19.04.2012 07:40 Sonntag | 22. April 2012 | 15:30 Uhr

„Nichts auf Erden ist kräftiger, denn die Musik.“ - Symposium am Abschlusstag der Thüringer Bachwochen – Luther und sein Verständnis von Musik

Ensemble Graindelavoix(c)Koen Broos

Von: Jens Haentzschel

Am kommenden Sonntag, den 22. April 2012, enden die Thüringer Bachwochen 2012: nach dem Auftakt steht auch der Abschluss im Zeichen des Schwerpunktthemas "Reformation und Musik". Bereits um 15.30 Uhr wird es im Augustinerkloster ein Symposium über Martin Luther und sein Verständnis zur Musik geben.

"Nichts auf Erden ist kräftiger, denn die Musik" ist das Symposium überschrieben. Bitte beachten Sie auch das kurze Interview mit Silvius von Kessel, der das Symposium gemeinsam mit Prof. Christoph Krummacher vorbereitet hat.

Am Abend, genauer um 19.30 Uhr, wird es dann mit dem Ensemble "graindelavoix" das Abschlusskonzert im Erfurt Dom St. Marien stattfinden. Das flämische Ensemble hat sich auf die Musik der französischen Renaissance spezialisiert und in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt.

Seine Konzerte sind von atemberaubender Intensität und Schönheit und machen immer auch Konzerträume neu erlebbar, wofür der Erfurter Dom zweifelsohne einen perfekten Rahmen bietet.

Zur geistigen Welt Martin Luthers gehört auch seine Auffassung von der Bedeutung der Musik. Doch ist seine Musikanschauung für uns noch relevant? Erleben wir diese nur noch im evangelischen Gemeindelied, dessen gottesdienstliche Stellung wir wesentlich Luther verdanken?

Hatte die Musik in Luthers Verständnis eine rein pragmatische Bedeutung oder ist sie – wie später auch im Universum eines Johann Sebastian Bach – vielmehr ein essentieller Ausdruck seiner Theologie?

Und schließlich: Ist aus Luther auch eine ökumenische Sicht der Kirchenmusik zu gewinnen? Diesen Fragen widmet sich ein Symposium unter Leitung von Christoph Krummacher, Professor für Kirchenmusik an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, das am Abschlusstag der Thüringer Bachwochen 2012 stattfindet.

In Zusammenarbeit mit dem Ev. Augustinerkloster Erfurt

Interview mit Silvius von Kessel zum Symposium:

Herr von Kessel, ein Symposium zum Abschluss der Bachwochen beschäftigt sich mit Luther und seinem Musikverständnis. Was erfährt man zu Luther und Musik?

Silvius von Kessel: Es geht z.B. darum zu erkunden, ob Luthers Musikliebe die Musik als schmückendes Beiwerk verstand, oder auch als emotionale Stütze oder doch grundsätzlicher als genuinen Ausdruck des Glaubens und als integralen Bestandteil des Gottesdienstes. Es wird also auch um Musik und Theologie gehen.

Der evangelische Bischof Prof. Hein aus Kassel und der katholische Bischof Prof. Wanke aus Erfurt werden bei diesem Symposium unter Leitung von Prof. Krummacher aus Leipzig diesem Thema nachgehen. Und Hellmut Seemann, der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, wird sozusagen "von außen" eine frei variierende Stimme dazu sein, die sicher nicht nur Goethe argumentativ und fragend heranziehen wird.

Was für eine Wirkung hatte Luthers Musikverständnis in seiner Zeit?

Silvius von Kessel: Luther brach musikalisch-geistlich mitten ins Volk ein, seine Choräle wurden zu Trägern reformatorischer Ideen. Die geistliche Musik wurde so stärker popularisiert, und es ergaben sich gleichsam "geistliche Schlachtgesänge", so merkwürdig das klingen mag, von denen "Ein feste Burg" der bekannteste ist.

Wie nah steht uns Luthers Auffassung heute - wie gegenwärtig ist sie?

Silvius von Kessel: Das hängt von der einzelnen Person und ihrem Glauben oder Nichtglauben ab. Es hängt weiterhin ab von persönlicher Sensibilität der Musik gegenüber. Insgesamt wurde die Musik im Zuge der Reformation auch in der katholischen Kirche aufgewertet.

Ich glaube jedoch, nüchtern feststellen zu müssen, dass bei vielen Menschen heute nicht viel von Luthers Verständnis der Musik als Gottesgeschenk hängengeblieben ist.

Was für Erkenntnisse hoffen Sie in dem Symposium zu gewinnen?

Silvius von Kessel: Es ist die Beantwortung der oben angedeuteten Frage, wie fundamental die Musik in geistlicher Hinsicht verstanden wurde, also: nur schön und erbaulich oder auch essentiell wichtig und Bestandteil eines rechten Gottesdienstes?

REFORMATION UND MUSIK

„Nichts auf Erden ist kräftiger, denn die Musik.“

Symposium über Martin Luther und sein Verständnis von Musik

mit

Prof. Dr. theol. Christoph Krummacher - Moderation


Prof. Dr. Martin Hein (Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck)

Dr. Joachim Wanke (Bischof des Bistums Erfurt)

Hellmut Seemann (Präsident der Klassik Stiftung Weimar)


Sonntag | 22. April 2012 | 15:30 Uhr

Augustinerkloster | Erfurt

Medienkontakt: 

Thüringer Bachwochen e.V.

Jens Haentzschel | Pressekoordination

Röhrstraße 15 | 99423 Weimar

Mobil: 0172 – 277 65 36

presse@remove-this.thueringer-bachwochen.de