07.03.2014 09:00 Premiere heute

Theater in Wiesbaden: Amphitryon - es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein

Amphitryon theater wiesbaden

Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein; (c) Martin Kaufhold

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Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden

Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein. Das erfährt der Gott Jupiter, als er sich in den Feldherrn Amphitryon verwandelt, um dessen Frau Alkmene zu verführen. Sie empfängt den Gott als ihren sehnlich erwarteten Gatten, erkennt aber bald, dass dieser Mann nicht ihr eigener ist: die Liebe mit ihm ist einfach zu göttlich! Und das konnte sie von den langweiligen ehelichen Pflichtübungen schon lange nicht mehr sagen.

Theater in Wiesbaden

Vor die Wahl gestellt, welchen der beiden Männer sie vorziehen würde, entscheidet sich Alkmene folgerichtig für Jupiter. Amphitryon verteidigt sich jedoch geschickt, indem er Jupiter mit dessen eigenen Waffen schlägt: ‚Es ist von solchem Ernst die Welt beschaffen, dass nur ein Gott vermag, ein Mensch zu sein.‘

Peter Hacks fügt den zahlreichen Bearbeitungen des ‚Amphitryon‘-Stoffes eine eigene Interpretation hinzu: Jupiter ist für ihn nicht nur der raffinierte Verführer, der seine göttlichen Privilegien für einen Seitensprung nutzt, sondern zugleich die ‚Verkörperung allen menschlichen Vermögens‘. Wie Kleist lotet auch Hacks die tragikomischen Dimensionen des Stoffes aus, beschließt jedoch das Stück versöhnlich: Jupiter geht zurück in die Welt der Götter und mahnt Alkmene und Amphitryon zur gegenseitigen Nachsicht.

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Hacks verbindet in dieser Komödie den klassischen Blankvers mit schnoddrigem Witz und treibt die Verwicklungen des Stoffes auch sprachlich auf die Spitze. Das Stück entstand 1967. In den 60er und 70er Jahren war Hacks einer der wenigen Dichter, die in Ost wie West gleichermaßen gefeiert wurden. In den folgenden Jahrzehnten geriet er – nicht zuletzt wegen seiner politischen Haltungen – in Ost und West zunehmend ins Abseits.

Caroline Stolz, eine Spezialistin für verwickelte Komödien, entdeckt Hacks‘ ‚Amphitryon‘ neu. Ihre Interpretation von Shakespeares ‚Viel Lärm um nichts‘ gehört derzeit zu den Erfolgsproduktionen des Repertoires, neben ‚Der nackte Wahnsinn‘ und Dauerbrennern wie ‚Männerhort‘ und Hitchcocks ‚Die 39 Stufen‘.

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