10.05.2012 07:18 Kollektion von weniger bekannten Songs aus den Siebzigern

Musik Rock/Pop: Die Rumer Story geht weiter mit neuem Album "Boys Don't Cry"

(c) WMG

Von: Warner Music - 3 Bilder

Die  vergangenen 18Monate waren für RUMER eine außergewöhnliche Zeit. Immerhin war die 31-jährige Britin mit den pakistanischen Wurzeln vor der Veröffentlichung ihres Debüts Seasons Of My Soul eine völlig unbekannte Singer-/Songwriterin. Man führe sich dann noch ein ganzes Jahrzehnt vor Augen, in dem sie nach einem Vertrag Ausschau hielt, plus eine emotional ziemlich bewegte persönliche Geschichte, die sich in jeder Note ihrer Musik widerspiegelt… Wie auch immer, im Herbst 2010 katapultierte sich Seasons Of My Soul auf Anhieb auf Platz 3 der britischen Charts und erreichte nach nur sechs Wochen Platin. Und auch bei uns begeisterte sie die Fachpresse und wurde einhellig als die neue Stimme des Jazz und Pop gefeiert. Hierzulande stieg Seasons Of My Soul auf Platz 13 der Albumcharts ein, und die Single Slow ging auf Position 4 der Single-Charts.

 

Seasons Of My Soul, das sich bisher über eine Million Mal verkaufte, führte RUMER von der Nordwestgrenze Pakistans bis in das kalifornische Heim von Burt Bacharach. Ganz nebenher wurde sie zudem für zwei Brit-Awards nominiert, wurde durch die MOJO-Awards zum „Breakthrough Act“ erklärt, platzierte sich auf Platz 1 der US-iTunes-Charts und spielte sich von der Royal Albert Hall bis zur Pyramid Stage in Glastonbury. Berühmte Fans gab es einige, aber es war Elton John, der RUMERs Story auf den Punkt brachte: „Es ist großartig, eine Sängerin wie sie in England zu haben. So eine wie sie trifft man nicht alle Tage.“

Wie dem auch sei, in all dieser Euphorie gab es wenig Zeit für eine Bestandaufnahme, denn es war eine erschöpfende, aber auch belebende Periode der Aktivität. Aber nach allem war RUMER nicht bereit, sich einfach auszuruhen, und so verbrachte sie große Teile des Jahres 2011 damit, still und heimlich an einem neuen Studioprojekt zu arbeiten: Boys Don’t Cry.

 

Boys Don’t Cry ist eine Kollektion von weniger bekannten Songs aus den Siebzigern, die im Übrigen alle von Männern gesungen wurden. „Ich liebe Songwriter einfach“, erklärt RUMER. „Ich fühle mich eher wie ein Schauspieler oder ein Maler, wenn ich mich ihren Werken nähere. So, als würde ich den Charakter der Menschen dahinter suchen.“ Und die Gruppe der Persönlichkeiten auf dem Album ist durchaus bemerkenswert, reicht sie doch von Todd Rundgren, Townes van Zandt, Ronnie Lane & Ronnie Wood bis zu Tim Hardin. Selbst die besser bekannten Künstler - Leon Russell, Isaac Hayes, Bob Marley - haben fast vergessene Songs zu bieten, die es wiederzuentdecken und neu zu erfinden gilt. „Die Songs klingen am Ende nicht immer wie die Originale, aber sie sind emotionale Eindrücke von ihnen“, so RUMER, die mit Hilfe ihrer Intuition und einer Mischung aus Nähe und Distanz eine ganze Generation vergessener Songs in ein neues Licht stellt.

