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Freitag abend 15. Januar 2010 in der Galerie Adler, Frankfurt am Main.
Die GFDK-Redaktion reiste gleich mit einem ganzen Team an, um den Bildhauer Gregor Gaida persönlich kennenzulernen. Schon beim Betreten der Galerieräume von Ulrike Adler stand für uns fest, dass sich der Besuch gelohnt hat.
Der Künstler, der mit unterschiedlichen Materialien arbeitet - Holz, Gips, Aluminium, Polyester - und Acrylharz überzeugt auf der ganzen Linie mit seinem Werk und der dahinter liegenden Philosophie:
“Das Ergebnis meiner Arbeit ist eine Übersetzung der Wirklichkeit. Zum einen wird die Figur im Raum mit ihr ins Verhältnis gesetzt, zum anderen spiegelt die Summe der Wahrnehmungen die Mehrdeutigkeit der Wirklichkeit wider.”
Gregor Gaida verbindet Ansätze aus Fotografie und Malerei zu einzigartigen Skulpturen. Seine Objekte können als dreidimensionale Momentaufnahmen gelten, da die Protagonisten an ihren imaginären Bildrändern beschnitten und ihrem eigentlich Aktionsrahmen entrissen werden. Dieser fragmentarische Charakter ist es, der den Betrachter dazu auffordert die “Summe der Geschichten” selbst zu ergründen.
Erwähnenswert ist auch das Arrangement der Galeristin Ulrike Adler, die 2001 mit einer Online-Galerie begann und heute in Frankfurt und New York präsent ist. Im Februar wird die GFDK-Redaktion die junge Galeristin im Portrait des Monats vorstellen und wir dürfen uns schon auf eine spannende leidenschaftliche Kunstbesessene freuen.
Aber zurück zum Künstler: Gregor Gaida über seine Arbeit:
"Auslöser und Motiv meines Schaffens ist die Reibung und Unruhe, die durch die Widersprüche im aktuellen und geschichtlichen Kontext entstehen. In meiner andauernden Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen entstehen künstlerische Konzepte, die sich zu den einzelnen Bildmotiven verdichten.
Ausgangspunkt sind oftmals Fotografien, die ich in Zeitschriften, Büchern und anderen Bildmedien finde. Fokus meines Interesses ist sowohl die Komposition und Haltung der Protagonisten innerhalb der Bilder, wie auch eine Offenheit in der Interpretation ihrer Handlung. Besondere Bedeutung kommt dabei der Geste zu, die auf kulturelle, soziale oder politische Widersprüche verweist.
Aus meiner inneren Haltung heraus, die besagt, dass jeder Mensch sich in viele Richtungen entwickeln kann, sofern er bestimmten Bedingungen ausgesetzt ist, entstand die bildnerischeIdee, einzelne Elemente den Fotografien zu entnehmen und sie aus ihrem Umfeld freizustellen.
Derart isoliert zerfällt die ursprüngliche Aussage der Bilder und bekommt eine andere oder viele verschiedene Möglichkeiten der Assoziation. Oft ist das gefundene Bildmaterial nur ein Initial, und in der weiteren Entwicklung der Formgebung nicht mehr erkennbar.
Analog zur Fotografie sind meine Objekte dreidimensionale Momentaufnahmen. Die Figuren sind in ihrer Bewegung eingefroren und oft an den imaginären Bildrändern beschnitten. Ich transportiere den fragmentalen Charakter von Fotos ins Dreidimensionale. Gleichzeitig tauchen auch, im Umgang mit Farbe und der Art der Formgebung, malerische Merkmalen auf.
So sind die lebensgroßen Rauminterventionen formal der Bildhauerei zugeordnet, bewegen sich aber ebenso in malerischen und fotografischen Kategorien.
Die einzelnen Elemente habe ich der Realität entnommen, jedoch verfremdet oder aus dem Zusammenhang gerückt. Das Ergebnis bleibt eine Übersetzung der Wirklichkeit. Die Summe meiner Wahrnehmungen konzentriert sich in einer neuen Form. Diese unterscheidet sich von der ursprünglichen Wirklichkeit, ist meiner inneren Sicht der Dinge jedoch gleichwertig.
Die Arbeiten reflektieren die Realität in zweierlei Hinsicht. Zum einen setzen sie sich als Figur im Raum mit ihr ins Verhältnis. Zum anderen spiegeln sie die Mehrdeutigkeit der Wirklichkeit wieder, denn mit der Formgebung ist die Bedeutung nicht mitgeliefert.
Jede Arbeit steht für sich, doch lassen sich auch Bezüge zwischen ihnen herstellen.
Ich greife immer wieder unterschiedliche Themenstränge auf, die ich auch untereinander kombiniere. Die „Fahne“ zum Beispiel, ist Projektionsfläche und Symbol für Identität und Ideologie auf persönlicher und nationaler Ebene. Sie nimmt Einfluss auf unser Selbst- und Fremdbild.
Ihr ambivalenter Charakter verbindet positive Assoziationen wie Geborgenheit, Tradition, Gruppenzugehörigkeit, Kultur, Aufwertung des Ichs durch ein größeres Ganzes. Aber auch negative Assoziationen, wie Fundamentalismus, Hörigkeit, Gruppenzwang, Krieg und staatliches Souveränitätsgehabe.
