02.02.2014 08:00 Bertolt Brecht

Theater in Magdeburg: Die heilige Johanna der Schlachthöfe - Massenarbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise

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Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht; (c) Nilz Böhme

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Von: GFDK - Thetaer Magdeburg

»Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, und / Es helfen nur Menschen, wo Menschen sind.« – Eine junge Frau will verstehen, wie all die Arbeitslosigkeit und Armut entsteht, die Menschen ihrer Würde beraubt. Johanna glaubt an die Veränderbarkeit der Welt durch das Vorbild des guten Menschen und verteilt Essen an die ausgesperrten Arbeiter der Schlachthöfe Chicagos.

Theater in Magdeburg

Dort begegnet sie dem Fleischkönig Pierpont Mauler, der durch Insidertipps die Börse kontrolliert, Konkurrenten eiskalt ausschaltet und den Markt zu seinen Gunsten künstlich reguliert. Mauler will der Idealistin beweisen, dass nicht die Fabrikanten, sondern die Arbeiter schlecht sind. Doch Johanna erkennt, dass die Armut der Arbeiter der Grund aller Schlechtigkeit im Überlebenskampf ist. Sie begreift: »Dieses ganze System / Ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander / Abhängen, und die oben / Sitzen oben nur, weil jene unten sitzen ...« Johanna beginnt den Kampf gegen das System der Ausbeutung, das auch seine schärfsten Kritiker vereinnahmen will ...

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Bertolt Brecht schrieb »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« 1929/30 vor dem Hintergrund von Massenarbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise. Das Stück wurde von den Nationalsozialisten verboten und erst 1959, drei Jahre nach Brechts Tod, in Hamburg uraufgeführt. In der heutigen globalen Wirtschaftskrise, in der ein räuberischer Finanzsektor wieder kräftig verdient und immer
mehr Menschen von einem Leben mit Arbeit ausgeschlossen werden, ist Brechts Lehrstück über die Mechanismen unseres Wirtschaftssystems brandaktuell. Es stellt die Frage: Sind wir wirklich dem Diktat der Märkte ohnmächtig ausgeliefert? Wie können wir uns wehren? Was können wir tun?

ivonne.woltersdorf@remove-this.theater.magdeburg.de