10.07.2014 08:15 Single I Wanna Get Better

Musik: Bleachers ist Soloprojekt des Fun-Gitarristen Jack Antonoff

Bleachers veroeffentlicht Album Strange Desire

"In den Texten geht es um dieselben Dinge, über die ich bei meiner früheren Band Steel Train geschrieben habe," so Jack Antonoff über sein neues Projekt Bleachers. © Sony Music

Bleachers mit neuer frischer Musik

Album "Strange Desire" © Sony Music

Von: GFDK - Peter Goebel

„Ich hatte eigentlich gar nicht vor, ein neues Projekt zu gründen. Aus heutiger Sicht betrachtet war es auch ein extrem ungünstiger Zeitpunkt, um überhaupt eine Platte zu machen, denn ich war gerade mit fun. auf Welt-Tournee. Andererseits fühlte ich mich sehr dazu hingezogen. Oft ging ich ins Studio, anstatt zu schlafen, auszuruhen oder zu essen, ob in Stockholm, in Malaysia oder in meinem Zimmer in Australien, buchstäblich überall auf der Welt. Als ich zwei Wochen Urlaub hatte, ging ich ins Studio nach New York oder Los Angeles und durchforstete die Sachen, die ich unterwegs gemacht hatte, nach interessanten Elementen und Müll.

Eines Tages wurde mir klar, dass ich ein komplettes Album fertig hatte, das rund um die Welt entstanden war. Meine Erfahrung mit Albumaufnahmen war eigentlich, dass man sich für zwei Wochen in ein Studio einschließt und das Album fertigmacht, und der Prozess dokumentiert den Moment. Die Aufnahmen für das Bleachers-Album hätten sich überhaupt nicht mehr davon unterscheiden können. Ich hatte ganz buchstäblich eine ziemlich weite Perspektive. Ich arbeitete in Südkorea an etwas, kam heim und dachte mir: ‚Das klingt, als hätte es jemand total gejetlegged um vier Uhr morgens in Südkorea aufgenommen. Aber dieser Gesangs-Teil ist ziemlich cool. Darauf kann man etwas aufbauen.‘  

Es kostete mich allerdings einen Augenblick, um den Rhythmus des Albums zu finden. Mich fasziniert die Ära, in der John Hughes seine klassischen Filme gedreht hat. Die Musik war einfach unglaublich – all diese epischen, kompromisslosen Popsongs, mit dieser unfassbaren Vordenker-Produktion. Ich wollte in eine Zeit zurückgehen, in der der hippste Scheiß auch der erfolgreichste Scheiß war. Ich trauerte meinen glücklichen Teenager-Zeiten hinterher, die ich in Wirklichkeit nie gehabt hatte.

Ich wuchs in New Jersey auf, ging dort auf die staatliche Highschool und wurde gemobbt, weil ich schwul war – dabei bin es überhaupt nicht. Doch so war das damals eben. Ich fühlte mich in dieser Zeit ziemlich isoliert. Ich denke, jeder verharrt auf die eine oder andere Art an einem Zeitpunkt in seiner Highschool-Zeit. Dies geschieht hoffentlich in einem Moment, in dem man sich wie ein Stück Müll fühlt, das sich und seiner Umwelt etwas beweisen und etwas erreichen will - und nicht in einem Augenblick, an dem man glaubt, der Allergrößte zu sein. Daher kommt auch der Name Bleachers. Er bringt für mich die Gefühle der damaligen Zeit auf Punkt – aber nicht im buchstäblichen Sinne. Ich weiß nicht warum, aber es ist für mich einfach so.    

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Ich wollte, dass Bleachers ein nostalgisches Element hat, dass einige der Emotionen schon fast ein bisschen John Hughes-esk rüberkommen. Aber ich wollte nicht, dass es ein Retro-Album wird. Es sollte komplett nach Zukunft klingen, aber dennoch jenen Moment abbilden, der mir so viel bedeutet. Zu diesem Zweck heuerte ich Produzent John Hill (MIA, Jay Z, Empire Of The Sun u.a.) an. Alles, was er tut, ist sehr modern. Er sucht immer nach neuen Techniken und Möglichkeiten, seine Arbeit zu differenzieren. Synthpop-Legende Vince Clarke von Depeche Mode, Yazoo und Erasure arbeitete an ein paar Sachen und sorgte für einen weiteren Bezug zu jener Zeitperiode, von der ich inspiriert war. Oder anders gesagt: Vince ist für ein einige der Alben verantwortlich, die mich überhaupt erst auf die Idee brachten, Bleachers zu machen. Wenn du Menschen arbeiten kannst, die dich inspirieren, wird der Kreis geschlossen.  

In den Texten geht es um dieselben Dinge, über die ich bei meiner früheren Band Steel Train geschrieben habe. Ein Thema ist der Tod meiner Schwester, als ich achtzehn Jahre alt war. Dieses Ereignis hat mein gesamtes Dasein grundlegend verändert. Das war kurz nach 9/11. Wie bei den meisten von uns hinterließ der Tag heftige Spuren. Dann wurde mein Cousin im Irakkrieg getötet. All diese Dinge so kurz hintereinander erleben zu müssen, bedeutete das Ende der unschuldigen Zeit in meinem Leben. Ich habe in der Folgezeit so viel durchgemacht, dass ich eine heftige Panikstörung entwickelt habe. Ich hatte eine wirklich harte Zeit, bevor ich wieder halbwegs auf meinen Weg zurück fand. Doch offensichtlich nimmt es einen großen Platz in mir ein. Als Folge davon handeln die Songs generell von Verlust und dem Versuch, die Sache wieder in den Griff zu bekommen und mit dem Leben fortzufahren, ohne zu viel Ballast mit sich herum zu schleppen. Aber auch wenn die Texte recht finster sein können, münden sie doch immer in etwas Positivem. Es sind nicht die Momente, in denen ich ‚Fuck it all‘ denke, die mich dazu antreiben, Musik zu machen. Es ist das Gefühl, wenn man um zwei Uhr morgens heimfährt und einen Weg gefunden hat, wie man das Leben bewältigt, das sich in meiner Musik manifestiert.“

Album-Veröffentlichung: 15.08.2014

 


PRESSE PETER

Peter Goebel

M: goebel@presse-peter.de

Weiterführende Links:
http://www.bleachersmusic.com/