30.07.2012 08:10 Verhältnis von Musik und Glauben

Konzert Klassik: LUCERNE FESTIVAL im Sommer «Glaube» vom 8. August bis 15. September 2012

Fotos LUCERNE FESTIVAL, Priska Ketterer

Von: Nina Steinhart - 3 Bilder

Zum Festivalthema «Glaube»

Im Sommer 2012 fragt LUCERNE FESTIVAL nach dem Verhältnis von Musik und Glauben und nähert sich dem Thema von den unterschiedlichsten Seiten. Das Spektrum ist dabei musikhistorisch und konfessionell weit gespannt: Es reicht von geistlichen Werken Bachs, Schuberts und Bruckners, von Mendelssohns «Reformationssinfonie» über Verdis dramatisches Requiem bis zu Strawinskys «Psalmensinfonie» und Schönbergs Oper «Moses und Aron».

Drei Aspekte des Glaubens

Dass jede Religion ihre eigene Legitimation hat und doch nur eine Annäherung sein kann: dieser Idee der Aufklärung folgt die Reihe «Glaubensbekenntnisse», die in sieben verschiedene spirituelle Welten führt. Für die Sphäre der russisch-orthodoxen Kirche stehen die Werke von «composerin-residence» Sofia Gubaidulina; die Geschichte des Hiob, die Wilfried Hiller vertont hat, sowie
Schönbergs Oper «Moses und Aron» repräsentieren die Sphäre des Judentums.

Johann Sebastian

Bach vertritt die lutherische Konfession. Mit Namgyal Lhamo wurde eine Exponentin des tibetischen Buddhismus eingeladen, mit den «Wirbelnden Derwischen» des Mevlevî-Ordens taucht man ein in die islamische Mystik. Eine pantheistische Vision entwirft der Schweizer Willy Burkhard mit seinem Oratorium «Das Jahr», und der Katholizismus findet in den Werken Olivier Messiaens und Anton Bruckners eine tönende Fürsprache.


Unter dem Aspekt «Letzte Werke, letzte Worte» rückt das Festival Kompositionen in den Blickpunkt, die an der Schwelle zu einer anderen Welt entstanden. Dabei werden unter anderem – neben den drei berühmten Neunten Sinfonien von Beethoven, Bruckner und Mahler – auch Beethovens kryptische späte Streichquartette und Klaviersonaten erklingen, dazu Alban Bergs als
Requiem gedachtes Violinkonzert sowie das Vorspiel zum dritten Aufzug und der Karfreitagszauber aus Richard Wagners «Parsifal».


Was erwartet uns nach dem Tod? Die Reise nach oben oder nach unten? Himmel oder Hölle?
Dieser Frage wird in acht Konzerten nachgegangen, denn sie hat viele Komponisten zu einer tönenden Antwort angeregt. Schwer zu entscheiden, was mehr fasziniert: infernalische Bestrafungsphantasien, wie sie Verdi im «Dies irae» seines Requiems inszeniert, oder die göttliche Erleuchtung, wie sie sein gar nicht frommer Antipode Wagner im «Lohengrin»-Vorspiel schildert. Dass man nicht gestorben sein muss, um die Hölle zu durchschreiten – daran erinnern Schönbergs «Survivor from Warsaw» oder Messiaens «Quatour pour la Fin du Temps»

Orchester, Dirigenten und Solisten im Überblick

Musikalische Fixsterne am Luzerner Firmament sind das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY sowie zahlreiche berühmte Orchester aus aller Welt: die Wiener und Berliner Philharmoniker, das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Königliche Concertgebouworchester, das Cleveland Orchestra, das London Symphony Orchestra, das Orchester der Mailänder Scala, das Gustav Mahler Jugendorchester, Leipziger Gewandhausorchester, das Orchestre des Champs-Elysées und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg.

Zu den Pultstars gehören in diesem Sommer neben Claudio Abbado und Pierre Boulez auch Daniel Barenboim, Sylvain Cambreling, Riccardo Chailly, Peter Eötvös, James Gaffigan, Valery Gergiev, Daniele Gatti, Bernard Haitink, Daniel Harding, Philippe Herreweghe, Mariss Jansons, Vladimir Jurowski, Lorin Maazel, David Robertson, Simon Rattle und Franz Welser-Möst.


