17.01.2013 07:50 Als Maria Callas zur Legende wurde

Musik Klassik: Vier Live-Mitschnitte zum Verdi-Jahr 2013

Musik Klassik: Vier Live-Mitschnitte zum Verdi-Jahr 2013

Bild 1: Maria Callas © Fabien Cevallos

Bild 2+3: Maria Callas © Erio Piccagliani

Von: GFDK - EMI Music - 3 Bilder

Maria Callas, die Primadonna assoluta des 20. Jahrhunderts, führte von keinem Komponisten mehr Rollen in ihrem großen Repertoire als von Verdi. Ihre leidenschaftlichen Portraits seiner hochdramatischen Frauenrollen setzen noch immer Maßstäbe. EMI Classics veröffentlicht nun zum Verdi-Jahr gleich vier Live-Mitschnitte in einer Box.

In den Aufnahmen zeigt die Sängerin ihre ganze Palette emotionaler Kraft, es sind Momente, in denen sie an der Seite berühmter Kollegen zur unsterblichen Opernlegende wurde. Die Aufnahmen aus den 50er Jahren sind Mitschnitte legendärer Aufführungen aus hochkarätigen Opernhäusern: La Traviata und Un Ballo in maschera, Macbeth unter der Stabführung von Victor de Sabata, Carlo Maria Giulini und Gianandrea Gavanezzi stammen aus der Mailänder Scala, die monumentale Aida unter Oliviero de Fabritiis aus dem Opernhaus von Mexico City.


Biographie:


1923    
2. Dezember: Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulos wird in New York geboren. Ihre Eltern, George und Evangelia Kalogeropoulos, waren im August 1923 von Griechenland nach Long Island, New York, ausgewandert.

1929    
George Kalogeropoulos eröffnet eine Apotheke in einem griechischen Viertel von Manhattan und ändert den Familiennamen auf Callas.

1932    
Maria erhält ihre ersten Klavierstunden. Sie wird später in der Lage sein, alle ihre Rollen ohne die Hilfe eines Korrepetitors einzustudieren.

1937    
Die Eltern Callas trennen sich. Evangelia kehrt mit ihren zwei Töchtern nach Griechenland zurück und ändert den Familiennamen wieder auf Kalogeropoulos.

1938    
Maria Kalogeropoulos wird ans Nationalkonservatorium in Athen aufgenommen, obwohl sie das vorgeschriebene Mindestalter von 16 Jahren noch nicht erreicht hat, und beginnt ihr Studium bei Maria Trivella.
11. April: Erster öffentlicher Auftritt bei einem Konzert mit Studienkollegen.

1939    
2. April: Maria gibt ihr Bühnendebüt als Santuzza in einer Studentenaufführung von Cavalleria rusticana und gewinnt den Preis des Konservatoriums. Elvira de Hidalgo wird Marias Lehrerin am Konservatorium und konzentriert sich auf die Koloraturausbildung.

1940    
21. Oktober: Erstes Engagement bei einer Musiktheatergruppe, für die sie Lieder in Shakespeares Der Kaufmann von Venedig am Königlichen Theater in Athen singt.

1941    
21. Januar: Professionelles Operndebüt als Beatrice in Boccacio im Palas-Kino für dieselbe Musiktheatergruppe, für die sie während der nächsten vier Jahre auch in Tosca, Tiefland, Cavalleria rusticana, Fidelio und  Der Bettelstudent singen wird.

1942
27. August: Maria singt zum ersten Mal Tosca – auf griechisch - in einer Aufführung beim Sommertheater im Park, Klafthmonos-Platz.

1944    
Die deutschen Besatzungstruppen verlieren die Kontrolle über Griechenland, und die britische Flotte trifft in Piräus ein. Maria Kalogeropoulos beschließt, in die USA zurückzukehren und ihren Vater zu suchen.

1945     
3. August: Sie gibt ein „Abschiedskonzert“ in Athen, ihr erstes Solistenkonzert, um ihre Reise in die USA zu finanzieren.
September: Rückkehr in die USA, wo sie wieder den Namen Callas annimmt.
Dezember: Sie singt an der Metropolitan Opera vor, erhält jedoch kein Engagament.

