21.11.2013 09:21 „Requiem für einen jungen Dichter“

Spektakuläres Abschlusskonzert des Musikfestivals „cresc…“ mit erschütternden, selten zu erlebenden Klang

Der Dirigent Matthias Pintscher mit einem gigantischem Aufgebot

Ein zeitloser Appell an die Menschheit. Der Dirigent Matthias Pintscher mit einem gigantischem Aufgebot an Spitzenmusikern in Frankfurt. Foto: hr/Andrea Medici

Von: GFDK - Brigitte Schulz

Mit der erschütternden, selten zu erlebenden Klang-Zeit-Raum-Komposition „Requiem für einen jungen Dichter“ von Bernd Alois Zimmermann am 24. November, 20 Uhr, endet die viertägige Biennale für Moderne Musik Frankfurt RheinMain „cresc…“. Ein gigantisches Aufgebot an Spitzenmusikern wird das Publikum im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt in ihre Mitte nehmen:

Das hr-Sinfonieorchester, die hr-Bigband, der WDR Rundfunkchor Köln, Sänger der EuropaChorAkademie, der Tschechische Philharmonische Chor Brünn, ein Klangregisseur, Solisten, Sprecher und der Dirigent Matthias Pintscher. Zuvor, um 19.05 Uhr, gibt es im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt eine Werkeinführung. hr2-kultur sendet das Konzert am 12. Januar 2014, 20.05 Uhr.

Ein zeitloser Appell an die Menschheit

Das Requiem gilt als Schlüsselwerk der Moderne und ist gleichzeitig ein zeitloser Appell an die Menschheit. Anlässlich der Uraufführung des Werkes im Jahr 1969 äußerte der Dirigent Michael Gielen: "Das ,Requiem für einen jungen Dichter' ist ein flammender Protest gegen das, was der Mensch dem Menschen antut …“ Es ist ein wahrer Fundus an Gefühlen und Reflexionen. Düsenjäger-Geheul und Textfragmente Mao Zedongs gehören genauso dazu wie musikalische Zitate aus ›Hey Jude‹ oder dem Free Jazz.

Zimmermanns Vision von der Kugelgestalt der Zeit wird räumlich erfahrbar, auf verschiedenen Ebenen wird zeitlich gebundenes Geschehen (zwischen 1920 und 1970) gleichzeitig erlebbar. Sein „pluralistisches Kompositionsverfahren“, wie er es nannte, stellt hohe Anforderungen an alle beteiligten Musiker, aber auch an das Publikum. Bernd Alois Zimmermann nahm sich 1970 das Leben. In sein 1969 fertig gestelltes Requiem integriert er ganz bewusst Worte von Dichtern wie Wladimir Majakowski oder Konrad Bayer, die ebenfalls den Freitod gewählt hatten. Dabei ist das Requiem Zeugnis seiner engen Verbundenheit mit dem Leben und der Gesellschaft.

Bernd Alois Zimmermanns Werk im Fokus des Festivals
Zimmermanns Musik ist ein Amalgam, die Collage ein herausragendes Stilmittel. Unterschiedlichste Zeitstränge werden verwoben. Gebrauchsmusik, Jazz, serielle Musik, komplexe Formen finden sich bei Zimmermann in einem großen Ganzen. Bereits im Eröffnungskonzert am 21. November präsentiert das Ensemble Modern ein weiteres Hauptwerk des Komponisten: „Musique pour les soupers du Roi Ubu“. Dazu finden sich zwölf Uraufführungen junger Komponisten, die Zimmermanns Werk, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterwerke, ein Liedrezital, eine Tanzperformance, ein Live-Remix, ein Live-Hörspiel und unterschiedlichste Education-Projekte.

Die Träger des Festivals cresc…
Veranstalter von cresc… sind das Ensemble Modern und das hr-Sinfonieorchester in Kooperation mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt und der Alten Oper Frankfurt und in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Darmstadt, dem Institut für zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und der Internationalen Ensemble Modern Akademie. Ermöglicht wird die Biennale durch die Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain und weitere Projektpartner.


Kurzübersicht:
cresc… Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main

21.–24. November 2013
Musik und Zeit – Bernd Alois Zimmermann

Interpreten:
Arditti Quartet, Alarm Will Sound, Ensemble Modern, Tony Arnold, EuropaChorAkademie, Hélène Fauchère, Reinhold Friedrich, Gebrüder Teichmann, Christian Hommel, hr-Bigband, hr-Sinfonieorchester, IEMA-Ensemble, Johannes Kalitzke, Brad Lubman, Leigh Melrose, Marisol Montalvo, Christiane Oelze, Franck Ollu, Matthias Pintscher, Eric Schneider, Karl-Heinz Steffens, Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn, WDR Rundfunkchor Köln.

Bernd Alois Zimmermann:
Musique pour les soupers du Roi Ubu, Présence, Requiem für einen jungen Dichter, Suite aus Das Gelb und das Grün, Sinfonie in einem Satz, Trompetenkonzert Nobody knows de trouble I see, Oboenkonzert, Kammermusikwerke und Lieder.

Uraufführungen:
Fünf Auftragswerke des Internationalen Kompositionsseminars von Martin Grütter, Daniel Moreira, Evis Sammoutis, Lu Wang und Karin Wetzel und neue Werke von Sian Friar, Beat Furrer, Markus Hechtle, Hanspeter Kyburz, Michael Obst zum 10. Jubiläum der Internationalen Ensemble Modern Akademie und Vito Žuraj.

sowie Kompositionen von:
John Adams, Mark Andre, Leonard Bernstein, Morton Feldman, Arnulf Herrmann, Payton MacDonald, Olivier Messiaen, Conlon Nancarrow, Wolfgang Rihm und Anton Webern.

Jugendprojekte:
KulturTagJahr der Altana Kulturstiftung und Kinderkonzerte in der Alten Oper Frankfurt

Veranstaltungsorte:
Alte Oper Frankfurt, Frankfurt, Opernplatz
hr-Sendesaal, Hessischer Rundfunk, Frankfurt, Bertramstraße 8
Frankfurt LAB, Frankfurt, Schmidtstraße 12
saasfee*pavillon, Frankfurt, Bleichstraße 64
Staatstheater Darmstadt, Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1

Das genaue Programm finden Sie unter:
www.cresc-biennale.de

Eintrittskarten:
Festivalpass 110 Euro (ermäßigt 70 Euro)
Einzelkarten für 8 bis 25 Euro (Ermäßigung möglich)
Tickets online unter www.hr-ticketcenter.de und www.frankfurt-ticket.de, www.staatstheater-darmstadt.de

sowie anderen Vorverkaufsstellen.

brigitte.schulz@remove-this.hr.de

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