Freudig erwartet werden Maurizio Pollini – der seine Reihe «Pollini Perspectives» fortsetzt −, die Geiger Leonidas Kavakos, Christian Tetzlaff und Frank Peter Zimmermann, die Pianisten Pierre- Laurent Aimard, Kristian Bezuidenhout, Hélène Grimaud, Lang Lang, Radu Lupu und Murray Perahia, die Vokalisten Cecilia Bartoli, Juliane Banse, Bernarda Fink, Elīna Garanča, Rachel Harnisch, Jonas Kaufmann, Anna Larsson, René Pape und Anna Prohaska – um nur einige der herausragenden Solisten der insgesamt 29 Sinfoniekonzerte sowie der Kammermusikkonzerte und
Rezitale zu nennen.Erstmals beim Festival zu erleben sind unter anderem die die Münchner Philharmoniker unter ihrem neuen Chefdirigenten Lorin Maazel, das St. Louis Symphony mit David Robertson, das Luzerner Sinfonieorchester mit James Gaffigan, Pablo Heras-Casado als Dirigent des LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Ensembles und des Ensemble intercontemporain, Diego Fasolis und I Barocchisti, Sara Mingardo, Evelyn Herlitzius, Annette Dasch, Anja Harteros, Léon Berben, Baiba Skride. Hinzu kom-mt der Auftritt von «Credit Suisse Young Artist Award»-
Preisträgerin Vilde Frang mit den Wiener Philharmonikern unter Bernard Haitink.


«artiste étoile» Andris Nelsons, «composers-in-residence» Sofia Gubaidulina und Philippe Manoury, Roche Commissions von Matthias Pintscher, 8 Uraufführungen
Der junge lettische Maestro Andris Nelsons wird als «artiste étoile» mit seinem City of Birmingham Symphony Orchestra an drei Abenden russisches und deutsches Repertoire zu Gehör bringen, darunter auch – gemeinsam mit Baiba Skride − das Erste Violinkonzert von «composer-inresidence » Sofia Gubaidulina. Das umfangreiche, alle Gattungen umspannende Werk der 1931 in der tartarischen Sowjetrepublik geborenen und äusserst spirituellen Komponistin wird mit vierzehn
Aufführungen gewürdigt. Als zweiter «composer-in-residence» wird der Franzose Philippe Manoury, der in Kaliforniern lebt und unterrichtet, mit Kompositionen aus fünfzehn Jahren vorgestellt. «Chute d’étoiles» heisst das Auftragswerk der Roche Commissions an Matthias Pintscher; das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst wird das Anselm Kiefer gewidmete Werk uraufführen.

Sieben weitere Kompositionen feiern diesen Sommer in Luzern ihre Weltpremiere: Wolfgang Rihms «Nähe fern» wird erstmals integral vorgestellt; im Rahmen der zweiten «Pollini-Perspectives»-Reihe wird Salvatore Sciarrinos «Carnaval Nr. 10−12» aus der Taufe gehoben; die Neuen Vocalsolisten Stuttgart widmen sich Heinz Holligers «nichts Ichts – nicht Nichts» und Karlheinz Stockhausens
«Menschen, hört». Die basel sinfonietta präsentiert erstmals Thomas Amanns neues Orchesterwerk «Les Jeux/Les Poupées», und die beiden Kammeropern «Im Bau» von Michel Roth sowie «Ana Andromeda» von Alfred Zimmerlin beschliessen den Uraufführungsreigen.


LUCERNE FESTIVAL ACADEMY unter Pierre Boulez, «Forum», «Open Stage», «Spotlights» und «Meisterkurs Dirigieren» Kompositionen von Peter Eötvös, Jonathan Harvey und Tristan Murail sowie zwei Schlüsselwerke
der Moderne – Arnold Schönbergs «Erwartung» und Charles Ives’ Vierte Sinfonie − bilden die Programmschwerpunkte der diesjährigen Akademie. Ebenso im Zentrum stehen «composer-in residence» Philippe Manoury und Michael Jarrrells Komposition «La Chambre aux Échos», das nun in seiner vervollständigten Fassung zu hören ist. Neue Wege erforschen die Akademisten mit Manuel de Fallas Kurzoper «Meister Pedros Puppenspiel», das gemeinsam mit der Reihe «Young» und dem Theater Basel speziell für junge Hörer entsteht.

