14.03.2014 09:00 SOCIETAETSTHEATER

Theater in Dresden: Fast perfekt - drei Beteiligte kämpfen um die Hoheit über "ihre" Geschichte

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Als Chloe zwölf Jahre alt ist, verschwindet sie spurlos; (c) Detlef Ulbrich

Von: GFDK - Societaetstheater

Als Chloe zwölf Jahre alt ist, verschwindet sie spurlos. Wie aus dem Nichts taucht sie sechs Jahre später wieder zu Hause auf. Darüber, wo sie all diese Zeit war, schweigt sie. Weder Polizei noch Psychologen können sie zum Reden bringen, die Medien stürzen sich in Spekulationen. Journalist Greg, den der Fall schon zur Zeit von Chloes Verschwinden intensiv beschäftigte, ist wie besessen davon, die Wahrheit herauszufinden.

Theater in Dresden

Tatsächlich bietet die junge Frau ihm ihre Geschichte an, will allerdings die Bedingungen dafür diktieren. In der Hoffnung, im Gespräch mit ihr den Namen des Entführers in Erfahrung zu bringen., den Chloe schützt, lässt Greg sich darauf ein. Spätestens als Mathew, Cloes Entführer, ins Spiel kommt, bemerkt man, dass alle Beteiligten auf ihrer eigenen Wahrheit bestehen.

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Mit einem beeindruckenden Gespür für Abhängigkeiten und die Vielgestaltigkeit dessen, was man Missbrauch nennt, verflicht die junge Autorin virtuos die Geschichte einer Entführung mit den Strategien ihrer medialen Aneignung, bis beide beunruhigend miteinander verschmelzen.
Entführer, Opfer, Journalist: Drei Beteiligte kämpfen um die Hoheit über "ihre" Geschichte und zugleich um Kontolle,Liebe und Macht.

Für die kanadische Autorin Nicole Moeller war die Geschichte der Natascha Kampusch ein Anlass zu diesem Stück, für das sie bereits mehrere Preise bekam.

anja.szczyrba@societaetstheater.de