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Wir müssen reden - Musical über das Dilemma, Mann zu sein - bis 20.Juni 2010 am Theater Göttingen
Als Jugendliche ruderten sie gemeinsam an die Spitze. Bundessieger! 10 Jahre später treffen sich Dirk, Dave, Ulf und Thomas wieder! Während sie die Heldenzeit ihrer Jugend feiern, schickt „Daisy“ eine Schneekatastrophe über sie. Sie sind eingesperrt. Unter dem Druck ihrer Verpflichtungen bahnt sich Ohrwurm um Ohrwurm seinen Weg.
Denn Dirk, Dave, Ulf und Thomas haben zwar viele Kompetenzen – doch mangelt es an innerer Überzeugung, wenn das Leitbild sich mit dem Bild ihres Leidens vermischt: morgens in die Kita radeln, im Job den Kerl stehen, Kohle für drei verdienen, vor der Quote zurücktreten, korrekt einkaufen und abends mit der Frau über die Vaterschaft diskutieren...
Sie führen ein angestrengtes Leben, im dem Sex und Beruf ihre Bedeutung verloren haben. Erfolglos, überfordert, fremdbestimmt oder betrogen sitzen die vier Jugendfreunde wieder in einem Boot und ringen um ihre authentischen Stimmen. So interpretieren sie Welthits ihrer Jugend neu.
Musikalisch enthemmt schauen Dirk, Dave, Ulf und Thomas ohne Tabus hinter die Kulissen moderner Männlichkeit: Von der Sehnsucht nach ZuhörerInnen aufgeheizt, ihren Ruf nach Freiheit intonierend, verwandelt ihr ehrlicher Seelenstrip das Theater in ein Männerreservat, wo diese sensible Spezies sich geistig und emotional weiter entwickeln kann. Hier bin ich Mann, hier darf ich sein.
Pressestimmen zu der Premiere:
Das Männer-Stück „Wir müssen reden“ unterhält mit viel Musik am Jungen Theater Göttingen
Adams wehmütige Erben singen
Von Jan Löffel ( HNA vom 07.02.10)
Göttingen. „Und nachts träume ich, ich sei Berlusconi.“ Heimliche Bewunderung für den italienischen Erzschürzenjäger hegen, und dann zittern, wenn der Kontrollanruf von daheim auf dem Handy summt: Dem männlichen Ego bleibt in „Wir müssen reden“ keine Entlarvung erspart.
Das Junge Theater Göttingen schickt vier Artgenossen auf die Suche nach dem modernen Mann - heraus kommen dabei ein quirliger Streifzug durch die jüngere Popmusik und die Skizze einer Gesellschaft im Übergang. Am Samstag feierte das Musical im Jungen Theater Göttingen Premiere.
Das Schneechaos hat auch sein Gutes: Es hält die vier Jugendfreunde Dirk, Thomas, Dave und Ulf zusammen, obwohl längst die Pflichten des Alltags rufen. Nach einer durchzechten Nacht in gemütlich unaufgeräumter Camping-Atmosphäre bricht es Stück für Stück aus allen heraus:
Dieser Alltag ist längst nicht so heldenhaft wie zu Jugendzeiten entworfen. Kunst, Karriere? Elternzeit, Frauenquote! Da kann man noch so energisch 80er-Schnulzen schmettern, die Zeit der Leichtigkeit kommt nicht zurück.
Trotzdem ist der Gesang Therapie: Die Ohrwürmer der Männer werden zum Ventil, den Leidensdruck abzulassen, Schwäche zu zeigen: Rainald Grebe und Rammstein, Bonnie Tyler und Thomas D. lassen ein Lebensgefühl entstehen, das zwischen Jungenhaftigkeit und Reflexion herumirrt.
Eigentlich haben Adams Erben Eva Hermans Rollenbilder längst überwunden - und schauen bisweilen doch wehmütig zurück auf die geklärten Verhältnisse.
Die Darsteller leihen ihren Rollen ihre tatsächlichen Vornamen, als wollten sie noch mehr Authentizität vermitteln. Die Spielfreude sieht man ihnen vor allem dann an, wenn sie an ihre sängerischen Grenzen stoßen:
Die „Sweet Dreams“ der Eurythmics gibt es augenzwinkernd als Falsett-Quartett. Unklar bleibt, warum Regisseur Andreas Döring die Handlung ab der Hälfte komplett in die Nummern abtauchen lässt.
