21.05.2014 08:00 von Franz Grillparzer

Theater in Dresden: Die Jüdin von Toledo - Rahel ist schön, jung und lebenshungrig

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Grillparzers Trauerspiel von 1851 erzählt von der Faszination des Fremden, die sich unter dem Zwang politischen Kalküls in einen fanatischen Vernichtungswillen wandeln kann; (c) David Baltzer

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Von: GFDK - Staatsschauspiel Dresden

Rahel ist schön, jung und lebenshungrig. Als verwöhnte Tochter eines ­vermögenden Vaters ignoriert sie die gesellschaftlichen Schranken, die die jüdische Minderheit in Kastilien zu dulden hat, und provoziert aus schierer Abenteuerlust eine Begegnung mit König Alfonso.

Theater in Dresden

Schnell ist der junge Herrscher fasziniert von Rahels Charme und ihrer Direktheit, hat er doch in seiner arrangierten Ehe mit Eleonore von England nie Leidenschaft erlebt. ­Bevor er es selbst weiß, ist König Alfonso in eine stürmische Affäre verwickelt. Vor den Augen aller vernachlässigt er seine Staatsgeschäfte und zieht sich mit Rahel auf das Schloss Retiro zurück.

Als der schwelende Konflikt mit den Mauren sich erneut zu einem Krieg auszuweiten droht, ruft Königin Eleonore den Rat zusammen. Das Kabinett beschließt, dass Alfonso als oberster Heerführer umgehend zur Räson gerufen werden muss. Vergeblich bittet der König seine eifersüchtige Frau um Verzeihung und versucht, sie an die christlichen Gebote von Menschlichkeit und Gnade zu erinnern. Doch dass seine Liaison ein Opfer fordert, steht längst fest.

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Grillparzers Trauerspiel von 1851 erzählt von der Faszination des Fremden, die sich unter dem Zwang politischen Kalküls in einen fanatischen Vernichtungswillen wandeln kann. Der Regisseur Nuran David Calis untersucht darin die Mechanismen der Macht, die die öffentliche Meinung manipuliert. Das kurze Liebesabenteuer Alfonsos wird somit Anlass und Auslöser eines weiteren Vernichtungsfeldzugs.

Nuran David Calis ist Autor, Film- und Theaterregisseur. Er inszenierte zuletzt an Theatern in Bochum, Stuttgart und Leipzig sowie am Deutschen Theater Berlin. Calis verfilmte eigene Stoffe für Kino und Fernsehen, zuletzt führte er Regie bei „Woyzeck“ (arte/3sat) in einer eigenen Fassung nach Georg Büchner. 2011 veröffentlichte er den Roman „Der Mond ist unsere Sonne“. In Dresden inszenierte er 2012 Williams' „Endstation Sehnsucht“.

martina.aschmies@remove-this.staatsschauspiel-dresden.de