30.12.2013 08:00 Fjodor Dostojewskij

Theater in Düsseldorf: Der Spieler - allein der Augenblick zählt

der spieler theater duesseldorf

Unter dem Eindruck der ersten Europareise geschrieben; (c) Portrait of Fyodor Dostoyevsky, Wikipedia

Von: GFDK - Düsseldorfer Schauspielhaus

Nach deutscher Methode Reichtümer anhäufen und vererben? Nein, danke. Die russischen Sommerfrischler im deutschen Kurort Roulettenburg spielen um Alles oder Nichts, und längst ist nichts Bares mehr da, das am Spieltisch vervielfacht werden könnte. Der General Sagorjanskij hofft auf den Tod der reichen Erbtante,  der nicht nur den Schuldenberg tilgen, sondern auch Comtesse Blanche, die schöne Französin, bewegen könnte, ihn zu heiraten.

Theater in Düsseldorf

Doch dann reist die Babuschka quicklebendig an und verprasst das Erbe im Handumdrehen. Dabei ist sie die Einzige, die ein Vermögen in der Hinterhand hat, mit dem man ein neues Leben anfangen könnte – wäre da nicht das verflixte Zéro. Wenn die Kugel darauf fällt, werden aus einer Null 35 – oder alles ist verloren.

Freunde der Kunst

Für den Hauslehrer Alexej Iwanowitsch, der seinerseits in einer rasenden Hassliebe zu Polina, der Stieftochter des Generals, gefangen ist, wird die Null zur Daseinsform. Immer mehr gerät er in den Bann dieses unberechenbaren Rad des Schicksals, das binnen Sekunden über Gewinn oder Verlust entscheidet und immer die Hoffnung bereithält, dass das große Glück im nächsten Einsatz schlummert.

erzählt vom flüchtigen Phänomen der Leidenschaft, bei der allein der Augenblick zählt

Dostojewskij, selbst Roulette-Spieler bis an den Rand des Ruins, schrieb den kurzen Roman 1866 unter dem Eindruck seiner ersten Europareise. Er hält dem vermeintlich so fortschrittlichen Ausland ebenso wie den eigenen Landsleuten einen Spiegel vor: Das Fehlen jeglichen Ideals jenseits des schnöden Mammons macht für ihn den «Ameisenhaufen» Europa aus, in dem die Russen unvermeidlich verloren sind.

Premiere 11. Januar, 19.30 Uhr

Martin Laberenz, der am Centraltheater Leipzig bereits  Schuld und Sühne und Aufzeichnungen aus dem Kellerloch inszeniert hat, setzt nun in Düsseldorf seine Auseinandersetzung mit Dostojewskijs Romanen fort und adaptiert das Spiel um Leben und  Tod für die Bühne.

petra.serwe@remove-this.duesseldorfer-schauspielhaus.de