16.01.2013 08:02 Performer: Stefan Dreher

München: Helga Pogatschar: Abteilung 13 Darstellende - Kunst Video-Oper für einen Performer und acht Instrumentalisten am 18 und 19.1.2013

Stefan Dreher als „K“. Foto: Michael Bischoff

Von: GFDK - Pfau PR - 2 Bilder

Am 18. und 19. Januar 2013 präsentiert die Komponistin und Regisseurin Helga Pogatschar die Uraufführung ihres neuen Stücks "Abteilung 13 Darstellende Kunst", einer interaktiven Video- Oper für einen Performer und acht Instrumentalisten. "Abteilung 13 Darstellende Kunst" stellt in den Mittelpunkt, was jeder Künstler, jeder Bürger kennt: den Weg durch die Behörden, durch Ämter und öffentliche Institutionen.

Wer ist wofür zuständig? Wann ist wer erreichbar? Wer ist der richtige Ansprechpartner? Warum ist er nie da? Die Konfrontation der eigenen Ohnmacht mit der – oft anonymen – Macht der Behörde bringt den "Kunden" zur Verzweiflung, egal ob es sich um ein Visum, ein Autokennzeichen oder einen Förderantrag handelt.

Hier setzt "Abteilung 13" an: Wir sind immer mehr von Systemen umgeben, die wir nicht verstehen. Die Komplexität einer Behörde, eines Unternehmens, der Politik ist nur schwer durchschaubar. Jeder einzelne besetzte Posten eines Amts und die Zuordnung der Kompetenzen sind zwar für sich gesehen vernünftig und verständlich - wie aber die Verbindungen, die Koordination und Kommunikation verläuft, erschließt sich kaum mehr jemandem

. Das trifft auf das Europäische Parlament genau so zu, wie auf die Gema oder das Münchner Kulturreferat. „Abteilung 13 Darstellende Kunst“ untersucht dieses Phänomen. Inhaltlicher Leitfaden ist die fragmentarische Erzählung „Das Schloß“ von Franz Kafka, in der ein Landvermesser namens K. versucht, Zugang zum Schloss zu erlangen.

Das Schloss mit seiner Verwaltung, wie Kafka es beschreibt, scheint durch einen gewaltigen, undurchschaubaren bürokratischen Apparat jeden einzelnen der Einwohner zu kontrollieren und dabei unnahbar und unerreichbar zu bleiben. Bei Überschreitung der Vorschriften droht vermeintlich Schlimmes. Tatsächlich werden aber vom Schloss niemals erkennbare Sanktionen erhoben.

8 Musiker bevölkern einen gewaltigen, 8m hohen und 12m breiten Gerüstbau: das Schloss, das Amt. Das Rätsel, das es zu ergründen gilt. K., ist hier der Künstler, der Performer Stefan Dreher, der im Kafka´schen Dilemma gefangen seine eigene, perfekte Lösung findet. Das Team um Pogatschar und Bischoff bezieht formal eine Gegenposition zu den hierarchischen Strukturen in Behörden. "Abteilung 13" wird im Netzwerk mit Spezialisten realisiert. Der Arbeitsprozess ist antiautoritär und dezentral.

Die Bühne

Das Schloss wird durch einen großen Setzkasten aus Gerüstbauteilen repräsentiert. In ihm sitzen jeweils vier Musiker in drei Etagen. Der Setzkasten ist hinter einer Gaze verborgen und damit für K. und den Zuschauer zunächst zwar wahrnehmbar (hörbar), aber nicht sichtbar. Die Gazewand dient als Projektionsfläche, ist aber von hinten beleuchtet durchsichtig. Projektion und Setzkasten mit Musikern überlagern sich durch die semipermeable Leinwand zu einem Bild.

Der Darsteller

Der Performer K. ist Repräsentant des Zuschauers. K. will über das Schloss seine Legitimation erlangen, will gehört werden und funktionierender Bestandteil des Systems sein. Aber er scheitert schon an der räumlichen Annäherung. Er ist als Landvermesser bestellt, kann aber so seinen Beruf nicht ausüben. Das Schloss lässt sich nicht vermessen.

