01.07.2014 09:00 Internationales Brucknerfest Linz 2014

Gastspiel der Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky am 19. und 21. September im Posthof Linz

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky Die Drei Pintos in Linz

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky "Die drei Pintos" Quelle: Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky Kholstomer

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky "Kholstomer - Der Leinwandmesser" Quelle: Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky

Von: GFDK - Karl Zabern

Das Internationale Brucknerfest Linz 2014 umfasst ein vielseitiges Programm: Jeder Tag, jede Veranstaltung ist eine weitere Entdeckung, wie auch der diesjährige Titel besagt.

„Das nunmehr zweite Gastspiel der Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky, dem innovativsten Operntheater Russlands, präsentieren wir erstmals im Posthof Linz“, sagt Hans-Joachim Frey, künstlerischer Leiter der LIVA. Die Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky, 2013 erstmals zu Gast in Linz, kommt heuer mit zwei besonderen Produktionen: Die drei Pintos und Kholstomer – Der Leinwandmesser.

Neu: Werkeinführungen

„Neu und besonders ist nicht nur der Aufführungsort, sondern auch eine Werkeinführung vor jedem der Stücke“, sagt Hans-Joachim Frey. „Damit gehen wir auf die Wünsche unseres Publikums ein, das schon beim ersten Gastspiel der Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky sehr interessiert war an näheren Details und Hintergründen zu den Produktionen. Dies ge- schieht nun aus erster Hand und unmittelbar vor den Aufführungen um jeweils 19:15 Uhr.“ Das Besondere in der Aufführungspraxis der Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky: Es treten keine Solisten und Solistinnen im herkömmlichen Sinne auf, sondern „alle sollen alles können“. Durch einen ständigen Wechsel treten alle Darsteller als SolistInnen in Erscheinung – wie sie dann aber auch wieder in den Chor zurücktreten.

voestalpine AG: Unterstützende Verbindungen

Die voestalpine AG fördert von 2013 bis 2015 das Internationale Brucknerfest Linz als Hauptsponsor und präsentiert als einen der Schwerpunkte dieser Zusammenarbeit das Inno- vative Operntheater mit der Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky im Posthof.

Freitag, 19.9.2014, 20:00, Posthof Linz (Werkeinführung: 19:15 Uhr)

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky: Die drei Pintos Komische Oper in drei Aufzügen

Carl Maria von Weber / Gustav Mahler;
Libretto: Carl Maria von Weber, Theodor Hell: Libretto nach der Novelle Der Brautkampf von Carl Seidel
Uraufführung: 20. Jänner 1888, Leipzig

Mikhail Kislyarov Regisseur, Choreographie
Gennady Rozhdestvensky Musikalischer Leiter, Dirigent Alexei Vereshchagin Chorleiter
Sergei Barkhin Bühnenbild

Die drei Pintos ist eine Oper von Carl Maria von Weber und trägt die Bezeichnung: Scherz- hafte Oper in drei Aufzügen. Der Text stammt von Theodor Hell (= Karl Winkler) nach der Novelle Der Brautkampf von Carl Seidel. Die Oper blieb unvollendet und wurde später po- stum bearbeitet und vollendet von Gustav Mahler.

Erster Akt

Don Pantaleone und sein Freund Don Anselmo Fonseco möchten ihre beiden Kinder Clarissa und Don Pinto miteinander verheiraten. Don Pinto kennt Clarissa nicht und fährt daher nach Madrid, um sie kennenzulernen. Auf dem Weg dorthin kommt Don Pinto an einer Gaststätte vorbei, in der er eine Rast einlegt. In der Gaststätte wird gerade der Abschied des Studenten Gaston gefeiert. Don Pinto nimmt an dem Gelage teil und liegt nach einiger Zeit betrunken unter einem Tisch und schläft seinen Rausch aus. Gaston hat sein ganzes Geld ausgeben und beschließt, den betrunkenen Don Pinto zu bestehlen. Er nimmt neben dem Geld auch dessen Papiere an sich und reist an Don Pintos Stelle nach Madrid.