 

Aber auch wenn die bloße Spannbreite der Künstler, denen RUMER sich auf Boys Don’t Cry nähert, eine gewisse Trainspotter-Mentalität nahelegt, ist das Album wesentlich mehr geworden als eine bloße Respekt-Bekundung durch eine Sängerin. So sind die Songs immer mit einem Blick auf übergeordnete Themen ausgewählt worden, mit der Frage beginnend, was es eigentlich für eine Frau bedeutet, „maskuline“ Songs zu singen. „Ich wollte versuchen, mich in die männlichen Stimmen einzuleben, die mir zu Beginn so fremd vorkamen“, erklärt RUMER. Das wird vielleicht bei Neil Youngs A Man Needs A Maid besonders deutlich. Düpierte der Song zu seiner Zeit vielleicht die Feministinnen, klingt er heute eigentlich eher wie ein Ruf nach Liebe und Geborgenheit. „Für mich geht es darum, dass man nicht mehr für sich selbst sorgen kann, und damit kann ich mich identifizieren“, bestätigt RUMER. Ebenso überraschend ist RUMERs Zugriff auf Isaac Hayes‘ Soulsville, eine Ghetto-Hymne, die im Original vor dem Hintergrund der Entbehrungen in Harlem zu sehen ist und vor allem die Bürgerrechtsbewegung ansprach. „Der Song erinnert mich an Brixton, wo ich 14 Jahre gelebt habe. Und ich lebe da immer noch“, merkt RUMER an.  

 

Auch außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes zeigen sich die Songs auf Boys Don’t Cry zeitlos - und zeitgemäß. Schon der Albumtitel drückt RUMERs Art aus zu sagen. „Männer sind kompliziert und empfindsam, tatsächlich umso mehr, da die Gefühle oft verdeckt werden.“ Insofern ist es auch angemessen, dass die ursprünglichen Perspektiven unverändert bleiben. „In der Folkmusik erzählt der Geschichtenerzähler die Geschichte“, überlegt RUMER. „Und in der Tradition des Folk verändert man weder das Geschlecht noch die Perspektive der ethnischen Zugehörigkeit, nicht den historischen Kontext, nur damit es greifbarer wird. Eine Erzählung ist eine Erzählung.“

Trotz dieser Einsicht war RUMER nicht von jedem der Songs gleich auf Anhieb fasziniert. „Es war nicht immer unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Einige der Originale waren überproduziert, während andere vielleicht eine eigenartige Synthesizer-Linie hatten, die sie sehr in ihrer eigenen Zeit gefangen hielt, oder einen sehr trüben Gesang. Ich weiß selbst nicht, warum es mich so anzog. Die Schönheit und die Gefühle, die darin steckten, waren nicht immer offen zu erkennen.“

 

Die Sessions für Boys Don’t Cry, deren Anfänge sich bis in das Jahr 2007 zurückverfolgen lassen, intensivierten sich in den 18 Monaten, die der Veröffentlichung von Seasons Of My Soul folgten. Sämtliche freie Tage verbrachte RUMER im Studio, um ihr Konzept zum Leben zu erwecken. Und während der Prozess voranging, entdeckte RUMER, vielleicht sogar erwartungsgemäß, dass viele Songs auf dem Album wesentlich tiefere und persönlichere Echos warfen, als sie vermutet hatte. Clifford D. Wards Home Thoughts From Abroad und Paul Williams‘ Travelling Boy handelten beide „von dieser Idee, dass der Musiker sich weit weg von zuhause befindet, und in Andre Johray vereint sich sentimentale Rückschau mit dem frühen Ruhm.“ Andere Songs berühren den außerordentlichen Druck, der auf den vergangenen 18 Monaten lag. Townes Van Zandts Flying Shoes ist eine berührende Ode an das Bedürfnis zu fliehen, und in Be Nice To Me lamentiert Todd Rundgren darüber, „so sick of being had, by everyone who comes along“ zu sein. RUMER beschreibt die Auseinandersetzung mit den Songs, „als würde man in das Herz der Dunkelheit gehen. Ich habe am Anfang nicht gemerkt, wie sehr die Songauswahl unbewusst meine eigenen Gefühle der letzten 18 Monate ausdrückt.“

