18.04.2014 08:10 Verleihung am 22. Mai 2014

Rudresh Mahanthappa wird für Album "Gamak" mit dem ECHO Jazz als "Ensemble des Jahres international" geehrt

Rudresh Mahanthappa veroeffentlicht sein Album Gamak

„Für mich stellt er einen universellen Begriff dar, wie man an Melodien zugleich als Komponist wie als Improvisator herangehen kann,“ so Rudresh Mahanthappa über den Titelalbum. © ACT / Jimmy Katz

Rudresh Mahanthappa ist ein erfolgreicher Jazzsaxophonist

Album "Gamak" © ACT

Von: GFDK - ACT

„Ich strebe danach, dass jedes meiner Alben eine neue, andere Erforschung der Bedeutung und Bewegungsbahn der globalisierten Gesellschaft sein soll“, sagt Rudresh Mahanthappa. Ein enormer Anspruch, den der Altsaxophonist aber einlöst wie wenige. Im vergangenen Jahrzehnt war er - zusammen mit seinem ACT-Kollegen, Duopartner und gleichfalls indisch-stämmigen Pianisten Vijay Iyer – vielleicht die Entdeckung der amerikanischen Jazzszene.

Spätestens mit seinem 2011 erschienenen ACT-Debüt „Samdhi“ hat sich Mahanthappa als wegweisende Größe etabliert: Nachdem er zuvor noch in den wichtigsten Kritikerumfragen als „Rising Star“ ausgezeichnet wurde, wählte ihn nicht nur die amerikanische Jazz Journalists Association 2011 zum „Altsaxophonist des Jahres“, sondern vor allem auch das renommierte DownBeat-Magazin in den Jahren 2011 und 2012. Das wohl entscheidende Argument dafür war auf „Samdhi“ klarer denn je zu hören: Mahanthappa klingt wie kein anderer Saxophonist.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

„Wie er die extrem versetzten, schwierigen Raga-Rhythmen mit Jazz-Synkopierungen und seriellen Mustern, die chromatischen Ornamente orientalischer Prägung mit weichen Blues- und harten Funk-Färbungen und die indische Motivik mit modalem Freejazz kombiniert, das hat eine neue, in der Musikgeschichte bislang unbekannte Qualität“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Eine Qualität, die sich der ganz amerikanisch in Boulder, Colorado, aufgewachsene 42-Jährige lange und gründlich erarbeitet hat, seitdem er während des Studiums in Berklee die karnatische Musik seiner Ahnen entdeckte und mit der Welt in Beziehung setzte, in der er aufgewachsen und musikalisch etwa bei Steve Coleman oder dem Kollektiv M-Base sozialisiert worden war.

Seitdem hat Mahanthappa tatsächlich mit jedem Album ein neues Kapitel dessen aufgeschlagen, was er selbst so formuliert: „Musik, die Kategorien verneint und die sehr genau in die Zeit passt, in der wir leben.“ Sein neues ACT-Album „Gamak“ macht da keine Ausnahme. Der Titel kommt – wie schon Samdhi – aus dem Süd-Indischen: „Gamaka“ ist dort ein Ausdruck für melodische Ornamentik - also eines der zentralen Themen Mahanthappas: „Für mich stellt er einen universellen Begriff dar, wie man an Melodien zugleich als Komponist wie als Improvisator herangehen kann.“ In der Tat sind die Möglichkeiten grenzenlos, die diese Strukturen ihm quasi als spieltechnisches wie als Klang-Arrangement eröffnen.

Schon das Eröffnungsstück „Waiting Is Forbidden“ wirkt in dieser Hinsicht wie ein Fanal: Es ist fast schon ein Kompendium, wie man westliche Stilistik von der Klassik bis zum Freejazz mit den rhythmischen und harmonischen, vor allem aber mit den klangfarblichen Verzierungen der indischen Musik auffüllen und neu definieren kann. Von Miniaturen wie „Stay I“, „F“ oder „Copernicus 19“ über ausführlich umspielte Ideen wie bei „Are There Clouds In India?“ oder „Ballad For Troubled Times“ bis zu lang gezogenen, band-dynamischen und mit überraschenden Wendungen gespickten Stücken wie „Lots Of Interests“ (der Name ist Programm) oder „Wrathful Wisdom“ - es gibt auf „Gamak“ kaum einen avancierten Musikstil, den Mahanthappa nicht befruchtend einbauen würde: Von Country und Folk über Progressive Rock oder Heavy Metal bis zu Ambient. Und natürlich ist wie gewohnt eine Menge ganz klassischer Jazz dabei.

Weiter denn je wirkt Mahanthappas Spektrum, nicht zuletzt dank der Änderung der Versuchsanordnung: Anders als beim stark von Elektronik einerseits, von indischer Perkussion andererseits geprägten Samdhi vertraute Mahanthappa diesmal mit François Moutin am Kontrabass und Dan Weiss am Schlagzeug wieder der klassischen akustischen Konstellation seines Codebook-Projektes aus dem Jahre 2006, das in gewisser Weise bis heute der Steinbruch für seine Klangbildhauerei ist.

Dazu stößt der E-Gitarrist David Fiuczynski, der in der jüngsten Zeit mit Mahanthappa im Jack DeJohnette Trio spielte, und für „Gamak“ die vielleicht wichtigste Inspirationsquelle war. „Ich habe so eine wundervolle musikalische Beziehung mit ihm aufgebaut, dass ich bei den meisten Kompositionen ihn im Hinterkopf hatte. Er hat dem Sound meines Quartetts neues Leben eingehaucht“, findet Mahanthappa. In der Tat ergänzen sich der die beiden stets Erfinderischen perfekt. Auch Fiuczynski erweist sich als Meister der Verschmelzung, der „alles in sein Spiel amalgamiert, Jimi Hendrix und John McLaughlin, Jazz und Punk und New Wave, und Stockhausen ist auch dabei“, wie die FAZ unlängst über ihn schrieb. Und so passt alles an diesen Quartett und seiner Musik so gut zusammen, dass für Mahanthappa eine erneute Titelverteidigung in Sachen „Altsaxophonist des Jahres“ mehr als wahrscheinlich ist.

 

 

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