02.06.2017 06:23 nicht alles dreht sich um die erde

Brechts Leben des Galilei feiert Premiere in Essen

Theaterpremiere Brecht - Nicht alles dreht sich um die Erde

Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ erzählt die Geschichte des italienischen Mathematikers und Astronomen Galileo Galilei. Bild: Stückmotiv zu „Leben des Galilei“ (c) sputnic – visual arts

Von: GFDK - Martin Siebold

Essen. Mit einem modernen Klassiker beschließt das Schauspiel Essen am Samstag, dem 24. Juni ab 19:30 Uhr im Grillo-Theater seinen Premierenreigen der Spielzeit 2016/2017: Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ mit Musik von Hanns Eisler erzählt die Geschichte des italienischen Mathematikers und Astronomen Galileo Galilei (1564-1642), der das neue kopernikanische Weltsystem beweisen will. Und das nicht nur seinem Schüler Andrea, sondern gleich der ganzen Welt.

Welches Weltbild stimmt?

Doch mit der Erkenntnis, dass sich keineswegs alles um die Erde dreht, wirft der Gelehrte gleich ein ganzes Weltbild über den Haufen. Ganz zum Ärger der katholischen Kirche, denn würde das stimmen, dann hätte das Weltall über Nacht seinen Mittelpunkt verloren.

Deren Vertreter sind entsetzt: Wo ruht das Auge Gottes auf einer Erde, die nicht mehr das Zentrum des Universums bildet, sondern ein Gestirn wie unzählige andere ist? Wie soll das Volk unter diesen Umständen einen Sinn im irdischen Dasein erkennen?

Welche Rolle spielt die Heilige Schrift? 

Galilei schlägt alle Warnungen in den Wind, zu stark ist sein Wille zur Wahrheit. Er versucht, die höchsten Kirchenvertreter im Vatikan von der Richtigkeit seiner Forschung zu überzeugen. Doch alle Mühe ist vergebens: Seine Werke landen auf dem Index, und der Astronom verfällt in jahrelanges Schweigen.

Als ein der Wissenschaft zugewandter neuer Papst berufen wird, schöpft Galilei erneut Hoffnung. Aber diesmal zeigt ihm die Inquisition ihre Instrumente – 23 Tage später widerruft er seine Lehre.

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat“, wirft ihm sein enttäuschter Schüler Andrea vor. „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“, lautet die Antwort des zwischen Forscherdrang, eigenen Machtbestrebungen und Kircheninteressen aufgeriebenen Wissenschaftlers.

Steht bei Bertolt Brecht der Kampf Galileis um den Sieg der Vernunft zu Beginn noch in deutlichem Bezug zum nationalsozialistischen Deutschland, gewinnt die Frage nach dem ebenso revolutionären wie gefährlichen Potenzial der Wissenschaft in weiteren Fassungen an Bedeutung.

Diskurs über Wahrheitssuche und Zweifel

Nach wie vor bietet Brechts Schauspiel einen spannenden Diskurs über Wahrheitssuche und Zweifel, Meinungsfreiheit und totalitäre Strukturen, Opportunismus, Forschung und vor allem (Fortschritts-)Glauben und stellt nicht zuletzt die Frage, ob jemand wie Galileo Galilei ein Held oder ein Verräter ist. Übrigens: Erst 1992 wurde Galilei durch Papst Johannes Paul II. rehabilitiert.

Regie führt Konstanze Lauterbach, die am Schauspiel Essen bereits „Graf Öderland“ und „Medea“ in Szene gesetzt hat. Es spielen Thomas Büchel, Stefan Diekmann, Alexey Ekimov, Axel Holst (Galileo Galilei), Ines Krug, Stefan Migge, Philipp Noack, Jan Pröhl, Stephanie Schonfeld, Sven Seeburg, Rezo Tschchikwischwili und Jens Winterstein. Musikalische Leitung: Achim Gieseler; Bühne: Ann Heine; Kostüme: Claudia Charlotte Burchard; Dramaturgie: Jana Zipse.

Theater in Essen

Die Inszenierung wird gefördert durch eine private Spende der Eheleute Sunhild und Christian Sutter.

Eintritt: € 14,00 – 37,00. Karten: Tel.: 0201/81 22-200, oder online unter www.schauspiel-essen.de