 

Boys Don’t Cry stellt eine Auswahl von Erzählungen dar, die von RUMERs außergewöhnlicher Stimme zusammengehalten wird und ein Fundament in den bewegten Geschichten findet, die sie in den vergangenen Jahren selbst durchlebte. „Ich sang zusammen mit Leon Russell bei den BBC Electric Proms im Oktober 2010“, so erinnert sie sich. „Ich erzählte ihm damals, wie sehr ich My Cricket liebe, und er antwortete mit seinem Südstaaten-Akzent: ‚Du bist die dritte Person, die mir das sagt. Der erste war Jerry Lee Lewis. Der zweite war Willie Nelson. Und jetzt du.‘“

 

Erntete Seasons Of My Soul schwindelerregende Vergleiche mit Karen Carpenter, wurde eine persönliche Nachricht von Richard Carpenter zum ultimativen Höhepunkt der Komplimente. Er erwähnt darin einen gemeinsamen Freund, der in höchsten Tönen von ihrem Album gesprochen hatte. „Wie Recht er hatte“, so schrieb Carpenter. „Du singst nicht nur wunderschön, sondern was du geschaffen hast, ist wirkliche Musik, etwas, was es in den vergangenen Jahren sehr selten gab. Die Tatsache, dass das Album auch ein Verkaufserfolg wurde, bestätigt mich, denn ich glaube fest daran, dass das Publikum positiv reagiert, wenn es Musik begegnet, die voller natürlicher Qualität steckt. Glückwunsch!“

 

Boys Don’t Cry erinnert an außergewöhnliche Persönlichkeiten, die in ihrer eigenen Zeit zwar hoch geschätzt wurden, für die aber eine Ehrung in jüngerer Zeit längst überfällig war. In RUMER haben sie einen ungewöhnliche Meisterin gefunden, deren Fans ihr erzählten, dass sie seit Jahren keine CD mehr gekauft hatten, oder - in anderen Fällen - niemals gedacht hätten, dass sie sich ein Album wie Seasons Of My Soul zulegen würden. Oder, wie ein Kritiker es ausdrückte: „Rumer macht den Mainstream zu einem ernstzunehmenden Ort, an dem man sich gut aufhalten kann.“ Für RUMER verstärkte die Aufmerksamkeit, die sie erlangte, das Bedürfnis, ihr lang gehegtes Projekt in die Welt zu bekommen: „Der Gedanke, dass Jimmy Webbs P.F. Sloan im Jahre 2012 vielleicht im Radio laufen wird, ist so cool.“

 

Es ist der mysteriöse P.F. Sloan selbst, der die wahre Bedeutung von Boys Don’t Cry erschließen lässt. Sloan war ein berühmter Songwriter in den Sechzigern. Er schrieb unter anderem Barry McGuires Eve Of Destruction und komponierte das Riff, das zu California Dreaming von den Mamas & The Papas wurde. Sloan warf das alles hin, um sein Material selbst zu singen und nahm ein Soloalbum auf, das sich überhaupt nicht verkaufte. Er verschwand schließlich in der Bedeutungslosigkeit und wurde nur durch Jimmy Webbs P.F. Sloan in Erinnerung behalten: Ein bittersüßer Tribut eines Songwriters an einen anderen, der den Preis des echten Künstlerdaseins zur Sprache brachte. „Es ist ein Song über die großen Songwriter, die in Vergessenheit geraten sind oder zu Nebenjobs in einer Musikindustrie getrieben wurden, die auf bloße Verkäufe abzielen“, resümiert RUMER. „Ich denke, PF Sloan fasst das ganze Album zusammen. Es geht darum, diesen Pfadfindern der Musik Respekt zu erweisen.

VÖ 25.5.2012 Warner Music

 

 

 Media Manager PR

Astrid Prochno – astrid.prochno@warnermusic.com