18.04.2012 07:29 Von Guillermo Calderón

Theater Düsseldorf: Beben - Heinrich von Kleist aus der Sicht Chiles ab 21.4.2012

(c) Düsseldorfer Schauspielhaus

Von: Petra Serwe

 

In den frühen Morgenstunden des 27. Februar 2010 bebte die Erde zwischen Santiago und Concepción. Dem Beben mit einer Stärke von 8,8 – einem der stärksten weltweit – folgte ein gewaltiger Tsunami, der eine Spur der Zerstörung bis weit ins Landesinnere nach sich zog. In Chile sind Erdstöße eine beinahe alltägliche Angelegenheit, aber dieses Beben hat sich in das kollektive Gedächtnis des chilenischen Volkes als Jahrhundert-Katastrophe eingeschrieben. Das Ereignis, das zwei Jahre zurückliegt, war Anlass für Guillermo Calderón, Heinrich von Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili neu zu lesen. Kleist trug Anfang des 19. Jahrhunderts seine persönlichen Konflikte in einer frei erfundenen, phantastischen Geschichte aus, die er in einem ihm vollkommen unbekannten südamerikanischen Land ansiedelte.

Guillermo Calderón gilt als der interessanteste Theatermacher Chiles der jüngeren Generation. Er steht für ein neues politisches Theater. Seine neueste Inszenierung Villa+Discurso war im Oktober 2011 zu Gast beim Willkommen! Festival in Düsseldorf.


Für mich als Chilenen ist ein Erdbeben eine recht alltägliche Sache. Die ganz spezielle Angst, die die Erschütterung hervorruft: Nicht die Angst, dass einem das Haus über dem Kopf zusammenstürzt, vielmehr die Angst, dass die Erde unter deinen Füßen nicht standhält, macht bewusst, dass nichts sicher, noch von Dauer ist. Das ist eine existenzielle Angst. Kürzlich las ich Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili. Eine geradezu perfekte Reflexion über die theologischen Implikationen einer Naturkatastrophe. Wenn Gott fähig ist, uns das anzutun, dann gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: Entweder verdienen wir es, weil wir gesündigt haben, oder Gott ist schlichtweg böse. Im Herzen Europas erfindet Kleist das Erdbeben in einem fernen Land, um seinen persönlichen philosophischen Konflikt zu verhandeln. Soeben bebte Japan, und täglich warte ich auf die Erklärung, dass die Radioaktivität, die den beschädigten Kraftwerken entweicht, nicht die gesamte Insel verwüstet. Beklemmenderweise hat diese Naturkatastrophe Parallelen zu den Ereignissen des letzten Krieges, der in diesem Land herrschte. Sobald die Erde bebt – so hat es den Anschein – brechen auch die Konflikte der Vergangenheit wieder auf. Deshalb werde ich ein Stück schreiben, das Kleists Idee folgt, und der Frage nachgehen, in welchem Maße sich unsere Vorstellung vom Leben nach einer gewaltigen Katastrophe verändert.
Guillermo Calderón im März 2011

In Kooperation mit ShelterBox Germany

 

Bühne

  • Katharina Grantner

Kostüme

  • Katharina Grantner

Dramaturgie

Premiere

  • 21. April, 19.30 Uhr
     
  • 22. April, 19.30 Uhr
  • 24. April, 19.30 Uhr
  • 26. April, 19.30 Uhr
  • 29. April, 19.30 Uhr
  • 6. Mai, 19.30 Uhr
  • 11. Mai, 19.30 Uhr
  • 12. Mai, 19.30 Uhr
  • 18. Mai, 19.30 Uhr
  • 19. Mai, 19.30 Uhr
  • 25. Mai, 19.30 Uhr

 

Petra Serwe

Pressereferentin

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