technikerin, Roadie und Merchandiser zugleich. Eine denkbar autarke Künstlerpersönlichkeit. Es ist
noch viel Spielraum für Lux und ihre musikalischen Leuchtfeuer.
Playground is open…

VÖ: 27. Januar 2011

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Foto: Thorsten Wingenfelder