06.11.2012 07:55 Blues, der unter die Haut geht

Musik: Pete Alderton demonstriert auf "Cover your Blues" gekonnt die Zeitlosigkeit der Bluesmusik - Ohrenkino!

Musik: Pete Alderton demonstriert auf "Cover your Blues" gekonnt die Zeitlosigkeit der Bluesmusik - Ohrenkino!

Bild 1-3: Pete Alderton © Ozella Music

Bild 4: Album "Cover my Blues" © Ozella Music

Von: GFDK - Dagobert Böhm - 4 Bilder

Es gibt tendenziell zwei Arten von Coverversionen. Die einen versuchen, die Musik modischen Trends anzupassen, produzieren eine Version mit allerlei Schnick Schnack und verursachen höchstens eine intensive Suche nach dem Original. Die andere Möglichkeit ist gekennzeichnet von dem Respekt gegenüber den Komponisten und gibt der Komposition durch die Interpreten Charakterzüge, die die Freude an der Musik noch einmal steigert. Eindeutig in die letztere Kategorie gehört Pete Aldertons "Cover My Blues".

Was der der Wahlpaderborner mit britisch-amerikanischen Wurzeln hier unter der Regie von Carsten Mentzel auf CD gebracht hat, ist Blues vom Feinsten. Bereits auf seinem Debüt-Album "Living On Love" war es Aldertons rauchige und dennoch klare Stimme, die den Blues so richtig unter die Haut gehen ließ. Mit der Interpretation der Blues Klassiker beweist er, dass er zu den ganz großen Stimmen des zeitgenössischen Blues gehört.

Dass der Blues wie keine andere Musik die verschiedenen Nuancen von Traurigkeit repräsentieren kann, führt Pete Alderton in dieser Produktion mit einer Stilsicherheit vor, die ihres gleichen sucht. Mit Robert Johnsons "Walking Blues" taucht man direkt in das Feeling am Missisippi der 30er Jahre ein. Über "Help Me" geht es nach "Sweet Georgia". Dann verlassen die Musiker um Pete Alderton die USA für einen Abstecher ins United Kingdom und machen vor, wie man auch dem Song eines aktuellen schottischen Liedermachers -hier Paul Joses- den Blues einhauchen kann. 'Don't Give A Damn' fügt sich nahtlos in den Mix der 'Klassiker' ein und klingt einfach nur stimmig.

Auch beim jazzigen "Fever" und dem pulsierend groovenden "Ain´t No Sunshine" ist der Griff nach der Repeat Taste des Players schon fast reflexartig. "Little Red Rooster" wird auch schon mal als 'Rolling Stones Klassiker' bezeichnet. Die Fassung von Pete Alderton ist aber eher eine Homage an den Komponisten des Liedes Willie Dixon, der den Chicago Blues der 50er maßgeblich prägte. An dieser Stelle sei auch ein erster Gastmusiker lobend erwähnt. Wie Udo Timmermeister in "Little Red Rooster" die Slide-Gitarre spielt - das ist Blues in Reinform.

Mit "Running For Cover (Cover My Blues)" fügt sich eine Komposition des Produzenten Carsten Mentzel in den Reigen der Bluesgiganten ein und wird von Gastsaxophonist Richard Köhler mit feinen Klangfarben versehen.

Bei "Summertime" von George Gershwin fügt der israelische Gitarrist Michel Sajrawy einen spritzer Arabic-Jazz in die Blues-Produktion ein. Willie Dixons "I´m Your Hoochie Coochie Man" lasse ich Sie selbst entdecken - eine Version, die in dieser Form zuvor noch nie zu hören war - soviel ist sicher!

Eine bluesige Verneigung vor John Lennon hören wir mit der treibenden Version von "Cold Turkey" und die Produktion schließt mit der wunderschönen Titelballade: "Cover my blues", einer Pete Alderton/Dagobert Böhm Komposition.

Wer auch nur eine leise Ahnung vom Blues hat, kennt sicher das ein oder andere Stück auf dieser CD und wird sich neu in diese Musik verlieben. Dies ist der Stimme von Pete Alderton ebenso zu verdanken, wie den Arrangements von Carsten Mentzel, der auch Tasten- und Saiteninstrumente bedient. Das Schlagzeug, gespielt von Michel Roggenland und Philip Carniel verleiht den Liedern zusammen mit dem Bass von Gerold Kukulenz ein sicheres rhythmisches Rückgrat, wie es sich ein Blues-Sänger nicht besser wünschen kann. Wer vielleicht schon die meisten Originale in seinem Plattenschrank stehen hat, kann allerdings ebenso wenig an dieser Produktion vorbei, da wir hier eine Interpretation der Lieder finden, die eindringlich die Zeitlosigkeit der Bluesmusik vorführt, in einer Art, die man nicht anders, denn als Hörgenuss bezeichnen kann.

....Absolutes Ohren-Kino!

 

Dagobert Böhm

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