06.06.2013 09:00 Gewünscht wird ein Bericht über das Affentum

Theater Krefeld/Mönchengladbach: Ein Bericht für eine Akademie von Franz Kafka, Premiere am 4.7.2013

Ein Bericht für eine Akademie von Franz Kafka

Rotpeter ist Objekt der Wissenschaft; (c) siehe Bilder

Gewünscht wird ein Bericht über das AffentumObjekt der Wissenschaft und Wissenschaftler
Von: GFDK - Thetaer Krefeld/Mönchengladbach

Der ehemalige Affe Rotpeter kann der Aufforderung der Akademie nicht nachkommen, über sein „äffisches Vorleben“ zu berichten. Das Affentum liegt ihm so fern wie seinen menschlichen Zuhörern. Erst nach der Gefangennahme setzt die Erinnerung wieder ein, als er, von zwei Schüssen getroffen, in einem engen Käfig erwacht, „zu niedrig zum Aufrechtstehen und zu schmal zum Niedersitzen“, die Gitterstäbe ins Fleisch schneidend. Einzig möglicher Ausweg: Er hört auf, Affe zu sein.

Theater in Krefeld/Mönchengladbach

Die ihn umgebenden Menschen werden seine Lehrer, und eifrig ahmt Rotpeter sie nach, lernt den Handschlag geben und das Ausspucken, dann das Schnapstrinken und Sprechen, schafft es schließlich aus dem Käfig, wird zum gefeierten Varieté-Künstler – und fügt sich ein, in die wohlige, eingeschlossene Menschenwelt.

Gewünscht wird ein Bericht über das Affentum, geliefert wird eine Verteidigung und Bestätigung des eigenen Menschseins – von einem Halbwesen. Wie Kafka schon im Titel kein Thema festlegt, unterwandert er jedes Motiv seiner Erzählung: Rotpeter ist weder Mensch noch Affe, er ist Objekt der Wissenschaft und Wissenschaftler zugleich – und die Menschenlehrer erscheinen in seinem Bericht oft äffischer als ihr Affenschüler.

Freunde der Kunst

Franz Kafkas Erzählung lässt sich als kritischer Kommentar zur Moderne lesen: Die Wissenschaft kann das Sein nicht mehr fassen, jedem Akt der Selbstschöpfung folgt der Selbstverlust, Verwandlung ist bloß noch Täuschung – und Auswege entpuppen sich als Ausflüchte.

saskia.fetten@theater-kr-mg.de