27.02.2013 09:18 scheinbar alltäglichen Betrachtungen

Deutsche Merkwürdigkeiten - Kalle Pohl ist mal wieder herzerwärmend menschlich - und vor allem saukomisch

Kalle Pohl

Kalle Pohl, Foto: Promo

Von: GFDK - Frank C. Bürkle

"Merkel, Westerwelle, Gabriel, Steinmeier, Künast, Trittin, Gysi - so, damit hätten wir den politischen Teil hinter uns", beginnt Kalle Pohl vergnügt und wendet sich scheinbar alltäglichen Betrachtungen zu. Aber die haben es in sich. Oft reicht dem erklärten Rheinländer ein amüsierter Blick, um deutsche Merkwürdigkeiten aufzuspießen. Etwa ein Blick in die Vergangenheit.

Wir haben uns kaum über ein paar Takte von "Zwei kleine Italiener" gefreut, schon dürfen wir uns vorstellen, Pohl träte mit "Zwei kleine Türken" zum Grand Prix an. Dass junge Migranten darauf handgreiflich reagieren könnten, weist er von sich ("man will schließlich keineaufs Maul kriegen"), und Sarrazins Gentheorie ist für ihn ein alter Hut - er selbst hat schon vor Jahren das Gassigen und das Gen am Stock entdeckt. Erstaunliches erfahren wir über Pastor Hückelhoven, über Margarine in freier Wildbahn, darüber, wie man einer Handsau die Meinung sagt, und warum Köche auf der Toilette die Arbeitshandschuhe ablegen sollten. Einem politisch korrekten Vortragsabend stehen eindeutig Pohls Freimütigkeit und sein Verstand im Wege. Vollends hemmungslos
greift er zum Akkordeon - seine Gangsta-Version von Come Tagether ("hat schon John Lennon von Chuck Berry geklaut") ist wahrlich ein starkes Stück. Einen gibt es allerdings, den er vorbehaltlos bewundert und rezitiert: den Merzenicher Heimatdichter Walter Büllesheim. Den hat er schließlich selbst erfunden.

Wer sich an Kalle Pohls kabarettistische Anfänge erinnert, stellt begeistert fest: der Komödiant hat sich nach all den Jahren routinierter Fernsehunterhaltung selbst wiederentdeckt. Unberührt vom Klamauk der Comedyszene geht er mit Biss und Spielfreude auf die Reise zwischen Gestern und Heute, Heimat und Fremde,
und seine Geschichten, seine Beobachtungen, seine Figuren und Lieder zeichnen ein lebendiges Bild, in dem wir uns immer wieder selbst entdecken. Pohls pralles Panoptikum ist herzerwärmend menschlich - und vor allem saukomisch.

Samstag, 2. März 2013
Beginn: 20.00 Uhr o Eintritt: EUR 20,50

SCHATZKISTL das Musik-Kabarett im Mannheimer Hof
Augustaanlage 4 - 8, Mannheim

Karten:
Rhein Neckar Ticket GmbH, P3, 4-5, Mannheim,
Telefon 0621 - 12 47 98 20 (in den Räumlichkeiten des Mannheimer Morgens)
oder unter Telefon 0621 - 10 10 11
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