14.04.2012 07:22 Das kollektive Ereignis

Theater Düsseldorf: Enthusiasm III - Mit Alain Badiou am 27.4.2012. Die Enthusiasm-Reihe ist ein Echoraum für künstlerische und politische Avantgarden

(c) Düsseldorfer Schauspielhaus

Von: Petra Serwe

Das kollektive Ereignis – Alain Badiou mit Corinna Popp, Gabriel Kuhn, Volker Zander, Jutta Zimmermann und anderen

Eine Cut-up Reihe kuratiert von Kevin Rittberger, Stefan Schneider und Ludwig Haugk

Die Enthusiasm-Reihe ist ein Echoraum für künstlerische und politische Avantgarden. Enthusiasm ist das Theater oder nicht.

Die von Kevin Rittberger, Stefan Schneider und Ludwig Haugk kuratierte Reihe Enthusiasm hat diesmal den französischen Philosophen Alain Badiou zu Gast. Er ist der Altenthusiast unter den linken Theoretikern der Gegenwart. Im Jahr 1989 schrieb Badiou Antiochien, ein Theaterstück, das eine mögliche revolutionäre Situation in einer nahen Zukunft durchspielt und nach Optionen kollektiven Entscheidens fragt. Für Enthusiasm III übersetzt die Regisseurin Corinna Popp den noch nicht aufgeführten Text erstmals ins Deutsche. Anhand dieses Textes sucht Enthusiasm III gemeinsam mit Badiou und dem anarchistischen Autor und Aktivist Gabriel Kuhn aus Schweden nach Optionen politischen und künstlerischen Handelns. Der Musiker Volker Zander (Calexico) verlängert die Fragen ins All.


Bisherige Veranstaltungen:

28.3.2012
Enthusiasm II
«Wenn Düsseldorf beginnt, so beginnt es eigentlich nicht» – Carlheinz Caspari und die Labyr-Gesellschaft

25.2.2012
Enthusiasm I
Die Politik ist Kunst - Dziga Vertov mit Kammerflimmer Kollektief


Nächste Veranstaltung:

19.5.2012
Enthusiasm IV
Radikale Gegenwart: 24 Stunden ohne Ich

 

Pressestimmen:

In der Straßenbahn fuhren am Samstagmittag noch die Jugendlichen mit ihren Guy Fawkes-Masken. Beim Aussteigen riefen sie laut: „Kein ACTA!“ Am Abend ist die Bahn nicht weniger voll. Man steht eng an eng, denn keiner will sich neben den vor sich hin lallenden Trinker setzten. Auf dem Sitz hockt bereits sein Weggefährte und einziger Gesprächspartner: eine alte Plastiktüte vom REWE. An der Heinrich-Heine-Allee lichtet sich das Gedränge. Man will in der nahen Altstadt feiern. Das Kleine Haus des Düsseldorfer Schauspielhaus ist gut besucht. Rund 120 Gäste füllen den Saal, während die anderen Theaterfreunde Hamlet beim Grübeln zuschauen. ... „Enthusiasm I“ ist ein sehr ambitioniertes Projekt, in dem die Organisatoren das Theater als Informations- und Diskursplattform zu Fragen unserer Zeit zugänglich machen. Täglich geschehen Revolutionen, im Großen und im Kleinen und mal mehr oder weniger beachtet. Was ist die treibende Kraft dahinter? Die Suche nach Erklärungen ist vielleicht zu harter Tobak für einen Samstagabend und nicht jeder Gast blieb bis zum Schluss. Für Bewegung im Speck sorgte „Enthusiasm I“ in jedem Fall. www.coolibri.de, 27.2.12

Eine junge Frau setzt sich Kopfhörer auf und lauscht. Ihr schwarz-weißes Filmportrait flimmert über eine Leinwand auf der kleinen Bühne im Düsseldorfer Schauspielhaus. Der russische Regisseur Dziga Vertov lässt seinen ersten Tonfilm 1930 mit Bildern beginnen, die das Verhältnis von Ton und Bild thematisieren. Unten im Halbdunkel sitzen drei Musiker der Gruppe Kammerflimmer Kollektief und vertonen den Film neu und live mit ihren Instrumenten. Aber hier entsteht eine tranceartige Distanz, kein wüster Rausch. Die Klänge legen sich übereinander - was zu Vertovs Überblendungen passt, auch zu seinen kaleidoskopartigen Bildexperimenten. In Düsseldorf geht es an dem Abend nun darum, die Energie aufzugreifen, aber auch den zeitlichen, ideologischen und künstlerischen Abstand mitzudenken. Dinge im Kollektiv zu gestalten, jedem aber seine Souveränität zu lassen. Die Musik orientiert sich dabei (wie Vertov auch) an Originalsounds, an Collage und Montage. DRadio, Corso, 27.2.12

Es gab sie zuhauf, die enthusiastischen Momente, als am Samstagabend der erste Teil von Enthusiasm den Auftakt zu einer neuen Reihe machte. Doch es gab auch andere Momente: Das Publikum wurde gefordert, verstört und überfordert. Keine leichte Kost, die die etablierte Düsseldorfer Avantgarde um Stefan Schneider, Kevin Rittberger und Ludwig Haugk von nun an monatlich auf die Bühne bringen. Die Idee: Die Werke und Leistungen früherer Freidenker werden von Künstlern auf irrtierende Art und Weise auf die Bühne gebracht, um ihre Strahlkraft im Hier und Jetzt aufzuzeigen, ein Dialog zwischen Publikum und Kreativen soll sich anschliessen ... Das ist nicht nur Kunst, das ist politisch. Da ist die Sehnsucht nach einem anderen System, der Traum vom Kommunismus, dem Reich Gottes, einer Utopie. Ein Abend, über den man sich Gedanken machen muss. WZ, 27.2.12

 

 

 

Petra Serwe

Pressereferentin

Telefon: +49(0)211.8523 149

Mobil: +49(0)172.7991 488

Fax: +49(0)211-8523 147

E-Mail: petra.serwe@duesseldorfer-schauspielhaus.de

Internet: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de