Zweiter Akt

Don Pantaleone hat sich mit seinen Verwandten und Freunden in der Ahnenhalle seines Schlosses versammelt. Man wartet auf Don Pinto, um ihn willkommen zu heißen. Clarissa ist betrübt. Sie liebt heimlich Don Gomez de Freiros und möchte Don Pinto nicht heiraten. Clarissas Zofe Laura weiß um deren Liebe zu Don Gomez und tröstet Clarissa.

Dritter Akt

Inzwischen ist „Don Pinto“, der in Wahrheit Gaston ist, auf dem Schloss angekommen und wird gemeldet. Bevor dieser eintreten kann, wird er von Don Gomez abgefangen, der Gaston erklärt, dass Clarissa eigentlich seine Braut sei. Gaston möchte Clarissa nun nicht mehr hei- raten und berät sich mit Don Gomez, wie weiter vorzugehen sei. Man beschließt, dass sich Don Gomez für Pinto ausgeben solle. Dieser wird als „Don Pinto“ herzlich von den versam- melten Gästen empfangen. Derweil kommt der echte Don Pinto an. Er tritt in ein Fettnäpf- chen und wird sofort aus der Halle geworfen. Als die Wahrheit um die „drei Pintos“ endlich ans Licht kommt, ist es bereits zu spät. Don Gomez und Clarissa haben sich bereits das Ja- Wort gegeben.

Entstehungs- und Aufführungsgeschichte
Ob Webers Manuskript der gesamten Oper nach seinem Tod von einem der Trauergäste aus Webers Wohnhaus in London 1826 gestohlen worden ist, wie der englische Musik- schriftsteller John Warrack in seiner Weber-Biografie vermutet, lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Sicher ist, dass Weber einen gesamten, sehr detaillierten Kompositionsplan der dreiaktigen Oper hinterlassen hat.

Weber begann die Komposition 1820, seine letzte Arbeit daran ist vom 20. September 1824 datiert. Nur sieben musikalische Nummern der Oper stammen im Original von Webers Hand. Nach seinem Tod hat Webers Frau zunächst Giacomo Meyerbeer die Partiturskizzen zur Bearbeitung und Vollendung übergeben. Doch dieser ließ die Manuskripte zwanzig Jahre unbeachtet liegen. 1847 erhielt sie Webers Sohn Max Maria wieder zurück. Der Enkel des Komponisten, der Hauptmann Carl von Weber, erbte diese Manuskripte. Er lag zu dieser Zeit in Garnison in Leipzig, wo er die Bekanntschaft mit dem jungen Gustav Mahler machte. Mahler, der sich sehr für die Frau Carl von Webers interessierte, erhielt von ihm die Opern- Skizzen und eine selbstverfasste Textrevision des Librettos. Der junge Komponist stellte einen neuen Plan für die drei Akte der Oper auf und komponierte, nach Weber'schen Moti- ven und Themen aus anderen Kompositionen die gesamte Oper, weitgehend wohl im Sinne des Komponisten, im Sommer 1887 neu. Die Uraufführung fand am 20. Januar 1888 im Neuen Stadt-Theater zu Leipzig statt, in der auch Therese Rothauser sang.

Rezeption

Von den Zeitgenossen wurde das Libretto als problematisch empfunden, auch in der überar- beiteten Fassung: „Der einer Novelle entlehnte Stoff würde sich zu einem Intriguenlustspiel eignen, ist aber für eine komische Oper nicht besonders geschaffen; denn es fehlt ihm die Feinheit, die in Mozarts ‚Hochzeit des Figaro‘ so anziehend wirkt; er ist mehr von schwankar- tiger Derbheit. (...) Vielleicht hätten die Bearbeiter dem Text neue Würze geben können, wenn sie sich nicht allzu pietätvoll an die Weber’schen Reliquien gehalten hätten: es fehlt die Steigerung; der zweite Akt ist dramatisch inhaltlos und enthält nur lyrische Nummern, so war auch sein Erfolg beiweitem matter als der des ersten Aktes; das Ganze vertrug überhaupt feinere Verknüpfung und schlagfertigeren Humor.

