06.09.2013 08:00 Auf der Suche nach dem Glück

Göttliches Welttheater oder magisches Spektakel – Arrigo Boitos Oper „Mefistofele“ eröffnet die Spielzeit des Staatstheaters Mainz

mefistofele oper am staatstheater mainz

Arrigo Boito geriet der „Mefistofele“ zum faszinierenden Fragment; (c) Martina Pipprich

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Von: GFDK - Staatstheater Mainz

Nach „Le Grand Macabre“ in der Spielzeit 2011 / 2012 kehrt das Erfolgsduo Lorenzo Fioroni (Regie) und Paul Zoller (Bühnenbild) mit Arrigo Boitos Oper „Mefistofele“ an das Staatstheater Mainz zurück. In der Titelrolle sind Kammersänger Hans-Otto Weiß und alternierend José Gallisa zu erleben, als Faust singen alternierend Gaston Rivero und Andrea Shin, als Gretchen ist Tatjana Charalgina, als Margherita Vida Mikneviciute zu hören. Nicht weniger als der Chor und Extrachor des Staatstheaters Mainz dazu Kinder des Mädchenchors am Dom und St. Quintin sowie des Mainzer Domchors sind desweiteren zu erleben. Die musikalische Leitung hat GMD Hermann Bäumer.

Theater in Mainz

Arrigo Boito geriet der „Mefistofele“ zum faszinierenden Fragment. Wie hätte es ihm anders ergehen sollen mit einer Oper, die beide Teile von Goethes Faust berücksichtigen sollte? Eine schwierige Uraufführung 1868; die folgenden Umarbeitungen und Kürzungen für die 1875er-Erfolgs-Fassung taten ein Übriges, den Furor der Vollständigkeit in eine Furie des Verschwindens zu wandeln.

An die Stelle des großen Bildungsganges einer zerrissenen Seele traten irritierend unverbundene Bilder, eine Montage der Attraktionen, die Mefistofele und Faust durchwandern. „Mefistofele“ – ein Werk, das neue Fragen an Goethes „Faust“ stellt, das Leben dieses Mannes – seine Träume, seine Frauen – als irisierendes Stückwerk erscheinen lässt. „Mefistofele“ – ein Werk, das Phantasien entzündet. 

Schauspiel in Mainz

Mefistofele, Gottes Widerpart, ist der Schöpfung überdrüssig. Der großen Illusion des göttlichen Welttheaters setzt er seine kleine Alltagsmagie entgegen und hofft ansonsten, dass der Spuk, die so genannte „Wirklichkeit“, bald vorübergehen möge. Auch die Menschen und ihre großen Illusionen von Vernunft und Erkenntnis sind ihm zuwider. Als Gott jedoch in Gestalt von Faust ein interessantes Exemplar ins Spiel bringt, lässt er sich auf eine Wette ein: Die Seele Fausts steht auf dem Spiel. Wenn Mefistofele Macht über Faust gewinnen sollte, ist vielleicht das Ende der Welt besiegelt.

Freunde der Kunst

Auf der Suche nach einem Augenblick vollkommenen Glücks verschreibt sich Faust tatsächlich dem Teufel. Im Gegenzug beschert ihm Mefistofele den Zauber eines abenteuerlichen Lebens: Margherita soll ihm Liebe schenken, die Walpurgisnacht ein satanisches Spektakel. Doch dem Teufel wird dieser Mensch bald unheimlich. Nach den Episoden mit Margherita taucht er in die Welt antiker Ideale ein. Enttäuscht von lauter abenteuerlichen Augenblicken, die ihm keinen Frieden geschenkt haben, umzingelt von Sorge, Schuld, Mangel und Not träumt er einen letzten Traum: König eines glückseligen Volkes zu sein. Mefistofele glaubt, ihn endlich im Griff zu haben...

cvillinger@staatstheater-mainz.de