13.04.2012 07:46 Phänomen der Abhängigkeit vom Glücksspiel

Theater in Magdeburg: Der Spieler von M. Dostojewskij in einer Bühnenfassung von Jan Jochymski

Foto (c) Nilz Böhme/Theater Magdeburg

Von: Kathrin Singer

 

»Ich bin dabei, etwas Wahnsinniges zu tun«, schreibt Fjodor Dostojewskij 1867 aus Bad Homburg an seine Frau Anna. Er wird zum wiederholten Male sein ganzes Geld am Roulettetisch verspielen. Die Gläubiger bedrängen ihn, sein Eigentum, seine Kleider, selbst die Eheringe sind im Pfandhaus und Dostojewskij spielt trotzdem weiter. In genau solch einer Situation schreibt er auch seinen Roman »Der Spieler« – unter höchstem Druck: Aus Geldmangel hat er einem Verleger vertraglich alle Rechte an seinen Werken, selbst den noch gar nicht
geschriebenen, in Aussicht gestellt – falls er diesem nicht bis zum 1. November einen neuen Roman liefern kann. Anfang Oktober existiert noch keine Zeile dieses neuen Werkes, doch innerhalb von nur sechsundzwanzig Tagen schreibt Dostojewskij schließlich in einem Parforceritt den »Spieler« und rettet sich gerade noch vor dem kompletten wirtschaftlichen Ruin. Der Roman trägt stark autobiografische Züge und spielt doch in einer ganz fremden Welt: Eine adelige Familie und ihr Gefolge spekuliert auf den Tod einer Erbtante, um sich mit dem Erbe von immensen Schulden freizukaufen. Doch die Tante stirbt nicht und macht allen einen Strich durch die Rechnung. Der junge Alexej liebt Polina, welche ihn bittet, für sie am Spieltisch Geld zu gewinnen. Dostojewskij seziert in diesem Gesellschaftspanorama das Phänomen der Abhängigkeit vom Glücksspiel, verquickt mit ruhelosen Hass- und Liebesleidenschaften.

Nach »Schuld und Sühne« fragt Jan Jochymski in der Fortsetzung seiner Beschäftigung mit dem Seelenzeichner Dostojewskij nach den Bezügen zwischen Autor, Werk und unseren Lebensbedingungen heute: Kann man sein Schicksal bannen, indem man es an seiner Statt eine Romanfigur erleiden lässt? Wie gehen wir heute mit Süchten und exzessiven Begierden um? Wird ab morgen alles anders?

Pressestimmen:

»Treibende Rhythmen eröffnen die Szene, atemlos, hart. In aberwitziger, schon gespenstischer Gegensätzlichkeit dazu erscheinen die Figuren des Stücks auf der Bühne. Wie in Trance, in Zeitlupe eilen sie auf das gemeinsame Ziel ihrer Begierde zu: den Roulettetisch.(...) 

Wer sich emotional darauf einlässt, kann  - bei aller Ironie, allem Witz und der immensen Spielfreude, die die Inszenierung auch bietet - nur beklommen nach Hause gehen. (...)

Die dramatischen Verflechtungen zwischen Autor und Werk bringt Jan Jochymski auf die Bühne und fügt der (...) Vorlage eigene Fragen hinzu. Er treibt den unverbesserlichen Spieler (eindrucksvoll, leidenschaftlich bis zum körperlichen Exzess sich verausgabend Bastian Reiber), in den ultimativen Showdown mit dem Autor Fjodor Dostojewskij selbst (im Kampf mit dem inneren Dämonen: Sebastian Reck) (...)

Fast scheint Aleksej der Dreh zu gelingen, erringt er doch endlich die lang ersehnte Liebe Polinas (in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zwischen mörderischer Kaltblütigkeit und Zerbrechlichkeit grandios verkörpert von Luise Audersch). (...) «

(Magdeburger Volksstimme 4.10.2011)

Regie Jan Jochymski
Bühne/Kostüme Thilo Reuther
Musik Sven Springer
Dramaturgie Heide Palmer

Alexej Iwanowitsch Bastian Reiber Polina Alexandrowna Luise Audersch Mlle. Blanche/Anna Snitkina Julia Schubert Marquis des Grieux Konstantin Marsch Mr. Astley/Fjodor Dostojewskij Sebastian Reck Antonida Wassilijewna Tarasewitschewa Andreas Guglielmetti General Peter Wittig

 

Termine, Abendbesetzung     
    
Di, 24.04.2012 19:30
Sa, 12.05.2012 19:30
So, 20.05.2012 19:30
So, 10.06.2012 19:30
Mi, 20.06.2012 19:30

Dauer: 2:00 Std.

 

Opernhaus
Universitätsplatz 9
D – 39104 Magdeburg

Schauspielhaus
Otto-von-Guericke-Str. 64
D – 39104 Magdeburg

Presse
Kathrin Singer
Tel.: (0391) 540 64 05
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