1946    
Sie versucht vergeblich, Arbeit zu finden, setzt jedoch ihre anstrengenden Stimmübungen fort, um ihre Technik zu vervollkommnen. Sie lernt den Agenten Eddie Bagarozy kennen und nimmt für Januar 1947 ein Engagement für Turandot in Chicago an. Bagarozy und Ottavio Scotto, ein italienischer Impresario, gründen dafür eine neue Operntruppe mit gefeierten europäischen Sängern.

1947    
Januar: Die Chicagoer Truppe geht ein paar Tage vor ihrer ersten geplanten Vorstellung in Konkurs. Der italienische Baß Nicola Rossi-Lemeni, ebenfalls ein Mitglied der Truppe, macht Callas mit Giovanni Zanatello bekannt, der sich in den USA aufhält, um Sänger für das Opernfestival in Verona, dessen künstlerischer Leiter er ist, zu finden. Er engagiert Callas für La Gioconda in diesem Sommer.
27. Juni: Callas trifft in Neapel ein und fährt am nächsten Tag nach Verona, um mit den Proben zu beginnen. Ein paar Tage später lernt sie Giovanni Battista Meneghini kennen, einen wohlhabenden italienischen Industriellen und Opernliebhaber.
2. August: Italienisches Debüt in der Arena von Verona als La Gioconda unter der Leitung von Tullio Serafin. Die Aufführungen sind zwar relativ erfolgreich, aber Callas hinterläßt keinen besonderen Eindruck, und die erwarteten Angebote für weitere Engagements bleiben aus.
30. Dezember: Sie singt Isolde (auf italienisch) unter Serafin am Teatro de la Fenice in Venedig, was zu weiteren Engagements in Italien, hauptsächlich in Turandot führt.

1948    
30. November: In Florenz singt Callas zum ersten Mal Norma – eine Rolle, die sie während ihrer Laufbahn schließlich öfter als jede andere verkörpern wird.

1949    
19. Januar: Nachdem sie gerade elf Tage vorher zum ersten Mal Brünnhilde in Die Walküre gesungen hatte, springt Callas auf Drängen Serafins für die indisponierte Margherita Carosio als Elvira in I puritani am La Fenice ein. Dies ist der Wendepunkt ihrer Karriere und der Beginn ihres Engagements bei der Rehabilitierung des italienischen Belcanto-Repertoires.
21. April: Eheschließung mit Meneghini in Verona und abends Abreise nach Argentinien, um am Theatro Colon in Buenos Aires zu singen.
Während der nächsten zwei Jahre baut Callas mit Unterstützung Meneghinis als Ehemann und Manager ihre Karriere in Italien und im Ausland aus.

1951    
7. Dezember: Callas eröffnet die Spielzeit an der Mailänder Scala in I vespri siciliani zu großem Beifall. Während der folgenden sieben Jahre wird La Scala der Schauplatz ihrer größten Triumphe in den unterschiedlichsten Rollen sein.

1952    
29. Juli: Callas unterzeichnet einen Plattenvertrag mit EMI.

1953    
Februar: Die erste kommerzielle Einspielung für EMI, Lucia di Lammermoor, entsteht in Florenz. Später in diesem Jahr beginnt Callas eine Reihe vollständiger Opernaufnahmen an der Scala. Die ersten eingespielten Opern sind I puritani und Cavalleria rusticana mit Serafin sowie die berühmte, von Victor de Sabata dirigierte Tosca.

1954    
Innerhalb kurzer Zeit nimmt Callas 30 Kilo ab, und ihre Figur verändert sich dramatisch. Sie spielt weitere vier Opern an der Scala vollständig ein und nimmt in London ihre ersten zwei Soloplatten auf.
November: Sie kehrt in die USA zurück, um in Chicago Norma, La Traviata und Lucia di Lammermoor zu singen.
Dezember: Sie eröffnet die Saison an der Scala in La vestale, wobei sie zum ersten Mal mit dem Theater- und Filmregisseur Luchino Visconti arbeitet.

1956    
29. Oktober: Debüt an der Metropolitan Opera in New York mit Norma, gefolgt von Tosca und Lucia.

1957    
September: Elsa Maxwell, die amerikanische High-Society-Gastgeberin, macht die Meneghinis auf einer Party mit dem griechischen Schiffsmagnaten Aristoteles Onassis bekannt.

