16.05.2012 07:27 Komödie von Michael Frayn

Schöner und schlimmer - Der nackte Wahnsinn in Wiesbaden, mit Magdalena Höfner, Evelyn M. Faber und Michael von Bennigsen

Der nackte Wahnsinn am Staatstheater Wiesbaden (c)Lena Obst

Von: Lucia Zimmermann - 19 Bilder von Lena Obst

Schöner und schlimmer kann Theater nicht sein! Die Truppe um den Regisseur Lloyd Dallas steht kurz vor der Premiere, aber die Inszenierung ist noch längst nicht da, wo sie sein sollte.

Um die Boulevardkomödie, mit der das Ensemble in Kürze durch das Land touren soll, so leicht und beschwingt zeigen zu können, dass sie dem breiten Publikum gefällt, muss jeder Handgriff und jedes Timing perfekt sitzen.

Aber die Darsteller verpassen ihre Auftritte und vergessen ihre Texte, Türen klemmen und Requisiten fehlen. Zwischen allen bricht ein von Eifersucht, Geltungsdrang und schierer Unfähigkeit getriebener Kleinkrieg von epischer Größe aus, der sich für keine Gemeinheit zu niedrig ist.

Dem Zuschauer wird das Geschehen in drei Etappen vorgeführt. Zu sehen bekommt er dabei nur den ersten Akt des aufzuführenden Stücks, diesen aber drei Mal aus jeweils verschiedenen Perspektiven. Dabei wird die Truppe immer desolater: galt es zunächst noch, den schönen Schein der Theaterwelt aufrecht zu halten, wird im letzten Teil – Monate nach der Premiere – mit allen Mitteln gegeneinander gekämpft.

Schauspieler versuchen sich gegenseitig auszubooten, Inspizienten kämpfen gegen Assistenten, der Regisseur rauft sich die noch verbliebenen Haare und den Überblick haben alle schon längst verloren.

‚Der nackte Wahnsinn‘ ist eine der erfolgreichsten Farcen der 80er Jahre. Die raffinierte und turbulente Komödie ist eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die ‚Schlangengrube‘ Theater, in der es hinreißend menschelt und die auf höchst vergnügliche Weise zeigt, dass der schöne Schein hinter den Kulissen längst nicht so glanzvoll ist, wie man denken könnte.

Caroline Stolz ist die Leiterin der Wartburg, wo sie bisher u.a. Kristof Magnussons Komödie ‚Männerhort‘, Hitchcocks ,Die 39 Stufen‘, Marco Ferreris ‚Das große Fressen‘ und Tobias Bungters ‚Shopping Queens‘ inszenierte. 2010/11 brachte sie im Kleinen Haus ‚The Black Rider‘ von Wilson/Burroughs/Waits und die Adaption des Hal-Foster-Comics ‚Prinz Eisenherz‘ auf die Bühne.

Weil die mit vielen winzigen, aber überaus wirkungsvoll platzierten Gags gespickte Inszenierung von Caroline Stolz ganz auf ein durch und durch lustvoll agierendes, perfekt choreographiertes Ensemble setzt, ist es ungerecht, einzelne Akteure hervorzuheben.

Wie die Wiesbadener das dargestellte Chaos beherrschen und als blitzschnell sich drehende Rädchen ihren Part spielen, ist durchweg meisterlich und macht aus diesem Bühnenspaß ein Theaterfest von höchstem Unterhaltungswert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2011

So wie die Schauspieler im Laufe ihres Slapstick-Spiels immer mehr in Fahrt kommen, so werden auch die Lachmuskeln des Zuschauers im Laufe des Abends immer mehr angestrengt, bis er sich zuletzt, das verlegen darüber, über derart flache Scherze zu lachen, der Inszenierung ergeben muss.

Frankfurter Rundschau, 28.11.2011

Das wird der Renner der Saison. Es ist die Geschichte einer Eskalation, die Caroline Stolz, Regisseurin und Leiterin der Wartburg, fürs Kleine Haus auch als solche in Szene setzt, was dem Haus jubelnden Applaus beschert. Türen knallen auf, Türen knallen zu; Tempo und Timing stimmen. Dabei gelingen der Inszenierung hübsche eigene Akzente.

In zwei Stunden rattert das Stück dahin wie ein gut geöltes Räderwerk, in dem die Schauspieler außer Rand und Band agieren. In Wiesbaden kommt der zweite Akt beinahe dezent daher; erst im dritten Akt erreicht die Farce hier ihren Gipfel. Dabei gelingt Caroline Stolz mit eigener Handschrift ein weiterer Lacherfolg an diesem an Lacherfolgen nicht armen Theater.

Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 28.11.2011

Regisseurin Caroline Stolz macht den Untergang zum komödiantischen Sieg. Der typisch britische schwarze Humor blüht und aktiviert auch deutsche Lachmuskeln. Trotz vieler konstruierter Gags kommt Frayns Stück ‚gelebt‘ über die Rampe.

