11.03.2014 09:00 OPERETTE IN DREI AKTEN

Theater in Bern: Der Vetter aus Dingsda - die Ankunft des Fremden bringt das Gefüge ins Wanken

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Seit sieben Jahren wartet Julia auf ihre Jugendliebe Roderich und hofft auf seine baldige Rückkehr; (c) Philipp Zinniker

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Von: GFDK - KONZERT THEATER BERN

Seit sieben Jahren wartet Julia auf ihre Jugendliebe Roderich und hofft auf seine baldige Rückkehr. Ihr gieriger Vormund Onkel Josse hingegen zielt darauf ab, sie mit seinem Neffen August zu verheiraten, damit das Erbe, das Julia mit ihrer Volljährigkeit zusteht, in der Familie bleibt.

Theater in Bern

In sieben Jahren kann sich viel verändern: Kann sich Julia daher bei der Ankunft eines Fremden, der behauptet Roderich zu sein, hundertprozentig sicher sein, dass es sich bei ihm auch wirklich um ihren Roderich handelt? Kehrt der einst Vertraute plötzlich als Fremder zurück? Niemals wurde bislang versucht, den Verlobten ausfindig zu machen. Onkle Josse betäubt die Ungewissheit mit Essen, Trinken und einseitiger Konversation.

Julia verzehrt sich im Mondlicht nach ihrem Roderich und lässt den Utopien freien Lauf. Die Ankunft des Fremden erst bringt das Gefüge ins Wanken und zwingt alle Beteiligten, ihre jeweilige Komfortzone zu verlassen und sich mit der Realität auseinanderzusetzten.

Was als eher unwahrscheinlich anzunehmen ist, wird zur Voraussetzung für die Handlung. Somit reiht sich auch «Der Vetter aus Dingsda» in die Erzähltradition der Operette ein, mehr noch: 1921 uraufgeführt, hat diese Vertreterin der «Berliner Operette» längst die Unbefangenheit ihrer Vorgängerinnen der Gattung verloren.

Freunde der Kunst

Bei Künneke werden im Genre nun selbst die eigenen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten überdacht und die typischen Versatzstücke ironisiert, aus denen auch «Der Vetter aus Dingsda» in bewährter Weise selbst besteht. So nimmt der Titel des Werkes hämisch Bezug auf den Exotismus zeitgenössischer Operetten, die wie am Fliessband entstanden und bei denen die Thematisierung fremder Länder zu einer festen Rahmenhandlung gehörte. Bissiger Witz und frivoler Charme prägen dieses Werk, mit dem uns der Komponist zeitlose Evergreens beschert hat.

susanne.schaefer[at]konzerttheaterbern.ch