19.06.2012 08:16 der vorverkauf hat gestartet

Musikfest in Berlin - Das Festival findet vom 31.8. bis 18.9.2012 statt

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Von: Berliner Festspiele - 2 Bilder

Vom 31. August bis 18. September startet das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit 2012/13, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker.

An 20 Tagen werden in der Philharmonie und deren Kammermusiksaal, im Großen Sendesaal des rbb, im Konzerthaus Berlin, in der Akademie der Künste, im Tempodrom, im Kühlhaus Berlin und in der Heilig-Kreuz-Kirche 25 Veranstaltungen mit rund 80 Werken von 30 Komponisten präsentiert, aufgeführt von 24 Orchestern, Chören, Instrumental- und Vokalensembles und über 60 Solisten.

2012 ist nicht nur das Jahr der amerikanischen Präsidentschaftswahlen, sondern es jährt sich auch der Geburtstag des großen, vor zwanzig Jahren verstorbenen amerikanischen Komponisten John Cage zum hundertsten Mal.

Cage wiederum huldigte 1976 – im Jahr des Bicentennial der Gründung der Vereinigten Staaten – seinem Heimatland mit einer orchestralen Komposition, die er Apartmenthouse 1776 nannte und Seiji Ozawa und dem Boston Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony und Cleveland Orchestra, dem Los Angeles und New York Philharmonic und dem Philadelphia Orchestra widmete.

Mit der Widmung von Apartmenthouse 1776, das die religiösen und musikalischen Prägungen der Gründerjahre Nordamerikas – protestantische, sephardische, indianische und afroamerikanische Lieder – versammelt, wurde so die Feier der amerikanischen Gründerzeit zugleich zur Sache der großen Orchester erklärt.

1976, anlässlich der Bicentenntial-Feiern, erfolgte auch – in einer Produktion der Houston Grand Opera – erstmals die ungekürzte Aufführung von George Gershwins 1934/35 entstandener Oper Porgy and Bess. „Oh, we’re leavin’ for the Promise’ Lan’, Leavin’ for the Promise’ Lan’“, singt Bess in ihrem Spiritual am Ende des ersten Aktes, den Tod des erschlagenen Robbins betrauernd. – Amerika, das war den Puritanern des englischen 17. Jahrhunderts das „Gelobte Land“.

Den Sklaven des amerikanischen 19. Jahrhunderts aber, die dem Christentum der Unterdrückung ausgeliefert waren, war Amerika (so Manfred Henningsen in seinem Buch Der Mythos Amerika) das mythische Ägypten der israelitischen Gefangenschaft, aus der sie sich zu befreien suchten.

Der biblische Auszug der Israeliten aus dem pharaonischen Ägypten ist der Kontext der Oper Moses und Aron, die Arnold Schönberg 1928 noch in Berlin zu schreiben begonnen hatte, deren dritten Akt, den Einzug des auserwählten Volkes ins Gelobte Land, er aber nicht mehr komponierte. Seit 1934 lebte Arnold Schönberg in Los Angeles im Exil.

Er sei „ins Paradies vertrieben“ worden, beschrieb der „konservative Revolutionär“ seine Exilsituation. Aber das war eine durchaus ambivalente Charakterisierung dessen, was ihm und vielen europäischen Musikern, Künstlern und Intellektuellen widerfahren war.

Im amerikanischen Exil fand Schönberg in Gershwin einen geschätzten Komponistenkollegen und Tennispartner, und John Cage, dem späteren Meister der „Anarchic Harmony“, gab er zwei Jahre lang Kompositionsunterricht.

Apartmenthouse 1776, Moses und Aron, Porgy and Bess: Alle drei Werke sind beim Musikfest Berlin 2012 in exemplarischen Neueinstudierungen zu erleben:

Das Ensemble Modern und die Junge Deutsche Philharmonie präsentieren Cages Apartmenthouse 1776 in einer exklusiv für das Musikfest Berlin erarbeiteten Produktion; das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und die EuropaChorAkademie unter der Leitung von Sylvain Cambreling bringen Schönbergs Moses und Aron in die Philharmonie – die erste Station einer Europatournee, die anschließend nach Luzern, Madrid und Straßburg führt –; und die Berliner Philharmoniker führen als Festival-Finale zusammen mit dem Cape Town Opera Voice of the Nation Chorus unter der Leitung von Sir Simon Rattle Gershwins Porgy and Bess auf, eine Koproduktion mit den Berliner Festspielen.

Zum Musikfest Berlin kommt noch eine dritte Ausnahme-Oper: Nixon in China von John Adams, eine Berliner Erstaufführung und ein Gastspiel des BBC Symphony Orchestra und der BBC Singers unter der Leitung des Komponisten, die das Werk wenige Tage zuvor bei den Londoner Proms präsentieren.

Nixon in China, entstanden in den späten 80er Jahren, ist – so Alex Ross in seinem Buch The Rest is Noise – die größte amerikanische Oper seit Porgy and Bess, ein „Schaudern machender Blick auf die Machtspiele des 20. Jahrhunderts“ eine Oper, so Bernd Feuchtner, in der sich „chinesische Kommunisten und amerikanische Kommunistenfresser in der Verherrlichung des Pioniergeistes vereinen“.

Das hat es beim Musikfest Berlin noch nicht gegeben: drei große Opernraritäten in konzertanten Neueinstudierungen. Und dabei bleibt es nicht: Das Musikfest Berlin 2012 präsentiert eine Tour d’horizon durch die amerikanische Musikwelt, die von Charles Ives bis zu Samuel Barber, Aaron Copland und Morton Feldman reicht, mit Werken der Exilanten Schönberg, Strawinsky und Rachmaninow, mit Stockhausens Hymnen mit Orchester – die er John Cage, den New Yorker Philharmonikern und dem amerikanischen Volk widmete – und Hans Werner Henzes „kubanischer“ Sechster Symphonie.

Neben Berlins orchestralen Flagschiffen gastieren das London Symphony Orchestra mit Michael Tilson Thomas, das nach den New Yorker Philharmonikern zweitälteste Orchester der USA: das St. Louis Symphony Orchestra unter seinem Chefdirigenten David Robertson, und das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam mit Mariss Jansons, die Edgard Varèses gewaltiges Orchesterpoem Amériques mitbringen.

Eröffnet wird das Musikfest Berlin 2012 vom Mahler Chamber Orchester mit Thomas Hampson als Solisten und unter der Leitung von Kent Nagano, gewidmet dem Grand Old Man der amerikanischen Musik: Charles Ives.

Künstlerischer Leiter Dr. Winrich Hopp
Organisationsleitung Anke Buckentin
Vertretung Chloë Richardson

Berliner Festspiele
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10719 Berlin
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Fax +49 30 254 89-111

Presse Leitung Jagoda Engelbrecht
Presse Marit Magister
Mitarbeit Sara Franke
Volontärin Tabitha Klau

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Bildlegende:

1) Das Mahler Chamber Orchestra spielt das Eröffnungskonzert unter Kent Nagano. Foto (c) Deniz Saylan

2) John Adams dirigiert seine Oper "Nixon in China" mit dem BBC Symphony Orchestra. Foto (c) Christine Alicino