01.10.2014 08:30 Opulentes Folkpop-Album

Musée Mécanique sind mit ihrem neuen Album "From Shores Of Sleep" beseelt von ungeheurer Sehnsucht

Musee Mecaniqu veroeffentlichen neues Album From Shores of Sleep

Die Welt wird nicht an einem Tag umsegelt und so braucht auch dieses Album eine gewisse Zeit um seine volle Wirkung zu entfalten. Album "From Shores of Sleep" © Indigo

Von: GFDK - Starkult

Die Legende will es, dass die Mitglieder von Musée Mécanique diese Inschrift auf einem überwucherten Friedhof in Cape Cod an der Küste Neu-Englands lasen und in diesen einfachen Zeilen die anhaltende Inspiration für die Arbeit an ihrem zweiten Album fanden. Und so sind die Songs auf FROM SHORES OF SLEEP beseelt von der ungeheuren Sehnsucht, wie sie eigentlich nur Seefahrer kennen: von Abenteuerlust, den Geschichten von Weltreisen, der Hoffnung von Land „auf der anderen Seite“ und der Euphorie überstandener Schlachten mit Naturgewalten. Kurz: dem ganzen, großen Drama des offenen Meeres.

Die Welt wird nicht an einem Tag umsegelt und so braucht auch dieses Album eine gewisse Zeit um seine volle Wirkung zu entfalten. Auch der Hörer muss für FROM SHORES OF SLEEP zunächst eine kleine Reise auf sich nehmen. Dennoch: Der Lohn ist groß. Was aufs erste Hören „nur“ wie ein hochambitioniertes und opulentes Folkpop-Album wirkt, offenbart nach einiger Zeit eine faszinierende musikalische Land- oder vielmehr Seekarte, ein Mosaik aus tausend kleinen Geschichten, aus hunderten Orten dieser und anderer Welten.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Musée Mécanique fordern ihre Hörer mit FROM SHORES OF SLEEP und vielleicht sind sie damit ein wenig aus der Zeit gefallen. Tatsächlich ist es aber die große Stärke dieses Albums: Dass es zeitlich oder gar geographisch nicht zu verorten ist und dies dem Werk auch gar nicht gerecht würde. FROM SHORES OF SLEEP funktioniert nicht wie ein simpler Reisebericht, eher wie ein fiktiver Abenteuerroman, vielleicht sogar wie ein Märchen. Dabei haben die Autoren, Musée Mécanique, die Orte, an die sie ihre Hörer mitnehmen, womöglich nie gesehen. Ihre Welten sind erschaffen,  vom Schreibtisch aus, mit Blick auf eben jenes weite, alles versprechende Meer. Vielleicht wie Karl May, vielleicht wie Claude Debussy, der sich von „Exotik“, wie sie auf der Pariser Weltausstellung präsentiert wurde, inspirieren ließ.

Doch eine blutleere Kopfgeburt haben Musée Mécanique keinesfalls geschaffen. Ihre ungeheure Kunstfertigkeit, mit der sie all das Seemannsgarn, die Folklore und menschliche Tragödie zu ihrem ganz eigenen musikalischen Vokabular verweben, verleiht den Songs ihre Tiefe und haucht ihnen ein neues Leben ein. Oft weiß man nicht, was man da eigentlich hört. Ein echtes Orchester oder Synthesizerklänge? Sitzen wir in einem Strandcafé in Südfrankreich, in der Vorstellung eines Disney-Klassikers oder im Zauberwald selbst? Aus einem Reisebericht wird Literatur, aus Weltmusik große Kunst. Eine, die in ihrem Selbstverständnis tatsächlich gar nicht so weit von romantischer oder impressionistischer Programmmusik eines Debussy entfernt ist.

Diese perfektionistische, aber auch spielerische Kunstfertigkeit und Opulenz ruft fast automatisch auch eine andere Referenzgröße auf den Plan. Denn mit Brian Wilson und den Beach Boys haben Musée Mécanique weit mehr gemeinsam als ihren thematischen Ankerpunkt des nassen Elements. Neben eindeutigen musikalischen Referenzen ist es der zutiefst sympathische Größenwahn, der sie antreibt. Die Ereignisdichte und Klangfülle auf diesem Album ist atemberaubend. Jedoch ist die Motivation niemals progressives Muckertum oder die Angst vor dem leeren Raum. Jeder bewusst gesetzte Farbtupfer, jeder kleine Schlag auf das Glockenspiel steht allein im Dienste der erzählten Geschichte und der – pardon – Schönheit. Musée Mécanique malen ihre Bilder eher in Sepia, als in den quietschbunten Farben Wilsons. Man könnte auch sagen, sie gehen mit ihren Dämonen etwas offener um als er. MM sind von den sonnigen kalifornischen Stränden an die etwas raueren Küsten Oregons gezogen. Die Beach Boys haben Surfbretter, MM haben einen Büchereiausweis. Anzutreffen sind sie in der Reihe Hemingway bis Melville, vielleicht auch Andersen bis Verne.

Also: Schenken Sie diesem Album Zeit und Aufmerksamkeit. Es revanchiert sich mit tausend Details und hunderten von Welten verpackt in zehn Song-Geschichten. Mit dem fantasievollsten, opulentesten, ambitioniertesten und schlichtweg, denn so ist es nun einmal, „schönsten“ Hörerlebnis, das Sie seit langem hatten. Herzlichen Dank!  - (Konstantin Gropper)

 

 

Jörg Timp & die Starkult Crew
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http://museemecanique.net