12.10.2013 08:00 Gotthold Ephraim Lessing

Theater in Münster: Nathan der Weise - ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen

Nathan der Weise am wbt muenster

Lessings Drama stellt auch nach über 230 Jahren die Frage nach der Realisierbarkeit von Humanität; (C) WBT

Nathan der Weise dramma von Gotthold Ephraim LessingNathan der Weise dramatisches gedicht theater muenster
Von: GFDK - WBT Münster

Die Geschichte ereignet sich in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Juden, Christen und Muslime leben auf engstem Raum zusammen, verstrickt in Glaubens- und Machtkämpfe. Schwere Auseinandersetzungen erschüttern die Stadt. Der Jude Nathan kehrt nach Jahren von einer Geschäftsreise zurück und findet sein Haus in Asche vor. Seine Tochter Recha, die er als Waise bei sich aufgezogen hat, wäre um ein Haar in den Flammen umgekommen. Gerettet hat sie ein christlicher Tempelherr, der auch unmittelbar das Herz der jungen Frau erobert. Das Mädchen weiß nicht, daß Nathan nicht ihr leiblicher Vater ist.

Theater in Münster

Nur Daja, ihre Gesellschafterin, kennt das Geheimnis des eigentlichen Christenmädchens. Sultan Saladin hat Geldprobleme, bittet den für seine Weisheit und Gutmütigkeit bekannten Nathan um Rat und stellt ihn gleichzeitig auf die Probe. Mit seiner Ringparabel schildert Nathan die Gleichwertigkeit der großen Weltreligionen und entmachtet so die Vorurteile des Tempelherren und des mohammedanischen Sultans. Als der junge Tempelherr um Rechas Hand anhält und Nathan zögert, berichtet der aufgebrachte Christ dem Patriarchen von Nathans Geheimnis, der dem barmherzigen Mann sofort mit dem Scheiterhaufen droht . . .

Lessings Drama stellt auch nach über 230 Jahren die Frage nach der Realisierbarkeit von Humanität, Würde und Respekt als ferne Utopie oder mögliche Zukunftsvision.

Freunde der Kunst

Lessing schrieb das fünfaktige Ideendrama, anläßlich der bedeutendsten theologischen Auseinandersetzung des 18. Jahrhunderts: dem Fragmentenstreit mit Goeze. Bis heute gilt sein letztes Werk als das bekannteste aus der Epoche der Aufklärung, das seinem Verfasser zeitweise ein Teilpublikationsverbot einbrachte. Es wurde erst zwei Jahre nach Lessings Tod in Berlin zur Aufführung gebracht. Das Kernstück, die Ringparabel, geht auf Giovanni Boccaccios "Dekameron" aus dem 14. Jahrhundert zurück.

Wie alle Schriften Lessings, schrieb Heinrich Heine, hätten auch seine Dramen "eine soziale Bedeutung, und NATHAN DER WEISE ist im Grunde nicht bloß eine gute Komödie, sondern auch eine philosophischtheologische Abhandlung zugunsten des reinen Deismus. Die Kunst war für Lessing ebenfalls eine Tribüne, und wenn man ihn von der Kanzel oder vom Katheder herabstieße, dann sprang er aufs Theater, und sprach dort noch viel deutlicher, und gewann ein noch zahlreicheres Publikum."

presse@remove-this.wolfgang-borchert-theater.de