21.03.2013 08:00 Wer Anerkennung sucht, der ist gefährdet

Theater in Weimar: Premiere der szenischen Installation "Der Trost der Dinge - Shakespeares Sonette" am 22.3.2013

theater  in Weimar: Premiere der szenischen Installation "Der Trost der Dinge - Shakespeares Sonette" am 22.3.2013

(c) Candy Welz

Von: GFDK - deutsches nationaltheater & staatskapelle weimar - 4 Bilder

Shakespeares Sonette bilden den Ausgangspunkt der szenischen Installation „Der Trost der Dinge“, die am Freitag, 22. März 2013, um 20 Uhr im e-werk Premiere hatte. Mit den Mitteln von Theater, Film und medialer Collage (Raum und Video: Bahadir Hamdemir) fragen Regisseur Michael von zur Mühlen und sein Ensemble nach den Möglichkeiten von Poesie und wirklicher Begegnung in einer entzauberten, exhibitionistischen Welt.

In den 1609 in einem Gedichtband veröffentlichten 154 Sonetten gibt Shakespeare wortreich Gefühlen und ihren Abgründen eine Bühne: Obsessiv bezieht sich ein ICH auf ein meist fernes, nicht eindeutig charakterisiertes DU, das es in genussvollem Schmerz zu lieben vorgibt, dem es sich restlos unterwerfen und von dem es gleichfalls geliebt werden möchte. Das Spiel der Liebe und dem Leiden an ihr, das hier poetisch und virtuos zelebriert wird, erscheint vierhundert Jahre später als bitterer Ernst. Authentizität und totale Nähe gelten als oberste Gebote einer Beziehung, Sehnsüchte und Gefühle sollen rücksichtslos ernst genommen und offenbart werden.

Doch je komplexer die Individuen sind und je größer ihre Ansprüche, desto unwahrscheinlicher wird das ersehnte Zueinanderpassen. Statt (die) eine wahre Liebe zu leben, flüchten sich viele in die Phan­tasie und das leidenschaftliche Verlangen des Unerreichbaren, das in den Sonetten idealisiert wird. Aber auch wenn man die Liebe selbst lieben, sich an den eigenen Gefühlen und am eigenen Begehren erfreuen kann, braucht es doch eine leise Ahnung, wonach man sich sehnen möchte. Womit füllt man die individuelle Frei- und Wohlfühlzeit, wenn der Kontakt mit anderen nur noch anstrengend erscheint? Danach begeben sich die SchauspielerInnen Rahel Weiss, Elke Wieditz, Christoph Heckel, Christian Klischat und Hagen Ritschel in der Inszenierung von Michael von zur Mühlen auf die Suche.

Weitere Vorstellungen am 30.3., 4., 10. und 18.4., 3.5., 5. und 27.6.2013

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