Es ist eine Liebeserklärung an das Theater, wo trotz allen Zaubers auch das Haifischbecken lauert, wo es mitunter zum Krampf wird, immer das Beste geben zu wollen. Doppelbödigkeit, die Caroline Stolz im Balanceakt durchblitzen lässt. Heiterkeit und Klamotte begeistern nicht nur die Zuschauer, sondern auch das von der Leine gelassene Team.

Frankfurter Neue Presse, 28.11.2011

Bei Caroline Stolz im Kleinen Haus ist das Stück in besten Händen. Ihre neun Darsteller, die abgehalfterte Schauspieler in einer billigen Boulevardkomödie spielen, sind großartig. Monika Kroll herrlich dämlich. Wolfgang Böhm fällt unnachahmlich die Treppe runter. Magdalena Höfner macht als dumme Tusse in Unterwäsche gute Figur. Ein irrer Spaß. Wertung: Toll

Bildzeitung, 01.12.2011

Timing und Tempo müssen stimmen, und wenn dann noch die Charaktere der Schauspieler durch ihre Rollen durchscheinen, wenn die Verletzlichkeit dieser Bühnenmenschen sichtbar wird und ihre Sehnsucht nach Anerkennung oder gar Liebe, kann daraus ein großer Spaß werden.

Die Wiesbadener Regisseurin Caroline Stolz kommt diesem Ideal sehr nahe, und ein begeistertes Publikum hat erkennbares Vergnügen an den Verwirrungen, die in weniger als zweieinhalb Stunden angerichtet werden.

Indem die Inszenierung verhalten beginnt, schafft sie großen Raum zur Steigerung, und je aberwitziger die Geschichte aus den Fugen gerät, desto lustvoller lässt es dieser Abend krachen – da liefert Wolfgang Böhm einen spektakulären Sturz vom Oberstock bis vor die erste Parkettreihe, lässt Evelyn Faber ihr Dauerlächeln immer angestrengter aussehen, lässt Michael Birnbaum den Lebemann in Weinerlichkeit zerfließen, Monika Kroll rafft auf anrührende Weise die Würde der gealterten Diva zusammen, die von der Angst begleitet wird, einen Fehler zu machen.

Sie alle sind untereinander in Koalitionen aus Liebe und Hass eng verflochten, und alle sind abhängig vom Regisseur, den Michael Günther Bard erst als raffinierten Diktator porträtiert, bis man merkt, dass auch er im Geflecht der emotionalen Abhängigkeit festgezurrt ist.

Das stärkste der Porträts aber kommt aus der kleinen Rolle der Regieassistentin Poppy: Sie hat nicht viele Sätze, aber Franziska Werner spielt das unentbehrliche, aber häufig übersehene Geschöpf mit tragikomischer Größe in den Vordergrund.

Darmstädter Echo, 08.11.2011

Die Zuschauer erwartet eine unterhaltsame Aneinanderreihung von Gags, teilweise mit atemberaubendem Tempo. Wer sich im Theater einen unterhaltsamen Abend machen will, derb witzige Dialoge (‚Das ist mein Text, du Schlampe) liebt und schon immer einmal wissen wollte, wie es beim Theater hinter der Bühne aussieht, der ist hier goldrichtig.

Pepper, 09.12.2011

Blitzschnell fügen sich die einzelnen Gags zusammen, in dem die Schauspieler zu Hochform auflaufen.

Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 16.12.2011

Komödie von Michael Frayn

Deutsch von Ursula Lyn

Premiere am 25. November. 2011

Sonntag, den 13.05.2012, 16.00 Uhr

Kleines Haus

Mittwoch, den 23.05.2012, 19.30 Uhr
Sonntag, den 27.05.2012, 16.00 Uhr

Samstag, den 30.06.2012, 19.30 Uhr

InszenierungCaroline Stolz
Bühne und KostümeLorena Díaz Stephens
 Jan Hendrik Neidert
DramaturgieAnika Bárdos
Mit:
Dotty Otley / Mrs. ClackettMonika Kroll
Garry Lejeune / Roger TramplemainWolfgang Böhm
Brooke Ashton / VickiMagdalena Höfner
Frederick Fellowes / Philipp Brent / ScheichMichael Birnbaum
Belinda Blair / Flavia BrentEvelyn M. Faber
Selsdon Mowbray, EinbrecherUwe Kraus
Lloyd Dallas, RegisseurMichael Günther Bard
Poppy Norton-Taylor, Regie-AssistentinFranziska Werner
Tim Allgood, InspizientMichael von Bennigsen

Aufführungsdauer: 2 Stunden 20 Minuten. Eine Pause.

Komödie von Michael Frayn

Deutsch von Ursula Lyn

Lucia Zimmermann
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