09.09.2013 08:24 Ein Strauß voller Talente

Musik: Marla Blumenblatt ist die Retro-Pop-Queen der Stunde! Leidenschaftlich authentisches Debüt "Immer die Boys"

Marla Blumenblatt ist die neue Retro-Pop-Queen

"Das Tanzen war mir generell nicht genug; ich wollte mich ausdrücken, ich wusste ja, dass ich etwas zu sagen hatte," so Blumenblatt. So ging sie zurück nach New York und nahm dort Gesangsunterricht. Bild 1-4: Marla Blumenblatt Quelle: Sony Music

Marla Blumenblatt ist voller Energie

Marla Blumenblatt ist sexy

Marla Blumenblatt ist erfrischend

Marla Blumenblatt veroeffentlicht ihr Debuetalbum Immer die Boys

Bild 5: Album "Immer die Boys" © Sony Music

Von: GFDK - Sony Music - 5 Bilder

Gerade noch ist sie als solotanzende Diva über die Bühnen von Paris und Las Vegas gewirbelt, jetzt ist sie die tollste Retro-Pop-Queen der Stunde: Marla Blumenblatt singt von heißen Boys und fruchtiger Eiskrem, von feuchten Gefühlen an sonnigen Tagen und einer rosa Badewanne im schattigen Hain, in welche sie gern sich ihre Lustknaben winkt, mit einer Geste, die keinen Widerspruch duldet.

Wollüstig schnarren die Ukulelen dazu, ein schnaufender Bass und ein hechelndes Schlagzeug liefern gemeinsam den Beat. Mit plinkernden Wimpern und wehendem Rock, mit juchzenden Huhus und konvulsivischem Kieksen kündet Marla Blumenblatt von Leidenschaften und Lüsten, am liebsten aber vom Glück des Verlassenwerdens - denn nur dann ist das Girl ja wieder frei für den nächsten Boy.

"Immer die Boys" heißt das Debütalbum von Marla Blumenblatt. Ihr Debüt als Künstlerin ist es freilich nicht, fast zehn Jahre hat sie zuvor schon getanzt. In Wien ist sie als Kind mazedonischer Eltern aufgewachsen, studierte zunächst klassisches Ballett, bis heute liebt sie auch die klassische Musik und die Oper: die große Geste, das Drama, die Leidenschaft, das hört man immer noch in ihrer Musik. Aber die Form ist ihr dann doch zu eng gewesen, das Repertoire ist zu klein, im Ballett gibt es nur Mädchenrollen, keine souveränen Frauen. Darum warf sie irgendwann alles hin, bekam ein Begabtenstipendium in New York und ging dann nach Paris.

Drei Tage war sie in der Stadt, da hatte sie schon ein Engagement im legendären Crazy Horse, für das sie wenig später auch in Las Vegas auf der Bühne stand. "Ich war ein Showgirl", sagt sie, "ich hatte alles erreicht, was ich wollte." Doch selbst die Solorollen, die sie schnell bekam, waren ihr nicht genug: "Das Tanzen war mir generell nicht genug; ich wollte mich ausdrücken, ich wusste ja, dass ich etwas zu sagen hatte." So ging sie zurück  nach New York und nahm dort Gesangsunterricht: nach der Method-Acting-Methode, den ganzen Körper benutzend und in Schwingung versetzend, ohne Rücksicht auf Vorbilder oder Dogmen, nur am besten und eigensten Ausdruck orientiert.

Und was soll man sagen: Was für ein Glück! Denn beim Singen entfaltet sie nun endlich alle ihre Talente: das Drama und die Körperlichkeit, die Ausdruckslust und den Perfektionswillen. Seit letztem Jahr lebt Marla Blumenblatt in Berlin, sie hat ein Team gefunden und ein Studio, hat fast ein Jahr mit dem Songschreiben und Arrangieren, dem Einspielen und Aufnehmen zugebracht.

Denn Marla Blumenblatt ist auch eine Perfektionistin: Mit ihrem Technikwissen blamiert sie jeden männlichen HiFi-Nerd mühelos. Wenn man sie lässt, redet sie stundenlang über antike Mikrofonmarken und den warmen Sound aus Röhrenverstärkern. Die Fünfzigerjahre-Musik, die sie so liebt – Connie Francis und Caterina Valente, aber auch Frank Sinatra, klassische Surf-Songs und den Rock'n'Roller und späteren James-Bond-Komponisten John Barry – hört sie am liebsten auf den Originalplatten. Sie hat eine große Schellacksammlung zuhause und ein Grammophon. "Man muss Musik doch bewusst hören", sagt sie, "diese schöne Umständlichkeit, dass man zum Grammophon geht und eine Platte auflegt und dann langsam die Nadel drauflegt – damit würdigt man einen Künstler am besten, der so viel Arbeit und Liebe und Leidenschaft in seine Musik gesteckt hat!"

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Selbstverständlich hat sie ihr Album auch nur mit dem authentischsten Vintage-Material aufgenommen – und alles in Mono! Aber das Tolle ist: "Immer die Boys" klingt dennoch total modern, nichts davon ist gestrig, alles erstrahlt im gleißendsten Licht der gegenwärtigsten Leidenschaft. Die Songs sind liebevoll detailreich und ornamental angerichtet und doch zugleich hinternkickend, hüftenbeschüttelnd und forsch, es gibt ein brünftig bollerndes Schlagzeug wie aus der Rock'n'Roll-Garage zu hören, aber auch lasziv gestopfte Trompeten, und zum "du-wi-dubi-du-ah" ihrer willig sich unterwerfenden Chor-Vasallen lässt Marla Blumenblatt auch schon mal eine Kuhglocke klötern wie in einem Chicago-House-Track.

Das Tollste aber ist, wie sie singt und was sie singt: doppeldeutig, erotisch, lasziv, aber niemals vulgär! Mal singt sie heiser mädchenhaft wie die junge Valente (wozu der krispe Mikrofonklang sein übriges tut), mal schwingt sie sich in ein helles Tremolo hinein; mal kichert und kiekst und gluckst und gurrt sie in ein und derselben Silbe, als könne sie kaum selber bannen, was da gerade aus ihr herausdrängt an unbändigster Lebensfreude und Lust. Zum Niederknien, wie sie "Boys" auf "heiß" reimt und "Vienna" auf "Renner"; herrlich, wie sie – keinen Widerspruch duldend – in ihren "Gartenpavillon" lädt, wo sie den Geliebten in einer rosa Badewanne zu empfangen geruht.
 
Spätestens an solchen Stellen hört man natürlich, dass auch die heitere Unschuld nur gespielt ist; unter der Oberfläche schlummert ein schlimmes Ding. Freut sie sich, wenn man Angst vor ihr hat? "Angst? Vor mir? Wie kommst Du denn darauf? Ich bin doch ein ganz liebes Mädchen!" Na klar, darum lässt sie sich auch am liebsten mit spitzen Vinylplattenscherben in der Hand fotografieren, die sie wie ein Messer hält.


Marla Blumenblatt ist es egal, ob ihre Hörer Angsthasen sind oder nicht: "Die Leute sollen Spaß haben! Und sie sollen tanzen! Am besten sollen sie auf den Tischen tanzen!" Hat sie einen Tanzstil, den sie bevorzugt? "Ach was, jeder Tanzstil ist recht. Hauptsache, die Leute schütteln, was sie haben!" Und dazu schüttelt sie so leidenschaftlich angsteinflößend keck und ebenso opern- wie ballett-, aber auch Crazy-Horse-haft ihren Oberkörper, dass man sich sofort mitschütteln möchte.