26.12.2013 08:00 Songs voll zarter Ironie & popmusikalischer Leichtigkeit

Musik: The High Kings ganz eigener Folk’n’Roll-Style auf ihrem neuen Album "Friends for Life"

The High Kings veroeffentlichen ihr neues Album Friends of Life

Das Quartett auf einer Bühne zu erleben zählt in der Tat zum Besten, was in Europa derzeit zu sehen ist. © Lili Forberg

The High Kings begeistern mit Folk

Bild 2: Album "Friends of Life" © Sony Classical

Von: GFDK - Sony Classical - 2 Bilder

Schrieben wir noch das Jahr 1971, die High Kings wären ganz unverhohlen als ’Super Group’ bezeichnet worden. Vier Männer, die 13 Instrumente an einem einzigen Abend spielen. Finbarr Clancy, der als Teil der längst legendären Clancy Brothers tourte; Brian Dunphy und Darren Holden, die beide im Team der weltweit erfolgreichen Show ’Riverdance’ waren; und dann noch Finbar Furey, der mit Jean Reno als Partner in Frankreich das Hit-Album „Excalibur“ landen konnte. Vier Überzeugungstäter, die auch nicht so ohne Weiteres in den Kontext ’Irish Folk’ sortiert werden können.

Das neue Album der High Kings wird bei Sony Music veröffentlicht – es ist das erste Album mit eigenen Songs und ihr erstes Album bei Sony: „Friends for Life“, mit zwölf fantastischen Songs, die die ganze Bandbreite des Könnens dieser vier irischen Musiker in ihrem ureigenen „Folk’n’Roll“-Style zur Geltung bringen. Seit ihrem Durchbruch im Jahr 2008 mit ihrem ersten Album und einer DVD, die ihren Live-Auftritt in Dublin dokumentiert, haben The High Kings eine atemberaubende Karriere angetreten. 2012 wurden sie eingeladen, anlässlich der traditionellen Feierlichkeiten zum St Patrick’s Day im Weißen Haus zu konzertieren (US-Präsident Barack Obama bekannte: „Ich habe zwei irische Lieblingsbands: U2 und The High Kings“). Zwei Tage zuvor traten sie vor hunderttausend Menschen auf dem Trafalgar Square in London auf.

Die größte Ehrung wurde ihnen jedoch durch ihre Landsleute zuteil, die sie in den vergangenen vier Jahren in Folge zu Irlands Folkband des Jahres kürten, sechs Irland-Tourneen der High Kings waren ausverkauft.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Jetzt aber, im Jahre 2013, sind Begriffe wie „Super“ oder „Mega“ definitiv entwertet. Was die vier Herren nicht sonderlich stören muss, denn ihre Künste werden ja trotzdem weltweit gefeiert, weil Ebenbürtiges halt selten ist. Und weil die High Kings auch von Menschen, die nicht jedes Jahr in Planwagen und handgestricktem Pullover durch Irlands Ländereien reisen, zum lohnenden Ziel ambitionierter Konzertgänger erklärt werden. Das Quartett auf einer Bühne zu erleben zählt in der Tat zum Besten, was in Europa derzeit zu sehen ist. Mit schöner, mit wirklich außerordentlich schöner Regelmäßigkeit reagiert das Auditorium dort auf die zwischen Tradition und Moderne positionierten Songs der Könige und feiert ihr Material als die Zukunft dessen, was als Irish Folk an seiner eigenen Unbeweglichkeit zeitweilig zu ersticken drohte.

Nehmen wir nur einmal einen Song wie „Ireland’s Shore“: Instrumental steckt das Stück in durchaus traditionellen Gemarkungen, rhythmisch allerdings und textlich bewegt es sich in den Gefilden unserer Tage. Die High Kings bedienen sich zarter Ironie und popmusikalischer Leichtigkeit, wenn sie Irlands Liedgut ins 21. Jahrhundert transferieren. Und wenn sie damit live auftreten, gerät die Tradition in noch bemerkenswertere Schieflage.

Dann glaubt der ungläubige Zuschauer manchmal, der Rock’n’Roll sei in Wahrheit eine Erfindung der grünen Insel westlich des Vereinigten Königreiches von England. Wo die Pogues sich – leider – fast allein auf die permanente Trunkenheit ihres Sängers und ein Paddy Malone sich – zu Recht – auf sein Dasein als irische Ikone berufen, setzen die High Kings auf eine sanfte Korrektur dessen, was irische Folklore im Jahre 2013 noch bedeuten könnte. Und das ist verdammt viel: Man darf sich Singer/Songwriter nennen, man darf den Pop und manchmal auch den Rock streifen und kann dennoch jener sagenhaften Insel verbunden bleiben. Wenn ein Song wie “Friends For Life“ so klingt, als  habe Kris Kristofferson ihn geschrieben, dann ist kein Ire in die Prärie, dann ist eher ein Amerikaner nach Irland gereist. Und niemand müsste sich wundern, wenn er mit den Worten ’ich habe das Paradies gehört’ in die Heimat zurück kehrt.