Das „Pathos“ wird in diesen und anderen Konstellationen bewusst ironisiert und entkräftet.
Das Motiv „Kind“ symbolisiert in meinen Arbeiten nicht nur das Gegenwärtige, sondern steht immer auch für das Zukünftige und somit für eine Dauer. Die Wirkung der symbolischen Handlung macht sich im Jetzt bemerkbar und bleibt auf lange Sicht bestehen.
Das Hauptmotiv der lebensgroßen Skulpturen ist der Mensch. Seine Darstellung ist detailliert und naturgetreu, aber nicht fotorealistisch. Kleidung, Haare und Körper bleiben bis zu einem gewissen Grad stilisiert und die Anatomie oft verzerrt.
Die Materialien sind unter anderem Holz, Aluminium, Polyester- und Acrylharz.
Der Raum wird ebenso zum Material, wie es das Holz oder die Farbe ist.
In der Kombination der unterschiedlichen Materialien, kommt deren Berührung eine besondere Bedeutung zu. Und in diesem Sinne stehen auch mein Dialog und die Interaktion mit dem Material, da den einzelnen Arbeiten ein sinnlicher Schaffensprozess zugrunde liegt.
Die einzelnen Arbeiten können aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Thematik, Materialität, Form oder Komposition heraus betrachtet werden.
Die Gewichtung variiert von Arbeit zu Arbeit. In einigen Arbeiten dominiert das Material, durch die Haptik und spezifische Optik, der Verarbeitungsprozess und die Eigenschaften. In anderen steht die Thematik, in Form einer Symbolik oder einer Geschichte, im Vordergrund."
Dauer der Ausstellung vom 16.1. bis zum 6.3.2010
Vernissage am 15.1.2010 um 19 Uhr
Kontakt
Galerie ADLER
Hanauer Landstraße 134
60314 Frankfurt am Main
Germany
Mail: mail@galerieadler.com
Tel: +49 (0)69 43053962
Fax: +49 (0)180 3118866568
Mobil: +49 (0)170 7324366
Öffnungszeiten
Di - Fr 12-18 Uhr
Sa 11-15 Uhr
und nach Vereinbarung
Links
http://www.galerieadler.com/index_d.html
Fotos: Gesellschaft Freunde der Künste
Gregor Gaida
*1975 Chorzów, Polen
Lebt und arbeitet in Bremen
1999-2002 Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg
2003-2009 Studium Freie Kunst/Bildhauerei an der
Hochschule für Künste (HfK) in Bremen
und Nebenhörer bei Prof. Pia Stadtbäumer,
Hochschule für bildende Künste in Hamburg
2009 Meisterschüler bei Prof. Bernd Altenstein
Einzelausstellungen
2010 Gregor Gaida - Kunst im Foyer, Nolde Stiftung Seebüll Dependance Berlin
Summe der Geschichten, Galerie Adler, Frankfurt
2009 Gregor Gaida, Galerie Epikur, Wuppertal (mit Thomas Schiela)
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2009 HangART-7, Edition 14 ‘Mal was Deutsches’, Hangar 7, Salzburg, Österreich
Gemischte Tüte, oqbo - Raum für Bild Wort Ton, Berlin
in between, die Kunst erwachsen zu werden, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden
Fall of Ham, Galerie Gavriel, Bremen
Babel, Kunstturm, Rotenburg
Ich werfe einen Blick, Galerie Widmer + Theodorodis, Zürich, Schweiz
Galerie der Besten. Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus,
Kunsthalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
2008 Wagnis Wirklichkeit, Galerie Epikur, Wuppertal
sweet dreams, Haus Coburg, Delmenhorst
Hermandades Escultóricas Alemania – México. Diálogo Estético 2008,
Skulpturenprojekt Merida, Mexiko
Vorwand, Galerie Gavriel, Bremen
Bermunda, Oberlausitzer Kunstverein, Görlitz
2007 Von der Schönheit des Alltäglichen, Galerie Epikur, Wuppertal
Laterale, Schillerpalais, Berlin
Miteinander, Galerie Gavriel, Bremen
Realität als Material, Galerie Epikur, Wuppertal
2006 Kunstherbst, boulevART, Berlin
Realität und Sichtbarkeit, Galerie Epikur, Wuppertal
Über Kopf, Flottmann-Hallen, Herne
Kunst an der Kante, Historisches Museum, Bremerhaven
Nord Art, KiC - Kunst in der Carlshütte, Büdelsdorf
Serendipity 26 views, Auswahlausstellung der Stiftung Cusanuswerk,
Flottmann-Hallen, Herne
Am Ende Kunst, St. Petri Dom, Bremen
2005 Apokalypse, Liebfrauenkirche, Bremen
Paradies, Kulturkirche St. Stephani, Bremen
2004 sva bronze, University of Fine Arts, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina
Sammlungen Sammlung Hangar-7, Salzburg, Österreich

































