13.03.2012 07:57 Workshop für Amateurtänzer

John Neuemeiers Bundesjugendballett beim "Heidelberger Frühling" - Deutschland ein neues Vorzeigeprojekt der Nachwuchsspitzenförderung

Bundesjugendballett (c)Christiane Gundlach

Von: Karsten Füllhaase

Mit dem im vergangenen September gegründeten Bundesjugendballett hat Deutschland ein neues Vorzeigeprojekt der Nachwuchsspitzenförderung. Die Compagnie aus acht professionellen Tänzerinnen und Tänzern zwischen 18 und 23 Jahren ist am »Ballettzentrum Hamburg - John Neumeier« angesiedelt und wird vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert.

Seinen ersten Auftritt außerhalb der Hansestadt hat das Bundesjugendballett beim »Heidelberger Frühling«. Speziell für das Festival erarbeitet das Ensemble eine vertanzte Version von Franz Schuberts Liederzyklus »Die schöne Müllerin«.

Uraufführung ist am Donnerstag, dem 29. März, um 20.00 Uhr in der HebelHalle, eine bereits ausverkaufte Folgeaufführung findet am 30. März statt. Aufgrund der großen Nachfrage wurde zudem eine Sondervorstellung am 31. März um 11.00 Uhr ins Programm aufgenommen.

Die Choreographie für diese Produktion unter dem Titel »Lied & Tanz« stammt von dem jungen Kanadier Robert Binet, dem John Neumeier als Mentor zur Seite stand. Die Musik wird live gesungen von Stipendiaten der letztjährigen Lied Akademie des »Heidelberger Frühling«, die für dieses Projekt erneut eingeladen worden sind.

»Wenn wir uns beim 'Heidelberger Frühling' mit dem Tanz auseinandersetzen, nehmen wir dabei eine besondere Perspektive ein«, so Festivalintendant Thorsten Schmidt. »Es ist die interdisziplinäre Herangehensweise, das Aufeinandertreffen verschiedener Kunstformen, das unseren Stipendiaten und den jungen Tänzern neue Impulse für ihre Arbeit geben soll.«

Auch für das Publikum sei es spannend, dieses Experimentieren mit neuen Präsentationsformen zu verfolgen: »Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass es bei diesem Projekt nicht in erster Linie darum geht, einen perfekten Tanzabend abzuliefern.

Das Prozessuale an unserer Arbeit mit den jungen Tänzern und Musikern steht hier im Zentrum - ebenso wie bei unserer Festival Akademie.« Mit dieser Einordung des Tanzes in das Festivalkonzept sieht der »Heidelberger Frühling« einen klaren Unterschied und eine sinnfällige Ergänzung zu der Arbeit in traditionellen Tanzzentren der Region wie Ludwigshafen oder etablierten Compagnien wie der des Nationaltheaters Mannheim.

In den Tagen vor den drei Aufführungen von »Lied & Tanz« wird das Bundesjugendballett in Heidelberg auch einen Workshop für junge Amateurtänzer veranstalten. Er findet am 27. und 28. März jeweils von 17.00 bis 20.00 Uhr in der HebelHalle statt und wird geleitet von Yohan Stegli, dem stellvertretenden Ballettmeister des Bundesjugendballetts

Neben der Tanzgruppe vom Haus der Jugend, mit dem der »Heidelberger Frühling« für den Workshop kooperiert, können auch weitere interessierte Jugendliche teilnehmen.

Im Workshop wird nach einer Einführung in die Tanzgeschichte und einer Demonstration durch das Bundesjugendballett eine Choreographie erarbeitet, die zum Abschluss des Workshops von den Teilnehmern öffentlich aufgeführt wird.

Die Aufführung findet am Mittwoch, dem 28. März, um 20.00 Uhr im Haus der Jugend statt, der Eintritt ist frei. Wer sich zu dem Workshop anmelden möchte, kann dies beim »Heidelberger Frühling« unter Telefon (06221) 584 00 31 oder per E-Mail an helene.seider@heidelberg.de.

»Vermittlungsarbeit - zum Beispiel auch in Form unseres Tanzworkshops - sehe ich als zentrale eine Aufgabe des 'Heidelberger Frühling'«, so Thorsten Schmidt. »Und mit dem Bundesjugendballett haben wir einen Partner gefunden, der sich ebenfalls zum Ziel setzt, Kunst in die Gesellschaft hineinzutragen.«

Um die Zutrittsbarriere zu diesem Projekt so gering wie möglich zu gestalten, setzt der »Heidelberger Frühling« bei »Lied & Tanz« auf moderate Eintrittspreise von 15 Euro für Erwachsene und 7,50 Euro für Schüler.

