18.04.2014 08:00 von Euripides

Theater in Essen: Medea - aus Liebe zu dem griechischen Eindringling verriet sie ihren Vater

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Medea rast vor Eifersucht, enttäuschter Liebe und verletztem Stolz. Und sie schmiedet grausame Rachepläne; (c) Thilo Beu

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Von: GFDK - Schauspiel Essen

Als der Grieche Jason, Anführer der Argonauten, einst nach Kolchis kam, um das von König Aietes gehütete Goldene Vlies zu erbeuten, war es ausgerechnet dessen Tochter Medea, die ihm dabei half, seinen Auftrag zu erfüllen: Aus Liebe zu dem griechischen Eindringling verriet sie ihren Vater, ihr Land, tötete sogar ihren eigenen Bruder, um Jason zur Flucht aus Kolchis zu verhelfen, und folgteihm auf sein Schiff, die Argo, und ins griechische Exil.

Theater in Essen

Doch während Jason in Korinth, wohin das Paar mit den beiden gemeinsamen Kindern geflohen ist, schnell Zugang zu den höchsten Kreisen findet, wird seine Frau, die fremde “Barbarin”, misstrauisch beobachtet, gefürchtet und ausgegrenzt, nicht zuletzt wegen ihrer Klugheit, ihrer Zauberkünste, ihres Wissens um die Kräfte der Natur. Aber die größte Demütigung steht Medea noch bevor: Jason verlässt sie, um die Tochter des hiesigen Königs Kreon zu heiraten und damit seine politische und gesellschaftliche Stellung im Lande für immer zu sichern. Der Preis dafür ist Medeas Verbannung aus Korinth – viel zu sehr fürchtet Kreon ihre Rache, als dass er sie weiterhin im Lande dulden könnte. Zu Recht: Denn Medea rast vor Eifersucht, enttäuschter Liebe und verletztem Stolz. Und sie schmiedet grausame Rachepläne …

Schon vor mehr als 2400 Jahren stellte Euripides (ca. 485-406 v. Chr.) die Frage nach der Rolle der Frau in Gesellschaft und Privatleben. Seine Medea ist eine Außenseiterin, von der griechischen Gesellschaft verachtet und dämonisiert – schon aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Klugheit, aber auch wegen der Unbedingtheit ihres Zorns, der jede gesellschaftliche Norm sprengt: In ihrem Stolz zutiefst verletzt, ist Medea weder bereit, sich mit dem rücksichtslosen Egoismus, der Eitelkeit und dem Opportunismus ihres Mannes abzufinden, noch dazu, sich weiterhin den Spielregeln des fremden Landes anzupassen. Doch welcher Handlungsspielraum bleibt ihr noch? Welches Mittel ist erlaubt zur Verteidigung der persönlichen Würde? Wie weit geht ein Mensch, wenn ihm alles genommen wird, wenn alle Opfer umsonst waren und keine Hoffnung mehr bleibt?

Freunde der Kunst

Regisseurin Konstanze Lauterbach arbeitete von 1982 bis 1984 als Regieassistentin in Chemnitz. Es folgten zahlreiche Gastinszenierungen und von 1987 bis 1990 ein festes Engagement in Rudolstadt. Von 1990 bis 1999 war sie als Hausregisseurin am Schauspiel Leipzig engagiert und inszenierte in dieser Zeit auch regelmäßig am Theater Bremen sowie am Burgtheater Wien, bei den Wiener Festwochen und am Bayerischen Staatsschauspiel München. Von 2001 bis 2004 war sie Hausregisseurin am Deutschen Theater in Berlin. Seitdem arbeitete sie als freie Regisseurin für Oper und Schauspiel u. a. an der Volksbühne Berlin, am Theater Bonn, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, am Staatstheater Braunschweig, am Theater Konstanz und an der Semperoper in Dresden. 1997 wurde ihr der Preis des deutschen Kritikerverbandes verliehen, 2002 erhielt sie den Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig.

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