Was folgt, erinnert an einen Klickmarathon beim Video-Portal YouTube, der aber den Nerv des Premierenpublikums trifft. Viel Zwischenapplaus, donnernder Abschluss, der sogar eine Zugabe abnötigt, sind der Lohn für die sängerische Selbstentblößung. Ein Stück für moderne Männer und solche, die es werden müssen.
Einsame Wölfe und die Angst vor Spießigkeit
Uraufführung im Jungen Theater: „Wir müssen reden – Wenn Männer unter Ohrwurm leiden“
von Eida Koheil
Die Emanzipation nimmt ihren Lauf. Babyblues und postnatale Depressionen erwischen auch das starke Geschlecht. Das Musical „Wir müssen reden – Wenn Männer unter Ohrwurm leiden“ zeigte jetzt bei der Uraufführung im ausverkauften Jungen Theater (JT) Göttingen das ganze Dilemma, ein Mann zu sein.
Eigentlich läuft gerade nichts richtig gut. Für keinen. Nur hatte am Abend niemand mit der Sprache herausgerückt. Im Morgengrauen sieht die ganz Welt anders aus – nüchterner und schonungsloser.
Mit dem Boot wollten Dirk (Böther), Thomas (Hof), Dave (Wilcox) und Ulf (Nolte) vor zehn Jahren bei „Jugend trainiert für Olympia gewinnen. Geklappt hat das nicht – wie so vieles in ihrem Leben, das stellen sie am Morgen nach ihrem Wiedersehen fest.
Ein Schneesturm hält die vier Freunde länger zusammen, als ihnen zunächst lieb ist. In der chaotischen Single-Wohnung von Dirk (er bietet in Trainingsanzug und zerlumpten Hüttenschuhen einen fabelhaften Anblick des Jammers) treffen sich die Männer.
Dirk lebt von Frau und Kindern (die dann doch nicht seine waren) getrennt. Für den ehrgeizigen Thomas läuft es im Job nicht so rund, ausgerechnet eine Frau macht ihm die Stelle streitig.
Dave kann es seiner Frau nie recht machen, obwohl er ihr, wo er nur kann, den Rücken frei hält. Eigentlich wollen sie ein ganz normales Familienleben, Frau, Kinder, guten Job, nur soll sich das Ganze bitte nicht spießig anfühlen. Man müsste dabei auch ein bisschen einsamer Wolf bleiben können.
Ein Gute-Laune-Stück, bei dem trotzdem eine gehörige Portion Bitterkeit mitschwingt. Und man fühlt sich zwischendurch immer ein wenig ertappt. Aber wie das bei Männern häufiger der Fall ist, ganz viel möchten sie dann lieber doch nicht reden.
Sie überlassen nach der Hälfte des Theaterabends der Musik komplett die Bühne und singen Lieder über die Liebe und das Leben. Klassische Ohrwürmer wie „It´s Raining Man“ von den Weather Girls oder „Sweet Dreams“ von den Eurythmics, die man eigentlich gar nicht mehr hören mag, sind so gut interpretiert, dass sie doch wieder Spaß machen.
Das Musical bleibt aber nicht allein auf dem 80er-Jahre-Hit-Niveau. Auch harte (neuere) Kost von Rammstein „Mann gegen Mann“ oder „Stay At Home Dad“ von Jon Lajoie werden hervorragend gecovert.
Die Musikauswahl von Regisseur Andreas Döring und seiner „Männergruppe“ ist immer wieder für Überraschungen gut, vor allem die Stücke von Rainald Grebe wie „Massenkompatibel“ (rührend interpretiert von Ulf Nolte), „Familie Gold“ oder „Gib mir mal den Rettich rüber“ provozieren das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus. Am Schluss gibt es nach langem Beifall schließlich noch eine Zugabe. Massenkompatibel ist das Stück in jedem Fall. Hingehen!
Besetzung
Musikalische Leitung: Ulf Nolte
Regie: Andreas Döring
Dirk Böther, Thomas Hof, Dave Wilcox, Ulf Nolte
Premiere war am 6.2.2010
Weitere Aufführungen bis zum 20.06.010
Kontakt
JUNGES THEATER GÖTTINGEN gGmbH
Hospitalstr. 6
37073 Göttingen
Tel.: 0551 / 49 501-5
Presse
Stefan Mönikes
Links
http://www.junges-theater.de/?dir=premieren&sub=wir_muessen_reden




































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