24.01.2015 09:00 von Sarah Kane

Theater in Bochum: Zerbombt - ein well made play über drei Menschen

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„Zerbombt“, war ein umstrittenes Großereignis und wurde schon Monate später auf Bühnen in halb Europa gespielt; Foto: JU_Ostkreuz

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Von: GFDK - Schauspielhaus Bochum

Im Jahr 1995 gelang der jungen Sarah Kane am Londoner Royal Court Theatre ein spektakuläres Debüt.

Theater in Bochum

Ihr Stück „Blasted“, auf Deutsch „Zerbombt“, war ein umstrittenes Großereignis und wurde schon Monate später auf Bühnen in halb Europa gespielt. Entlang der Gräuelbilder heutiger Kriege und mit der Wucht einer griechischen Tragödie kreist das Stück um die Begegnung dreier vom Leben überforderter Menschen.

Der Journalist Ian, seine ehemalige Geliebte Cate und ein namenloser Soldat stehen am Rande ihrer Existenz – dort, wo das Leben endet und die Einsamkeit, die Selbstaufgabe und das Sterben beginnt. Sie füttern, erniedrigen, lieben, quälen und töten sich – und spiegeln in ihrer harten und präzisen Sprache das ins Extrem gesteigerte Seelenleben einer beschädigten Generation. Indem sie die scheinbar private Situation einer Zweierbeziehung an ihre äußersten Ränder treiben, werden sie zu Stellvertretern einer um Krieg und Gewalt kreisenden Gesellschaft.

Mit dieser Produktion des Schauspiel Stuttgart kehren zwei alte Bekannte ans Schauspielhaus Bochum zurück: Maja Beckmann in der Rolle der Cate und Regisseur David Bösch. Wir zeigen im Austausch David Böschs Inszenierung „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ mit Maja Beckmann in der Titelrolle in Stuttgart.

Freunde der Kunst

David Bösch über „Zerbombt“: Die Dunkelheit der Nacht. Manchmal, wenn alle, wirklich alle schlafen, verdunkelt sich die Welt noch einmal um 327,43 Prozent. Eines Nachts war Mrs. Kane wohl wieder mal schlaflos, oder wachte auf und wollte zum Kühlschrank. Da sah sie diese Dunkelheit. Und da sie schon mal wach war, begann sie zu schreiben. Und hat ihr schmales Werk vollendet. Als sie alles aufgeschrieben hatte, legte sie sich wieder schlafen. Ins Bett oder in den Kühlschrank war da auch schon egal. Eines dieser Werke ist „Zerbombt“. Ein well made play über drei Menschen. Selten genug im Theater. Und wenn es nicht ein verbotenes Wort wäre, könnte man es fast becketthaft nennen. Mit seinem grausigen Humor und seiner zarten Verzweiflung.

choenmanns@remove-this.bochum.de