1958    
2. Januar: Bei einer Galavorstellung von Norma in Rom, der der italienische Präsident und alles, was in Rom Rang und Namen hat, beiwohnen, behauptet Callas, krank zu sein, und weigert sich nach dem ersten Akt, weiterzusingen. Die Presse übt harte Kritik an ihr.
Mai: Während sie an der Scala in Il pirata singt, überwirft sie sich mit Generaldirektor Antonio Ghiringhelli und beschließt, dort nicht mehr aufzutreten, solange er im Amt ist.
6. November: Rudolf Bing, Direktor der Metropolitan Opera, feuert Callas, nachdem sie sich nicht über ihre Engagements für die nächste Spielzeit einigen können.
19. Dezember: Sie gibt ein sensationelles Debüt in Paris bei einem Galakonzert an der Pariser Oper. Unter den Berühmtheiten im Publikum befindet sich Onassis, der sich näher für Callas zu interessieren beginnt.

1959    
Callas hat mittlerweile weniger professionelle Engagements. Sie und Meneghini werden neben mehreren anderen Gästen, darunter die Churchills, für Juli zu einer Kreuzfahrt auf der Christina, Onassis‘ Jacht, eingeladen. Am Ende der Kreuzfahrt sind Callas uns Onassis ein Liebespaar, und die Ehe der Meneghinis ist gescheitert.

1960-1963    
Callas gibt die Opernbühne völlig auf und widmet sich dem internationalen Highlife mit Onassis. Ab 1962 tritt sie nur mehr bei ein paar Konzerten auf.

1964    
Januar: Zefirelli überredet Callas zur Rückkehr zur Oper in einer unvergeßlichen Neuinszenierung von Tosca in Covent Garden, die in jeder Hinsicht gefeiert wird.
Mai: Callas tritt in Paris in einer spektakulären Zefirelli-Neuinszenierung –ihrer letzten- von Norma auf. Trotz einiger stimmlicher Probleme sind die Aufführungen im großen und ganzen ein Erfolg.

1965    
Februar: Sie singt neun Vorstellungen von Tosca in Paris.
März: Triumphale Rückkehr an die Metropolitan Opera in New York in zwei Vorstellungen von Tosca.
Mai: Sie verpflichtet sich zu weiteren fünf Aufführungen von Norma in Paris. Sie fühlt sich müde, will aber nicht absagen. Am 29. Mai beendet sie die 1. Szene des zweiten Aktes praktisch im Koma. Die letzte Szene wird abgesagt.
Juli: Sie soll vier Vorstellungen von Tosca in Covent Garden singen. Man rät ihr aus medizinischen Gründen  zur Absage, doch sie beschließt, zumindest die Galavorstellung am 5. Juli zu singen. Es soll die letzte Opernaufführung ihrer Karriere sein.
1966    Callas verzichtet auf ihre amerikanische Staatsbürgerschaft und nimmt die griechische an, wodurch die Ehe mit Meneghini theoretisch annuliert wird. Sie erwartet, daß Onassis sie heiratet, wird jedoch enttäuscht.

1968    
20. Oktober: Onassis heiratet Jacqueline Kennedy, die Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, nachdem er die Beziehung zu Callas hatte abkühlen lassen.

1969    
Juni/Juli: Callas spielt die Medea in der Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Euripides unter der Regie von Paolo Pasolini. Dem Film ist kein kommerzieller Erfolg beschieden.

1971-1972    
Callas gibt eine Reihe von Meisterklassen an der Juilliard School of Music in New York. Sie trifft ihren früheren Kollegen, den Tenor Giuseppe di Stefano wieder, und die beiden werden enge Freunde.

1973    
Di Stefano überredet Callas zu einer ausgedehnten internationalen Konzerttournee mit ihm, um die medizinische Behandlung seiner Tochter zu finanzieren. Die Tournee, ein persönlicher Triumph, doch künstlerisch ein Mißerfolg, beginnt am 25. Oktober in Hamburg und wird auch 1974 fortgesetzt.

1974    
11. November: Das letzte Konzert der Tournee mit Di Stefano findet in Sapporo, Japan, statt. Es ist Callas‘ letzter öffentlicher Auftritt. Die Liaison mit Giuseppe di Stefano ist zu Ende.

1975    
15. März: Onassis stirbt nach einer Gallenoperation. Callas lebt inzwischen völlig zurückgezogen in Paris.

1977    
16. September: Callas stirbt, allein in ihrem Appartement, eines natürlichen Todes.

 

VÖ 18. Januar 2013

 

 

 

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