25.09.2014 08:15 Goßes Rap-Talent

Black M ist mit dem No. 1 Hit „Sur Ma Route“ einer der Newcomer aus der französichen Rap-Szene

Black M ist Rapper aus Frankreich

Ich habe keinen Rap, sondern Dancehall gemacht und jamaikanische Musik von Capleton, Sizzla und Vibz Cartel sowie Nèg’ Marrons aus Frankreich gehört. Black M, Bild 1 + 2 © Fifou

Black M veroeffentlicht neues Album

Album Les Yeux Plus Gros Que le Monde

Album "Les Yeux Plus Gros Que le Monde" © Sony Music

Von: GFDK - Julia Bergold

Nach drei äußerst erfolgreichen Jahren, ausverkauften Konzerthallen und unzähligen Platin-Auszeichnungen können Sexion D’Assaut zu recht behaupten, die französische Rap-Szene nachhaltig verändert zu haben. Trotzdem haben die MCs keinesfalls vor, sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zu verabschieden. Nach Maître Gims betritt nun Black M die Bühne – nicht wie jemand, der sich bereits auf erobertem Territorium wähnt, sondern wie ein Rapper, der sich seiner Stärke zwar bewusst ist, sich aber dennoch erst beweisen muss. „Bevor ich zu Sexion stieß, war ich bereits als Solokünstler unterwegs.

Ich habe keinen Rap, sondern Dancehall gemacht und jamaikanische Musik von Capleton, Sizzla und Vibz Cartel sowie Nèg’ Marrons aus Frankreich gehört. Wir haben von Anfang an gesagt, dass jeder von uns irgendwann ein eigenes Album herausbringen kann. Gims war der Erste, und wir haben beschlossen, dass ich der Nächste sein soll“, erklärt Alpha Diallo, alias Black Mesrimes, der sich meistens einfach nur Black M nennt.

Mit Les Yeux Plus Gros Que Le Monde hat Black M, der ein wichtiger Bestandteil von Sexion und eine echte Stimmungskanone ist, ein vielseitiges Album herausgebracht, das den Spagat zwischen massentauglichen Hits und technischen Titeln für echte Kenner schafft. Als Liebhaber von „kräftigen Beats mit pochenden Bässen“ hat sich Black M seine Produzenten sorgfältig ausgesucht: Stan-E und Renaud Rebillaud, die schon oft mit Sexion zusammengearbeitet haben, sowie Skalp. „Die meisten Melodien entstehen in meinem Kopf. Ich habe Gims’ Methode übernommen: Ich spreche meine Ideen auf mein Smartphone und gebe sie dem Komponisten, der dann ein Instrument aussucht. Ich sage ja oder nein, er reagiert darauf, und langsam nimmt das Stück Form an.“ Mit Hilfe dieser Arbeitsweise entstand nun ein Meisterwerk aus insgesamt 19 Titeln.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Bereits mit dem Intro und „Ailleurs“, der ersten ausgekoppelten Single des Albums, betritt man die Welt von Black M, einem Rapper, der seine Fans nicht mit Punchlines, sondern seinen sogenannten „Blacklines“ in den Bann zieht. „Ich habe meine ganz eigenen Punchs – die Art wie ich meine Reime baue, mich ausdrücke, sage was passiert und kommentiere.“

Nach „Spectateur“ (der Clip dazu wurde von Leila Sy realisiert), in dem Black M die Rolle des desillusionierten Beobachters einnimmt, folgt „Mme Pavoshko“ , ein Song, der enormes Hit-Potential hat und einer Vertrauenslehrerin gewidmet ist, die dem zukünftigen Rapper stets gesagt hat, dass er mit seiner Musik nie irgendetwas erreichen werde. Im Videoclip zu diesem generationenübergreifenden Track kehrt Black M in seine alte Schule zurück. „Diesen Song habe ich allen Lehrern gewidmet, die immer gesagt haben, dass ich es nie zu etwas bringen werde. Ich bin sehr stolz auf dieses Stück und habe das Gefühl, dass es vielen Menschen aus der Seele sprechen wird: Mal abgesehen von Strebern ist bestimmt jeder schon einmal so einer Lehrerin begegnet.“

