29.09.2015 08:41 liebt poesie und geschichten

Liebesabhängigkeiten: Mélinée schreibt Texte von universeller Kraft

Saengerin Mélinée liebt Berlin

Berlins Geschichte und seine Orte, seine urbane Poesie und seine beunruhigende Zukunft inspirieren Mélinée zu ergreifenden Versen. Fotos (c) Mélinée

Newcomerin MélinéeMélinée mit Band
Von: GFDK - Redaktion

Mélinée offenbart ihre Zweifel und ihren Spleen wie viele unterschiedliche Landschaftsbilder der Befindlichkeit, spricht über ihre Liebesabhängigkeiten, ihre Begegnung mit einem „Astronhomme“ oder „AstronoMann“, oder zeichnet ein eindrucksvolles Bild von Tangotänzern… Erweist ihrem Akkordeon oder der deportierten Jüdin Etty Hillesum eine Reverenz  oder erzählt uns vom schwierigen Metier der Schauspielerei…

  Ihre Texte sind dicht und wohl gefeilt geschrieben, gleichzeitig persönlich und poetisch, von universeller Kraft. In ihnen finden sich Hoffnung und Nostalgie, aber auch hintergründiger Witz und Humor, als passender Kontrapunkt zur Melancholie. Das alles zusammen ergibt diese „melancomische“ Welt, die ihr ganz eigen ist.

  An ihr Akkordeon angeschirrt sammelte sie erste Erfahrungen auf einigen Toulouser Bühnen mit ihrem Komplizen Maxime Dupuis am Cello. Zusammen gewannen sie im Mai 2010 den dritten Platz beim Prix Nougaro.

Als „Berlinerin“ lernte sie 2012 die Cellistin Samira Aly, 2013 den Gitarristen Jonathan Bratoëff  kennen, mit denen sie auftritt und im Frühling 2014 eine CD aufnehmen wird.

Mélinée schreibt Liebeslieder

  Ihre Lieder wurzeln in „L'Amour avec un grand Aïe“, (Der Liebe mit einem großen L-eid) der enttäuschten, unmöglichen oder nur geträumten Liebe, aus denen Lieder gemacht werden. Sie selbst gerät bei all dem ins Wanken, lässt Federn und löst dabei ihre eigene,  angerührt  von denen, die sie ihre „musots“ nennt („Maskuline Form der Muse, Köstlichkeit meiner Worte“).

  Im Goethe-Institut von Toulouse spielt sie weiter Theater, steigt ein in Werthers Sprache und hält sich immer mal wieder kurz auf der anderen Seite des Rheins auf, wo ihre Faszination für Berlin immer größer wird. 2010 landet sie dort und in einer Liebesgeschichte.

Mélinée liebt Berlin

Berlins Geschichte und seine Orte, seine urbane Poesie und seine beunruhigende Zukunft inspirieren die Sängerin zu ergreifenden Versen.

  « Weil ich die Leute vom Tacheles – das berühmte, besetzte Berliner Künstlerhaus, das jetzt geschlossen ist – getroffen habe und mit neuen Musikern gespielt habe, konnte ich über diese Schwelle gehen, habe ich mich endlich getraut, Toulouse zu verlassen. Ich hab es nie bereut, es war ein Traum, der in Erfüllung ging und damit ein so ganz anderes und spannendes Leben, das begann, weit weg von den Dämonen meiner Heimatstadt… Meine Liebe zu Berlin bleibt unangetastet, auch wenn es die Zeit des Tacheles, nach der ich mich manchmal sehne, nicht mehr gibt und mich die Zukunft der Stadt beunruhigt. Diese Stadt beruhigt, inspiriert mich, entfaltet mich… Wenn ich weg von ihr bin, fehlt sie mir, wie Anderen ein Mann, für mich ist es die Stadt meines Lebens! »

Mélinée über ihr neues Album Timezone

Insgesamt sind auf dem Album 17 Original-Kompositionen zu hören (darunter eine Version vom  Fernsehturm auf Deutsch).

  Der Gitarrist Jonathan Bratoëff begleitet mich auf der Bühne seit zwei Jahren. Er ist ein anerkannter Komponist und Musiker der britischen Jazz-Szene, immer auf der Suche nach neuen Einflüssen und verliebt in meine Texte – deshalb war es für mich eine klare und einfache Entscheidung, ihm die künstlerische Leitung des Albums anzuvertrauen. Jonathan hat ein mediterranes Temperament,  das sich mit einer perfektionistischen  Seite  verbindet, und hat die Aufnahme des Albums mit viel Leidenschaft geleitet.

Die Arrangements der Lieder, mal gipsy, mal jazzig oder rockig, tragen und schmücken Mélinées Poesie.

  Jonathan hat die Musik in Partituren gesetzt, deshalb mussten wir wenig zu sechst proben. Wir haben die Stücke während einer Woche in Berlin im Studio Audio Cue aufgenommen, unter den Bedingungen eines Live-Auftritts. Nur der Akkordeon-Part wurde in der Nähe von Toulouse aufgenommen.

Kann man sich einen besseren Ort vorstellen als die Berliner Jam-Sessions um virtuose Jazzmusiker ausfindig zu machen? Drei von ihnen wurden so entdeckt: Marcel Krömker (Kontrabass), Eugenio Corsaro (Piano) und Joe Smith (Schlagzeug). Sie waren von der Idee meines Albums gleich begeistert. Seit einem Jahr schon spielte ich mit der Cellistin Samira Aly, die einen klassischen Parcours hinter sich hat.

  Was den wunderbaren Akkordeonisten Grégory Daltin betrifft, so ist er ein langjähriger Freund. Ich konnte einfach niemanden anderen bitten bei uns mitzuspielen!

Derzeit tritt Mélinée hauptsächlich in Trio auf zusammen mit dem Gitarristen Jonathan Bratoëff und dem Kontrabassisten Carmelo Leotta.