06.02.2013 09:00 ach, wir armen schreienden Musikanten!

Theater in Frankfurt: Büchner. Lenz & Schubert. Schöne Müllerin bis zum 13.4.2013, THEATER WILLY PRAML

Theater  in Frankfurt: Büchner. Lenz & Schubert. Schöne Müllerin bis zum 13.4.2013, THEATER WILLY PRAML

(c) Herbert Cybulska

Von: GFDK - Theater Willy Praml - 7 Bilder

LENZ ist die Geschichte von einem, der nicht mehr gesellschaftsfähig ist – LENZ ist die Geschichte von einem, der aus dem System fliegt - LENZ setzt sich aus - da, wo sich überall versteckt wird, um nicht anzustoßen - LENZ reißt sich auf, öffnet sich ohne Schonung, zeigt seine Wunde.

BÜCHNER hat in seinem LENZ einen schonungslosen Bericht gegeben von einem Heimatlosen – unbehaust in der Welt und im eigenen Leib, von einem, der mit offenen Wunden in der Welt herumirrt. BÜCHNER selbst war nicht so weit weg von solchen Extremzuständen. Seine Krankheiten in psychisch extrem angespannter Lage, seine Flucht aus der hessischen Heimat sind der Situation seines Vorgängers nicht unähnlich. BÜCHNER wusste, dass solch ein pathologischer Fall immer auch die Attacke eines Einzelnen gegen Alle ist. Und so reiht sich LENZ ein in die dornengekrönten BÜCHNERschen Antihelden: Danton. Leonce & Lena. Woyzeck – überall das gleiche System von aufgerissenen und aufgewühlten Seelen.

SCHUBERT hat in seinem berühmten Liederzyklus DIE SCHÖNE MÜLLERIN einen ähnlichen Seelenzustand beschrieben. Die Stimme des verzweifelt wandernden
Müllergesellen, der die Liebe sucht, aber den Tod findet, klingt wie ein Echo der Sprachgewalten des LENZ. Auch im Fall von SCHUBERT ist die Parallele zwischen seiner Komposition und dem eigenen Leben zu finden. Er hat verzweifelt gesucht, nach Liebe und Anerkennung – sein Umfeld jedoch verkannte größtenteils sein Genie. Der italienische Komponist Alberto Mompellio hat eine seelen-sezierende Neukomposition von Schuberts weltberühmten Werk geschaffen, und eine neue Musik für Stimme, Akkordeon, E-Bass und Kontrabass geschrieben.

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