Die Musik Webers als auch die Bearbeitung erhielten hingegen den ungeteilten Beifall des Publikums: „Die musikalischen Reliquien Webers stammen aus der Zeit, in der er den ‚Frei- schütz‘ komponirt hatte, gehören also einer Epoche frischen und freudigen Aufschwungs an. Namentlich gilt dies von den Liedern und dem Terzett des ersten Aktes; aber auch das Ter- zett des dritten Aktes und das Lied des Ambrosio, mag es nun von Weber herrühren oder ihm nachkomponirt sein, sind von graziöser Haltung und gewinnender Frische. Die Arie der Clarissa und das Lied der Laura im zweiten Akt erinnern an die Herzensergüsse von Agathe und Aennchen: beide sind nach andern nicht veröffentlichten Themen des Meisters kompo- nirt. Die Introduktion zum zweiten Akt ist von Mahler sehr geschickt zusammengestellt, wie überhaupt die ganze Einrichtung als eine achtungswerthe Talentprobe des jungen Komponi- sten erscheint. Die Melodien selbst sollen fast alle aus dem Weber’schen Nachlaß entnom- men sein, wenn sie auch nicht für die drei Pintos komponirt waren."

Sonntag, 21.9.2014, 20:00, Posthof Linz (Werkeinführung: 19:15 Uhr)

Moskauer Kammeroper Boris Pokrovsky: Kholstomer – Der Leinwandmesser Oper in zwei Akten nach einem Roman von Leo Tolstoi in deutsch-russischer Sprache

Vladimir Kobekin Komponist, Libretto
Mikhail Kislyarov Regisseur, Choreographie Vladimir Agronsky Musikalischer Leiter, Dirigent Viktor Volsky Bühnenbild

Der Leinwandmesser (russisch Холстомер) ist eine Erzählung, die Leo Nikolajewitsch Tolstoi während einer seiner größten Schaffensperioden schrieb. Die Erzählung erschien im Jahr 1886. Tolstoi verfasste sie in den 1860er Jahren. Sie handelt vom Leben eines schecki- gen Pferdes.

Handlung

Das titelgebende Pferd wird wegen seines langen, weit ausschreitenden Ganges Leinwand- messer genannt. Als alter, scheckiger Wallach erzählt es in seinem letzten Gestüt in fünf aufeinanderfolgenden Nächten den jüngeren Artgenossen seine Lebensgeschichte.

Es war einst wegen seiner Kraft im ganzen Land berühmt und ging in jungen Jahren in den Besitz des Husarenoffiziers Nikita Serpuchowskoj über. Dieser draufgängerische Lebemann reitet Leinwandmesser in einer Nacht, in der er einer untreuen Geliebten hinterherjagt, der- maßen zugrunde, dass dieses von neuen Besitzern fortan hauptsächlich als Lasttier genutzt wird.

Gegen Ende der Erzählung kommt Serpuchowskoj, inzwischen verfettet, hochverschuldet und von der einstigen Geliebten endgültig verlassen, zum Besitzer des letzten Gestüts von Leinwandmesser. Er erinnert sich an seinen scheckigen Wallach und schwelgt in glorreichen Zeiten, was dem Leser Serpuchowskojs inzwischen eingetretenen Verfall nur umso mehr verdeutlicht. Tolstoi beschreibt zum Schluss das Sterben Leinwandmessers ebenso wie das Hinsiechen seines einstigen Herrn und setzt menschlichen und tierischen Niedergang in Be- ziehung zueinander.

Karten und Infos:
Brucknerhaus Linz
Untere Donaulände 7, 4010 Linz Tel.: +43 732 77 52 30
kassa@liva.linz.at




Mag. Claudia Werner / PR und Medienarbeit
Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz
E-Mail: claudia.werner@liva.linz.at