„Jessica“ erzählt die Geschichte eines verrückten Groupies, das Black M überall hin folgt. Zu dem Song inspiriert haben ihn „Stan“ von Eminem, der berühmte Film Misery und seine eigenen Marotten. „Je Ne Dirai Rien“ handelt von einigen weiblichen Fans, die sich an Bands heranmachen, sobald diese berühmt sind. „Man sieht, wohin das gelegentlich führen kann. Ich wollte damit das ausdrücken, was ich denke: ‚Du liebst es dich hübsch zu machen, du liebst es in der Nacht zu glitzern, du liebst es Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen’. Ich habe Shin Sekai dazugeholt, um dem Song eine melodiöse Seite zu geben, und Doomams, weil er zu diesem Thema viel zu sagen hat. Früher, als wir noch nicht bekannt waren, haben sich die Mädels nicht wirklich für uns interessiert. Das hat sich schlagartig geändert, als wir plötzlich berühmt waren. Mein Gesicht hat sich abgesehen von ein paar Falten mit den Jahren nicht verändert, aber vor unserem Erfolg war ich kein sehr hübscher Kerl. Es ist das Fernsehen, das schön macht.“

Was dieses Album so gut macht, ist seine melodische und thematische Vielfalt: Black M gelingt es, einen emotionalen Text über gesellschaftliche Unterschiede und Diskriminierung wie „Le Regard Des Gens“ mit Reggae-Rhythmen zu unterlegen und gleich darauf ein Electro-Twerk-Tribal wie „Casse Pas Ton Dos“ hinterherzuschieben. Keine vulgäre Sprache, keine Zugeständnisse an Trends, nur einige Seitenhiebe gegen die sogenannten Puristen, die finden, dass Rapper keinen kommerziellen Erfolg haben dürfen. „Es überrascht mich immer wieder, wie schnell ein Purist seine Meinung ändern kann. Am Anfang mag er uns. Wir haben uns nicht verändert, wir singen seit unseren Anfängen, unsere Songs sind melodisch. Aber sobald man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist der Purist nicht mehr zufrieden. Er unterstützt uns, er möchte, dass wir den Durchbruch schaffen, aber sobald das der Fall ist, wendet er sich ab. Ich verstehe diese Einstellung nicht...“

Black M ist ein echter Kenner des französischen Raps, er zitiert Nakk in seinen Texten und übernimmt den Slogan von Ministère Ämer „Le savoir est une arme“. „Diejenigen, die sagen, dass der Rap früher besser war, haben Unrecht – zumindest wenn es um die musikalische Seite geht, denn heute ist Rap viel angenehmer anzuhören. Das ist pure Nostalgie. Sogar mir rutscht das ab und zu raus!“, erklärt Black M lachend. Diese große Diskrepanz zwischen früher und heute, zwischen Nostalgie und Avantgarde, ist Black M durchaus bewusst, er macht sie sogar zu seinem Markenzeichen.

„Ich habe nach einem zugkräftigen Titel für das Album gesucht und irgendwann fiel mir

‚L’Eternel Insatisfait’ (Der ewig Unzufriedene) ein. Das klang aber irgendwie zu sehr nach einem großen, flennenden Jungen. Ich weiß, dass ich bei Sexion derjenige bin, der beim Rappen seine Augen weit aufreißt und immer ein bisschen übermütig ist. Dawala hat dann den Ausdruck ‚Les yeux plus gros que le ventre’ (Die Augen sind größer als der Bauch) vorgeschlagen. Aber ich fand ‚Plus gros que le monde’ (Größer als die Welt) besser, das klang nach mehr. Ich habe mir das im Kopf vorgestellt und plötzlich tauchte das Cover von Dangerous auf. Für mich ist das eine sehr schöne Anspielung. Ich bin totaler Michael Jackson-Fan, liebe dieses Cover, und sein Konzept passte gut zu meinem eigenen. Es zeigt meine Sicht auf die Welt, und das trifft es ganz gut.“

Black M liebt es, mit seinen Reimen zu spielen, seine neuen Songs mit der Öffentlichkeit zu teilen und wieder solo zu rappen. Er macht das mit der Genussfreudigkeit eines Kindes und dem Talent eines großen Künstlers – das ist Black M in Bestform.

 

 

Julia Bergold
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