01.01.2014 08:00 moderne Improvisationspraxis

Musii Jazz: Continuum schaffen auf ihrer neuen CD "Mayenschein" Déjà-vu-Erlebnisse der besonderen Art

Continuum veroeffentlichen neues Album Mayenschein

Von: GFDK - Uwe Kerkau Promotion

Traditionelle, oft mehrere Jahrhunderte alte Melodien in ein Jazzgewand zu kleiden – das ist das musikalische Konzept von Continuum (ehemals Jazz’n Spirit). Mit Mayenschein legt das Trio mit Dirk Piezunka (Alt- und Tenorsaxofon, Bassklarinette und diverse Percussion-Instrumente), seinem Bruder Jens Piezunka (Kontrabass und Gesang) und dem Oldenburger Gitarristen Martin Flindt sein drittes, mit Spannung erwartetes Album vor.

Ein altes Liederbuch, das Dirk Piezunka zufällig auf seinem Dachboden fand, war die Initialzündung für das neue Album. Viele der darin enthaltenen Stücke kannten die  Bandmitglieder noch aus ihrer Kinder- und Jugendzeit -  darunter Singt ein Vogel, Bunt sind schon die Wälder oder Der Winter ist vergangen.

Wenn Continuum solche alten Stücke bearbeitet, bleiben die Motive und Melodien der Originale stets erkennbar – insgesamt klingen die Arrangements aber doch gänzlich anders. „Das liegt an den musikalischen Werkzeugen, mit denen wir sie bearbeiten“, erläutert Dirk Piezunka.

Jede Komposition durchläuft beim Trio eine Art Rekompositionsprozess. Mal ziehen die Musiker die Melodien in die Länge, mal ändern sie die Ton- oder Taktart, oder sie entwerfen neue Begleitstimmen. Die so entstehenden Arrangements sind wiederum Grundlage für vielfältige Improvisationen.

Ein Konzept, mit dem das Trio seine Zuhörer schon seit Jahren begeistert. „Wir haben die neuen Stücke schon ein paar Mal live gespielt – und die Reaktionen des Publikums waren grandios“, so Piezunka. „Wenn wir die Stücke ansagen, geht oft ein Raunen durch den Saal, weil viele Zuhörer die Lieder noch von früher kennen und wir damit natürlich eine gewisse Erwartungshaltung wecken“. Da Continuum die Stücke aber wesentlich vielschichtiger als die Originale präsentiert, können sich die Zuhörer auf Déjà-vu-Erlebnisse der besonderen Art freuen.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

So wie Matona Mia Cara. In seinem Landknechtsständchen schildert der Komponist Orlando di Lasso (geboren 1532) – in sehr deftigen Worten – die Geschehnisse einer Liebesnacht. „Weil der Original-Text uns die Schamesröte ins Gesicht treibt, beschränken wir uns auf die instrumentale Version“, schmunzelt Piezunka. Sie besteht aus zwei rhythmisch voneinander unabhängigen Ebenen: einer äußerst virtuosen, von Jens Piezunka entworfenen Basslinie im 5/4-Takt, der das Thema im 4/4 Takt gegenüber steht – so wie im Original. Durch diese Polyrhythmik entsteht ein ungewöhnlicher, aufregender Effekt, weil beide Ebenen zunächst nebeneinander existieren, bevor sie sich an zentralen Stellen überlagern. Mit solchen Elementen und Effekten spielt das Trio gerne – jedoch nicht als  Selbstzweck, sondern stets im Dienste der Komposition.

Zu den namhaften Komponisten, denen die drei Musiker auf Mayenschein ihre Ehre erweisen, gehört neben di Lasso auch François Villon. Er gilt als bedeutendster Dichter des französischen Spätmittelalters, rutschte im Laufe seines Lebens jedoch in die  Kriminalität ab und wurde schließlich als verurteilter Dieb, Einbrecher und Mörder hingerichtet. In Eine kleine Liebesballade zeigt sich Villon dagegen ganz von seiner poetischen Seite – und in der Version von Continuum erzählen Saxofon, Gitarre und Bass ihre ganz eigenen Facetten dieser Liebesballade.

Ein weiteres unveränderliches Kennzeichen von Continuum sind Elemente aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die das Trio in seine Arrangements einbaut.  Schon auf den beiden Vorgänger-Alben waren unter anderem japanische Tonskalen und indische Klänge zu hören. Auf Mayenschein spannen die Drei nun einen perfekten Bogen zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik:

• So entführt Martin Flindt den Zuhörer in Die güldene Sonne nach Texas; sein Intro auf der halbakustischen Gitarre atmet den erdigen Blues der amerikanischen Südstaaten

•  der Kuckuck in der Der Kuckuck bleibt nicht still  - eine Komposition aus der italienischen Schweiz – macht der Textzeile alle Ehre, indem er eine  beschwingte Samba tanzt

• Die Helle Sonn beginnt mit orientalischen Klängen, die den Sonnenaufgang im Morgenland symbolisieren. Eindrücke, die Dirk Piezunka von seinen Türkei-Reisen mitgebracht hat

Wie die Vorgänger-Alben Continuum (schaffte auf Anhieb den Sprung in die Bestenliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik) und Secundo wurde auch Mayenschein im hochwertigen Raumklangverfahren eingespielt. Spielstätte war der Sendesaal Bremen, von dessen beeindruckender Akustik schon Jazzlegenden wie Keith Jarret und Philip Catherine schwärmten. Dass sämtliche Titel live eingespielt und keinerlei Overdubs verwendet wurden, zeigt die musikalische Klasse der drei Bandmitglieder. Die Vielfalt und Vielzahl an verschiedenen Klängen, die sie ihren Instrumenten entlocken, sucht auf Trio-Ebene ihresgleichen.

www.continuum-trio.de

www.berthold-records.de