Ermöglicht wird dies durch den Mäzen Dr. Manfred Lautenschläger, der über die Manfred Lautenschläger-Stiftung das Projekt »Lied & Tanz« und die Lied Akademie großzügig fördert.

Karten für »Lied & Tanz« sowie alle weiteren Veranstaltungen des »Heidelberger Frühling« gibt es unter Telefon (06221) 584 00 44, www.heidelberger-fruehling.de und an allen bekannten Vorverkaufskassen. 

»Lied & Tanz«

Do. 29. März 12 | HebelHalle (Hebelstr. 9) | 20.00 Uhr (Uraufführung)

Fr. 30. März 12 | HebelHalle | 20.00 Uhr (ausverkauft)

Sa. 31. März 12 | HebelHalle | 11.00 Uhr (Zusatzvorstellung)

Workshop mit dem Bundesjugendballett

Di. 27. und Mi. 28. März | HebelHalle | jeweils 17.00 bis 20.00 Uhr

Aufführung der Workshopergebnisse am Mittwoch, dem 28. März, um 20.00 Uhr in der HebelHalle. Eintritt frei.

John Neumeier

John Neumeier wurde 1942 in Milwaukee, Wisconsin, USA, geboren. Den ersten Ballettunterricht erhielt er in seiner Heimatstadt, später in Kopenhagen und an der Royal Ballet School in London. Er studierte an der Marquette University in Milwaukee und schloss mit einem Bachelor of Arts in Englischer Literatur und Theaterwissenschaft ab. Dort entstanden erste Choreografien.

1963 engagierte ihn John Cranko an das Stuttgarter Ballett, wo er zum Solisten avancierte. 1969 berief ihn Ulrich Erfurt als Ballettdirektor nach Frankfurt am Main. Seit 1973 ist John Neumeier Ballettdirektor und Chefchoreograf des HAMBURG BALLETT, seit 1996 ist er Ballettintendant. Unter seiner Leitung wurde das HAMBURG BALLETT zu einer der führenden deutschen Ballettcompagnien und fand bald internationale Anerkennung.

Als Choreograf gilt sein Hauptinteresse der Pflege der Ballett-Tradition in Verbindung mit neuen, zeitgenössischen Formen. Dies zeigt sich vor allem in seinen Neufassungen der historischen Handlungsballette. Seine wegweisenden Choreografien nach Symphonien von Gustav Mahler fanden weltweit Anerkennung. Seine letzten Arbeiten für das HAMBURG BALLETT sind "Le Pavillon d'Armide" und "Orpheus" (2009) sowie "Purgatorio" (2011).

1978 gründete er die Ballettschule des HAMBURG BALLETT, die im Herbst 1989 zusammen mit der Compagnie in ein von der Stadt Hamburg eingerichtetes Ballettzentrum zog. Das Ballettzentrum beheimatet insgesamt neun Studios und ein Internat für über 30 Schüler. Mittlerweile besteht die Compagnie zu über 80% aus Absolventen der Ballettschule.

Als Gastchoreograf hat John Neumeier mit vielen verschiedenen Compagnien gearbeitet, u.a. mit dem Royal Ballet in London, den Ballettcompagnien der Staatsopern in Wien, München und Dresden, dem Stuttgarter Ballett, dem Königlich Dänischen Ballett, dem Ballet de l'Opéra National de Paris, dem Tokyo Ballet, dem American Ballet Theatre in New York, dem National Ballet of Canada, dem Ballett des Mariinsky-Theaters und dem San Francisco Ballet.

John Neumeier ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. 2003 ernannte ihn der französische Staatspräsident Jacques Chirac zum Ritter der Ehrenlegion. 2006 wurde ihm der Prix Nijinsky für sein Lebenswerk verliehen, 2007 der Herbert-von-Karajan-Musikpreis. Anlässlich des 25. Jubiläums des Deutschen Tanzpreises 2008 erhielt er diese Auszeichnung zum zweiten Mal. Er ist Ehrenbürger der Stadt Hamburg.

Im Februar 2006 gründete John Neumeier die Stiftung John Neumeier mit dem Ziel, seine umfangreiche Sammlung zu den Themen Tanz und Ballett, seine Kunstsammlung sowie sein Lebenswerk zusammenzufassen, zu erhalten und zu sichern.

John Neumeier steht dem BUNDESJUGENDBALLETT als Intendant vor.

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