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Das Grosse Fressen - Premiere am Staatstheater Wiesbaden am 20.11.2009
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Vier Männer im besten Alter treffen sich zum gemeinsamen Kochen in einem Wochenendhaus. Doch ganz so harmlos ist das gesellige Beisammensein der Freunde nicht. Was als vermeintliches ,Schlemmerwochenende’ genussfreudiger Gourmets beginnt, entwickelt sich bald zu einer Art Henkersmahlzeit. Denn Michel, beliebter Fernsehregisseur, Philippe, namhafter Richter, Ugo, berühmter Koch, und Marcello, erfolgreicher Flugkapitän, haben einen folgenschweren Entschluss gefasst: Sie wollen sich zu Tode fressen!

Die Stunden der Völlerei versüßen sich die in allen Bereichen übersättigten Männer mit Prostituierten. Diesen ist die morbide Esssucht der Herrenrunde jedoch nicht geheuer und sie verlassen bald das Haus. Die Lehrerin Andrea fühlt sich hingegen von der dekadenten Ausschweifung angezogen. Sie bleibt bei den vier Freunden, teilt Bett und Tisch mit ihnen und begibt sich mit auf die gemeinsame ,Reise’ in den Tod.

Was, wenn man Sucht auf die Spitze treibt? Was, wenn man überhaupt sein ganzes Leben auf die Spitze treibt? Was, wenn man Lust zum Prinzip seines Lebens macht? Vier Männer wollen den Genuss jedoch nicht nur steigern, sondern an ihm sterben. Die Lust soll sie zerreißen. Mit dieser extremen Grundkonstellation sorgte Marco Ferreris Film ‚Das große Fressen’ mit Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Michel Piccoli, Philippe Noiret und Andréa Ferréol in den Hauptrollen für erhebliches Aufsehen.

Bis heute gilt der mehrfach ausgezeichnete und für die Goldene Palme bei den Filmfestspielen Cannes 1973 nominierte Film als ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Abscheulichkeit und Unmoral wurden dem Film ebenso vorgehalten, wie ihm geniale Konsum- und Hedonismuskritik bescheinigt wurden. Die Übersättigung der arrivierten, gelangweilten Männer gipfelt in einer pervertierten Genusssucht, die nur noch den Tod als letzten Kitzel akzeptiert.

Regie führt die Leiterin der Wartburg Caroline Stolz. Sie inszenierte in Wiesbaden bisher u.a. Rainer Werner Fassbinders ‚Tropfen auf heiße Steine’, Kristof Magnussons Komödie ‚Männerhort’, ‚Hitchcocks Die 39 Stufen’ und Tennessee Williams’ ‚Die Glasmenagerie’.

Caroline Stolz, die Leiterin der Wartburg, hat sich dieses nicht ganz einfachen Sujets angenommen. Ein Gespräch.

Wann hast Du den Film ‚Das große Fressen‘ zum ersten Mal gesehen?
Caroline Stolz Da muss ich so 16 gewesen sein. Ich erinnere mich noch sehr genau, dass mich dieser Film sofort fasziniert hat.

Hast Du gleich daran gedacht, den Film für die Bühne zu bearbeiten?
Nein, das kam erst viel später und eigentlich auch nur zufällig. Ich habe nach einem Filmstoff für die Wartburg gesucht und bin in diesem Zusammenhang auf das Drehbuch gestoßen. Ich habe es mir bestellt und gelesen und sofort wieder die Bilder des Films im Kopf gehabt, nach über 15 Jahren!

Die Bildgewalt des Films ist ja legendär. Auf der Bühne ist das schwer herzustellen.
Das stimmt, das steht an sich sogar im Widerspruch dazu. Im Theater kann man diese Bilder nicht herstellen. Aber warum sollte man den Film eins zu eins übertragen? Viel interessanter ist es, eigene Bilder zu finden, eine Übersetzung in Theatersprache.

Was genau reizt Dich denn daran, ‚Das große Fressen‘ auf die Bühne zu bringen?

