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Verdis Meisterwerk Der Troubadour (Il Trovatore) bildet das Herzstück der ‚trilogia popolare‘ zwischen ‚Rigoletto‘ und ‚La Traviata‘. Die Musik des ‚Trovatore‘ schildert im flackernden ‚brio‘ eines expressiven Belcanto flammende Leidenschaften wie Liebe, Eifersucht, Rachelust und Hass.
Im Streit verfeinden sich der Dichter Manrico und Graf Luna, erst zu spät erkennend, dass sie durch Blutsbande Bruder sind. Als Anführer der Clique der Reichen oder der Rebellen repräsentieren sie zugleich unterschiedliche soziale Gruppen. Gemeinsam ist ihnen nur die Liebe zu Leonora, so dass sich der gesellschaftliche Konflikt in der Rivalitat der Liebe wiederholt.
Und immer wieder – vor allem in den Visionen der Zigeunerin Azucena – taucht die alte Geschichte von der Zigeunerin auf, die einen Sohn des alten Grafen Luna verhext haben soll und deshalb auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Die Tochter der Zigeunerin habe dann Rache genommen.
Auf tragische Weise hat diese alte Geschichte das Leben Manricos, seiner Ziehmutter Azucena, des Grafen Luna und sogar Leonores bestimmt. Nun setzt Manrico alles daran, seine geliebte Leonora vor dem Zugriff Lunas zu bewahren. Doch Luna nimmt Azucena gefangen.
Auch Leonore und Manrico geraten in Lunas Gefangenschaft. Der Preis unbedingter Liebe und der Wahrheit ist der Tod. Unter den drei Opern der ‚trilogia popolare‘ ist ‚Der Troubadour‘ pure italienische Romantik im unbedingten Liebesanspruch Leonores und in Manricos Künstlertum.
Die Oper bietet alles auf, was ein echtes ‚Melodramma‘ ausmacht: seelische Exaltation, szenische Durchschlagskraft, ein fatales Dreiecksverhältnis, Nachtszenen, Wahnvorstellungen und den tragischen Untergang des Liebespaares. Ein ungeheurer, letztlich fataler Elan durchpulst die Oper und überhöht die bizarre Handlung ins unmittelbar Expressive.
Verdi verdichtet in ‚Der Troubadour‘ alle klassischen Elemente der italienischen Oper – Arien, Duette, Terzette und Ensembles – und integriert sie in einem visionären Gesamtzusammenhang. Szenisch und musikalisch steht der Chor ganz im Mittelpunkt der Oper.
Die Soldateska Manricos, die feine Gesellschaft Lunas oder die vagabundierenden Zigeuner: Im Chor spiegeln sich die sozialen Zustände, die den Konflikt der Oper verursachen. Das Kollektiv bestimmt auch das mitreisende, feurige Temperament der Musik.
Nicht zu Unrecht ist der Zigeunerchor mit den Amboss-Schlagen eine der berühmtesten Chornummern Verdis, denn soziales Milieu und die realistische Welt der Arbeit prägen den Ton der Musik.
Das Mit- und Gegeneinander verschiedener sozialer Schichten interessiert Regisseur Cesare Lievi besonders. Er versteht Verdis ‚Der Troubadour‘ als einen Opernthriller an realistisch konkreten Orten mit realistischen Konflikten. Aus dem Clash der Kulturen und der sozialen Zugehörigkeit entsteht dramatische Spannung.
Die Wahnvorstellungen Azucenas und die unbewussten Angste Manricos deutet Lievi konkret aus den Handlungszusammenhängen, die in der Oper selber nicht gezeigt sondern nur mehrfach nacherzählt oder im schnellen Rapport angedeutet werden: der Racheruf von Azucenas sterbender Mutter, die tragische Verwechslung beim Mord am Sohn des alten Grafen Luna, die falsche Identität des Zigeunerrebellen Manrico, der eigentlich adliger Herkunft ist.
Die surrealen Momente der Oper wie Traum, Erinnerung, Erzählung und Vision – musikalische Bereiche des Verdi’schen ‚con brio‘ – sind für Cesare Lievi Metaphern extremer Gefühlswelten, die erst in einer konkreten Bühnenwelt verständlich werden.
So können sich die Ereignisse entweder im Spanien des 15. Jahrhunderts oder in der New Yorker Bronx von heute zutragen: der mysteriöse Ruf Azucenas ‚Stride la vampa!‘ (‚Lodernde Flammen!‘) verbindet visionär Zeiten, Orte und Ereignisse.
Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi
Libretto von Salvatore Cammarano nach dem gleichnamigen Schauspiel von Antonio García Gutiérrez
In italienischer Sprache mit Übertiteln
Premiere
Samstag, den 12.09.2009, 19.30 Uhr
Großes Haus
Musikalische Leitung
Bühne
Kostüme
Licht
Choreinstudierung
Dramaturgie
Mit:
Leonora
Inez
Conte di Luna
Ferrando
Azucena
Manrico
Ruiz
Ein alter Zigeuner
Ein Bote
Chor, Extrachor, Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Andrea Bartsch Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Presse; Martin Kaufhold Fotograf; Lena Obst Assistentin des Fotografen
http://www.staatstheater-wiesbaden.de/?page=spielplan
m.kaufhold@staatstheater-wiesbaden.de
Fotos: © Martin Kaufhold



































