28.05.2014 08:00 Opernhaus

Theater in Kassel: Die Frau ohne Schatten - Oper in drei Aufzügen von Richard Strauss

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Im Mittelpunkt dieser in vielen (Klang-)Farben schillernden, fürwahr opulenten und maßlosen Oper stehen zwei (von Hofmannsthal freilich frei erfundene) Paare; (c) N. Klinger

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Von: GFDK - Staatstheater Kassel

Sie waren vielleicht das Traumpaar der Musiktheatergeschichte schlechthin: der Komponist Richard Strauss und der Dichter Hugo von Hofmannsthal.

Hier der genialisch veranlagte Orchestrator mit seinem unübertroffenen Instinkt für dramatische Zuspitzungen und schillernde Klangfarben, dort der subtile Kenner des historisch-mythologischen Theaters. Ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit entsprangen einige der größten Meisterwerke auf dem Gebiet der Oper; man denke allein an den Rosenkavalier, Elektra oder Ariadne auf Naxos. Das zweifelsohne zentrale Opus dieser symbiotischen (von widerborstigen Diskursen allerdings keineswegs freien) Künstlerpartnerschaft, mit dem beide Autoren nach Hofmannsthals Bekunden ihr »Reichstes und Höchstes« geben wollten, bildet die große humanistische Märchenoper Die Frau ohne Schatten, uraufgeführt am 10. Oktober 1919 in Wien.

Theater in Kassel

Ein Ausnahmewerk ist es in vielerlei Hinsicht: episch und lyrisch, mystisch-symbolisch, himmlisch wie irdisch. Durch Hofmannsthals Kopf schwebte es bereits seit 1911, die ersten Hinweise finden sich im Notizbuch des Dichters: »Mir schwebt da etwas ganz Besonderes vor: ein Zaubermärchen, worin sich zwei Männer und zwei Frauen gegenüberstehen, [...] die eine ein Feenwesen, die andere irdisch, eine bizarre Frau mit einer sehr guten Seele im Grunde, unbegreiflich, launisch, herrisch und dabei doch sympathisch [...] und das Ganze bunt, Palast und Hütte, Priester, Schiffer, Fackeln, Felsgebirge, Chöre, Kinder [...].« Hofmannsthal und Strauss entwickeln daraus eine Oper, die zum Schwerwiegendsten, Tiefsinnigsten und Vieldeutigsten zählt, was die Gattung insgesamt zu bieten hat. Bereits die literarische Vorlage sprengt wie kaum eine zweite die Grenzen der Genres und Stile, verknüpft sie doch auf höchst originäre wie originelle Weise Märchenstoffe aus China, Indien und Persien sowie der Brüder Grimm und Geschichten aus »Tausendundeiner Nacht« mit Goethes Novellensammlung »Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter« sowie dessen Faust und Hofmannsthals eigenem, in jungen Jahren entstandenem »Märchen der 672. Nacht«.

Im Mittelpunkt dieser in vielen (Klang-)Farben schillernden, fürwahr opulenten und maßlosen Oper stehen zwei (von Hofmannsthal freilich frei erfundene) Paare. Auf der einen Seite der Kaiser und seine Kaiserin; sie herrschen, scheinbar glücklich, gemeinsam über ein Traumreich, die südöstlichen Inseln. Auf der anderen Seite, durch und durch erdverbunden und vom Schicksal nicht eben begünstigt, sehen wir den Färber und seine Frau, die Färberin. Pole, so fern, und doch bald schon so nah. Den Grund für die Berührung der Welten, die durch die dämonische Figur des Keikobad gegeneinander ausgespielt werden, gibt uns die heroisch-tragische Hauptfigur: Denn die Kaiserin wirft keinen Schatten (das biblische Symbol für Fruchtbarkeit) und fühlt sich nicht als Mutter. Zugespitzt wird die Situation durch die Tatsache, dass die Frist, die ihr bleibt, das Verlorene aufzufinden, bald schon zu verstreichen droht. Also zieht es die Kaiserin, begleitet von der Amme, zu den Menschen.

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Dort hofft sie, das ersehnte Glück zu finden – und findet es letztlich auch. Richard Strauss hat zu dieser ins Innere humaner Sehnsüchte führenden Geschichte eine hochdramatische Musik komponiert, die jeden der Protagonisten aufs Schärfste konturiert und von einem orchestralen Reichtum durchdrungen ist, der selbst im musiktheatralen Schaffen dieses Komponisten als einzigartig bezeichnet werden darf.

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