Die Musik

Ein Orchester oder ein größeres Ensemble ist mit einem System wie dem des Schlosses vergleichbar: es gibt nicht nur angsteinflößende Hierarchien, sondern aus den vereinzelten Musikern erwächst ein undurchschaubar funktionierender Klangkörper. Das „Orchester“ bevölkert das Schloss, den Setzkasten von „Abteilung 13 Darstellende Kunst“. Die Musiker sitzen vereinzelt in ihren Kästchen. Jeder spielt alleine, und doch ergibt sich ein großes Ganzes daraus: Musik.

Die Mitwirkenden

Helga Pogatschar (Konzept / Komposition / Musikalische Leitung) absolvierte zwei Studiengänge (Künstlerisches Hauptfach Klavier und Komposition für Film und Fernsehen) an der Hochschule für Musik und Theater München. Sie verwirklichte zahlreiche eigene multimediale Musiktheater-

Projekte, u.a. Traumtext I + II und peep!. Die Projekte Mars – ein Requiem, Titus

Trash Tatar, Inanna, Maus und Monster und Du, Liebe?! erschienen auf CD.

Förderungen: Musikstipendium des Kulturreferates der Landeshauptstadt München, 2000; Projektstipendium für Junge Kunst/ Neue Medien der Landeshauptstadt München für Traumtext, 2004; Stipendiatin am internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, 2006; Förderpreis der Landeshauptstadt München 2007.

Michael Bischoff (Konzept / Bühne / Licht)

Licht- & Bildkünstler, Magister der Theaterwissenschaft und Philosophie. Seit 1995 an Theater- und Tanzprojekten beteiligt. Zahlreiche Festivals, u.a. Spielart München; Autorentheatertage, Hannover; Ruhrfestspiele, Recklinghausen; Impulse, NRW; Mülheimer Theatertage; The Creative Forum for Independent Theater Groups, Alexandria; Steirischer Herbst, Graz; Ibsenfestival, Oslo; Rencontres Choréographiques, Paris. Seit 1998 eigene Projekte, u.a. Videoperformance Radio Noir für Schauspiel Frankfurt. Seit 2006 eigene Bühnenräume, u.a. für Helga Pogatschar, Hunger&Seide, Stefan Dreher und Inga Helfrich. 2010 gründete er mit Florian von Hoermann das Institut für Glücksfindung.

Frieder Weiss (Multimedia/„Engineer in the arts“)

Frieder Weiss ist ein weltweit gefragter Experte für den Einsatz von Live- Computing und interaktiven Systemen in Performances. Während seiner 12- jährigen Arbeit bei der Palindrome Intermedia Performance Group entwickelte er ein Video-Erkennungs-System, das den bewegenden Körper auf der Bühne erfasst und als Reaktion auf die Bewegung und Position des Tänzers das mediale Bühnenbild aus Licht, Ton und grafischen Elementen kreiert. So gehen die Gestik des Tänzers und digitale Welt ineinander über. Internationale Preise und Auszeichnungen, u.a. bei der Transmediale in Berlin 2001. Für seine mediale Arbeit zur Produktion "Glow" der australischen Gruppe "Chunky Move" erhielt er im April 2007 den Green Room Award in Melbourne für "Design in Dance". www.frieder-weiss.de

Stefan Dreher (Performance)

Der Choreograf und Tänzer Stefan Dreher lebt und arbeitet in München. Derzeit ist er Artist in Residence am belgischen Choreografischen Zentrum Charleroi/Danses. Nach seinem Studium an der Folkwang Hochschule und einem Engagement als Tänzer bei Joachim Schlömer in Ulm hat er in Belgien seit 1993 mit zahlreichen Choreografen und Künstlern wie Pierre Droulers und Thierry De Mey zusammengearbeitet. In München war zuletzt sein Projekt „I wish I were a hay“ zu sehen, dem er mit Thomas Hauert gemeinsam eine computergestützte Tanznotation zu Grunde legte.

Uraufführung

Freitag, 18.1.13 und Samstag, 19.1.13, jeweils 20.00 Uhr

Reaktorhalle in der Hochschule für Musik, Luisenstr. 37 a, 80333 München

Tickets: 15 € / 10 €, Reservierung: wurmmiria@yahoo.de

Mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München

Medienbetreuung: Pfau PR, Tel.: 089 / 48 920 970, info@pfau-pr.de