07.06.2013 09:00 von Friedrich Dürrenmatt

Theater in Bern: Frank V - Komödie einer Privatbank mit Musik von Paul Burkhard

Frank V - Komödie einer Privatbank

Frank V - Komödie einer Privatbank mit Musik von Paul Burkhard; (c) Konzerttheater Bern

Frank V von Friedrich DürrenmattFrank V., Chef einer Privatbank, wird erpresst
Von: GFDK - Konzerttheater Bern - 3 Bilder

Frank V., Chef einer Privatbank, wird erpresst. Und zwar von jemandem, der bestens mit den Geschäftsmethoden des altehrwürdigen Geldinstituts vertraut zu sein scheint. In zweihundert Jahren ist die Bank gross und reich geworden mit Aktenschwindel, Bilanzfälschung, Mord und Totschlag.

Theater in Bern

Doch die Zeiten sind nicht mehr günstig für ehrlichen Betrug. Die Einnahmen sinken, Kunden laufen davon, und nun auch noch diese Erpressung. Kurzerhand beschliesst Frank V. zum Schein zu sterben. Für tot erklärt, ist er die Steuerbehörde und seine Gläubiger los und kassiert überdies die Lebensversicherung.

Denn eigentlich will er schon längst aus dem dreckigen Bankengeschäft aussteigen. Ihre beiden Kinder haben der Bankdirektor und seine Gattin vorsorglich weit ab von ihren eigenen kriminellen Machenschaften in teuren Internaten zu guten, rechtschaffenen Menschen erziehen lassen. Was die Eltern jedoch nicht ahnen: Die Erpresser sind ihre Sprösslinge, die als sechste Generation Frank mit noch ganz anderen Methoden ins Bankgeschäft einsteigen wird. Der Apfel fällt eben niemals weit vom Stamm.

Schauspiel in Bern

Formal der «Dreigroschenoper» und inhaltlich Shakespeares «Titus Andronicus» verwandt, ist das Stück vordergründig eine heitere Komödie mit Musik des Schweizer Operettenkomponisten Paul Burkhard. Hintergründig nimmt Dürrenmatt jedoch mit seinem typischen, satirisch geschärften Blick die heiligste Kuh der Schweiz namens «Bank» ins Visier. «Wo Profit lockt, wird die Handlungsweise des Menschen vorhersehbar», lautet der bittere Befund Dürrenmatts im Stück.

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Heute sind die Banken weltweit in der Krise und haben auch in der Schweiz ihr sauberes Image längst eingebüsst, das aufgrund der Diskussionen um das Bankgeheimnis, das für die jüdischen Vermögen geschaffen worden war, zur Entstehungszeit des Stücks (1959) bereits zu bröckeln begann. Und so bekommt die bankrotte Privatbank der Familie Frank mitsamt dem Staat, der bei Dürrenmatt bezeichnenderweise alt und blind ist und am Ende als deus ex machina einspringt und alle Probleme löst, eine ganz neue, aktuelle Bedeutung: Manche Probleme sind eben «too big to fail».

susanne.schaefer[at]konzerttheaterbern.ch