Neben Pierre Boulez werden Peter Eötvös und Pablo Heras-Casado die Werke einstudieren; die aufschlussreiche und kostenlose Reihe «Forum» wird fortgesetzt, und Pierre Boulez und Peter Eötvös werden jeweils einen «Meisterkurs
Dirigieren» gestalten. Zum zweiten bzw. dritten Mal finden die neuen Formate «Spotlights» und «Open Stage» statt, die den Brückenschlag zu anderen Musikformen wagen bzw. eine Plattform für selbst zusammengestellte Programme der Akademisten bilden.


«Debuts», «Musiktheater», «Young», «LUCERNE FESTIVAL in den Strassen» und «Buvette»


In insgesamt sieben «Debut»-Konzerten sind junge Solisten und Ensembles zu erleben und zu entdecken. Die diesjährige Koproduktion mit dem Luzerner Theater bringt Mozarts «La Clemenza di Tito» zur Aufführung. Die Reihe «Young» erkundet mit vier musikalischen Erzählungen das faszinierende Wechselspiel von Bildern und Klängen:

Hillers «Der Josa mit der Zauberfidel», de Fallas «Meister Pedros Puppenspiel», Mussorgskys «Die Kinderstube» sowie das Percussion-Spektakel «Drumblebee» werden Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene begeistern. Das beliebte Strassenmusikfest präsentiert vom 21. bis 26. August acht Musikgruppen aus aller Welt auf den schönsten Plätzen Luzerns.

Die Freiluft-Bar «Buvette» auf dem Inseli gleich hinter dem KKL Luzern wird wieder an den sechs Donnerstagen während des Festivals zum musikalischen Treffpunkt. Jeweils ab 18.00 Uhr treten hier Mitglieder von Orchestern oder Musiker des Strassenmusikfestes unter freiem Himmel in entspannter Atmosphäre auf.


«Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts», «Künstlergespräche», «Filmreihe», «NZZ Podium zum Thema Glaube», «Kooperation mit Luzerner Kirchen»
Den Auftakt des umfangreichen Rahmenprogramms macht alljährlich die beliebte Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts auf das Inseli gleich hinter dem KKL Luzern.

In Zusammenarbeit mit Schweizer Radio DRS 2 werden Künstlergespräche mit «artiste étoile» Andris Nelsons, Maurizio Pollini und Philippe Herreweghe durchgeführt; gemeinsam mit dem Partner stattkino Luzern entstand eine ambitionierte Filmreihe, und zusammen mit «NZZ Podium» findet eine prominent besetzte Diskussionsveranstaltung zum Festivalthema statt.

Konzerteinführungen und des Weiteren Diskussionsveranstaltungen,
Predigten und musikgeschichtlich-theologische Vorträge in Zusammenarbeit
mit den Luzerner Kirchen laden dazu ein, sich tiefergehend mit dem Verhältnis von Musik und Glaube auseinanderzusetzen.


Kartenverkauf LUCERNE FESTIVAL im Sommer 2012
Online-Kartenverkauf/schriftlicher Kartenverkauf ab Montag, 16. April 2012, 12.00 Uhr, per Internet (www.lucernefestival.ch), per Bestellschein oder per Fax. +41 (0)41 226 44 85 Telefonischer Kartenverkauf ab Donnerstag, 3. Mai 2012: +41 (0) 41 226 44 80 Schalterverkauf im KKL Luzern ab Montag, 6. August 2012, täglich von 10.00 – 18.00 Uhr


Kontakt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nina Steinhart, Leitung, n.steinhart@lucernefestival.ch, +41 (0)41 226 44 43 | Christian Schwarz, c.schwarz@lucernefestival.ch, +41 (0)41 226 44 59

Weiterführende Links:
http://www.lucernefestival.ch