 
Es ist ein Thema, das hier und heute immer noch und immer wieder aktuell ist, die Kritik an der Konsumgesellschaft. Man will – man muss! – erst Mal alles haben, weiß aber gar nicht mehr, was einem eigentlich Freude bereitet, man ist im wahrsten Sinne des Wortes ‚satt‘. Das, was eigentlich lebenserhaltend ist, die Nahrung, wird zum Todesmittel. Der letzte Kick ist der Freitod - erlangt durch die größte Lust, die schönen Dinge des Lebens. ‚Der Hedonismus führt sich selbst ad absurdum‘ hat mal jemand dazu gesagt.

Vier Männer schließen sich in ein Haus ein und fressen sich zu Tode. Das klingt tragisch.

 
Das ist es nicht nur. Die Männer sind für mich keine tragischen Figuren, sie sehen sich auch selbst niemals so. Im Gegenteil, sie besitzen eine große Heiterkeit und Leichtigkeit in ihrer Situation, manchmal sind sie auch eher sarkastisch.

Dazu kommt, dass niemand weiß, warum sie eigentlich diesen Entschluss gefasst haben, sich gemeinsam umzubringen – wir begegnen ihnen erst in dem Moment, als dieser Entschluss schon feststeht. Man kann ihre Motivation also auf keine Psychologie zurückverfolgen und dadurch bekommt der ganze Vorgang eine fast schon poetische Überhöhung.

Neben den vier Männern gibt es auch ein paar Frauen, vor allem die Figur der Andréa, die für das Stück sehr wichtig ist. Was ist das Besondere an ihr?

 
Sie nimmt eine große Sonderrolle ein. Eigentlich ist sie Lehrerin, also ein alltäglicher Beruf, geerdet, und sie steht mit beiden Beinen auf dem Erdboden. Dann bricht sie zufällig in diese Männergesellschaft ein und lässt sich sofort auf das ‚Spiel‘ ein, das da gespielt wird.

Sie setzt sogar noch eins drauf: während die Männer zunehmend schwächer werden und auch an ihrem Entschluss zweifeln, scheint sie von dem Verfall unberührt. Auch kommentiert sie nicht, sie genießt – viel mehr noch als die Männer – alles, was ihr angeboten wird, macht willig und lustvoll bei allem mit und ist dabei unbeirrbar und konzentriert, den Todestrieb der Männer aufrecht zu erhalten. Sie ist die Einzige, die immer noch Hunger hat und man kann sich gut vorstellen, dass sie am Ende des Stücks einfach weiter isst.

Der Film war 1973 ein Riesenskandal und hat heftige Kontroversen ausgelöst. Hat sich das mittlerweile abgeschwächt?

 
So ein Skandal wie damals ist heutzutage fast nicht mehr vorstellbar. Würde man das Stück eins zu eins auf die Bühne bringen, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass die Reaktionen heftig wären, in dieser Hinsicht ist der Stoff absolut zeitlos.

Caroline Stolz ist seit 2007 Leiterin der Wartburg. Sie inszenierte in Wiesbaden bisher u.a. Rainer Werner Fassbinders ‚Tropfen auf heiße Steine‘, Kristof Magnussons Komödie ‚Männerhort‘, ‚Hitchcocks ,Die 39 Stufen‘‘ und Tennessee Williams’ ‚Die Glasmenagerie‘.

Regie

Bühne und Kostüme

Musikalische Einstudierung

Dramaturgie

Mit:

Philippe, Richter

Marcello, Flugkapitän

Ugo, Koch

Michel, Fernsehregisseur

Andrea, Lehrerin

Gita/Anna/Danielle, Huren

Regie

Bühne und Kostüme

Musikalische Einstudierung

Dramaturgie

Mit:

Philippe, Richter

Marcello, Flugkapitän

Ugo, Koch

Michel, Fernsehregisseur

Andrea, Lehrerin

Gita/Anna/Danielle, Huren

Nach dem Film von Marco Ferreri

 

Premiere: Freitag, den 20.11.2009, 20.00 Uhr, Wartburg

Freitag, den 27.11.2009, 20.00 Uhr
Freitag, den 25.12.2009, 20.00 Uhr

Mittwoch, den 20.01.2010, 20.00 Uhr

 

© Lena Obst

Ansprechpartner:
Andrea Bartsch
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49 (0)611-132 329
Fax +49 (0)611-132 307
pressereferat@staatstheater-wiesbaden.de
 
Martin Kaufhold
Theaterfotograf
Fon +49 (0)611-132 413
m.kaufhold@staatstheater-wiesbaden.de

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